Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Züge auf Bremsabstand

01.09.2008
Der Personen- und vor allem Güterverkehr auf der Schiene hat große Zuwachsraten. Zahlreiche Zugverbindungen stoßen so schon heute an ihre Kapazitätsgrenze.

KIT-Forscher arbeiten deshalb zusammen mit Institutionen aus Wissenschaft und Industrie an extrem präzisen, bordautonomen Ortungssystemen, die die Kapazität bestehender Schienensysteme erheblich steigern sollen. Jetzt wurde das insgesamt mit 3,75 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte DemoOrt-Projekt bei einem Meilensteintreffen in Karlsruhe erstmals vorgestellt.

Das neue System, dessen Entwicklung das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR koordiniert, kombiniert zwei moderne, direkt im Triebwagen installierte Technologien zur Ortsbestimmung - am KIT entwickelte Wirbelstromsensoren und eine Satellitenortungseinheit, die die TU Braunschweig zur Verfügung stellt. Der Wirbelstromsensor induziert elektrische Ströme ins Gleis, die dann als Magnetfeld wieder empfangen werden. So bestimmt das am Unterboden des Zugs installierte Gerät nicht nur exakt die Geschwindigkeit, sondern erkennt auch das spezifische Muster von Weichen und Radlenkern am Gleis.

Gleicht man die so gewonnenen Daten mit digitalem Kartenmaterial ab, kann die Position des Zuges eindeutig bestimmt werden. Der Wirbelstromsensor kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn das GPS-System unter besonderen geographischen oder klimatischen Bedingungen - in Tunnels, Schluchten oder bei Schnee, Eis und dicker Wolkendecke - keine Satelliten-Verbindung aufbauen kann.

Carsten Hasberg, der den Wirbelstromsensor unter der Leitung von Professor Christoph Stiller vom Institut für Mess- und Regelungstechnik des KIT weiterentwickelt, formuliert ehrgeizige Ziele: "Züge sollen künftig mit einer Genauigkeit von einem halben Meter geortet werden und genau wie Autos auf Bremsabstand fahren können". Zum Vergleich: Mit dem heutigen Standard, an den Schienen montierten Achszählern, kann die Position von Zügen nur mit einer Ge-nauigkeit von etwa einem Kilometer bestimmt werden. Ohne einen Cent in die Infrastruktur zu investieren, so Hasberg, könnten auf dem bestehenden Schienensystem bald doppelt so viele Züge verkehren wie heute.

Der besondere Charme des Projekts liegt darin, dass nicht nur viel befahrene Strecken sehr viel effektiver genutzt werden können. Auch wenig befahrene Gleisabschnitte könnten mit bordautonomen Ortungssystemen deutlich kostengünstiger betrieben werden, da aufwändig montierte Achszähler, die kilometerlange Kabel entlang der Schienen verbinden, nicht mehr notwendig sind.

Seit August 2007 erproben die Wissenschaftler Wirbelstromsensor und Satellitenortung in AVG-Straßenbahnwägen auf der Strecke von Ettlingen in den Schwarzwald nach Bad Herrenalb in der Praxis. Das DemoOrt-Konsortium betreibt darüber hinaus eine 30 Kilometer lange Versuchsstrecke in der slowakischen Hohen Tatra. Dort wird das Ortungssystem bei schwierigen klimatischen und anspruchsvollen geographischen Bedingungen auf Herz und Nieren geprüft.

Anfang 2009 soll das Projekt abgeschlossen sein. Der nächste Schritt ist eine Strecke, auf der das neue Ortungssystem echte Betriebsverantwortung übernimmt. Dann will der ebenfalls beteiligte Schienenfahrzeugbauer Bombardier das Ortungssystem vermark-ten. Ein weiteres Einsatzgebiet für die Technik wäre ein neuartiges Kollisionsvermeidungssystem.

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Ein-richtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT ar-beiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Cybersicherheit für die Bahn von morgen

24.03.2017 | Informationstechnologie

Schnell und einfach: Edge Datacenter fürs Internet of Things

24.03.2017 | CeBIT 2017

Designer-Proteine falten DNA

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie