Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Mobilität wollen wir?

21.12.2010
Wie können wir unsere Mobilitätsroutinen ändern? Und wie lässt sich die Mobilität der Zukunft nachhaltig und dennoch bequem gestalten?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Fährt er die Strecke zur Arbeit immer mit der U-Bahn, wird er dies auch tun, wenn der Partner das gemeinsame Auto einmal nicht braucht, weil er mit dem Zug auf eine Dienstreise gefahren ist. Um Mobilität nachhaltig gestalten zu können, ist es grundlegend zu verstehen, in welchen Situationen Menschen eingefahrene Routinen durchbrechen. Martin Lanzendorf, Stiftungsprofessor für Mobilitätsforschung an der Goethe-Universität, hat in Befragungen die „Mobilitätsbiografien“ einer großen Anzahl von Menschen rekonstruiert und darin Schlüsselereignisse gefunden: die bestandene Führerscheinprüfung, die Geburt eines Kindes oder ein Wohnortwechsel. In der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ zeigen er und Dennis Tomfort, wie die Stadt München durch „Neubürger-Marketing“ Zugezogene dazu bewegt, öffentliche Verkehrsmittel verstärkt in ihre neuen Mobilitäts-Routinen einzubeziehen.

Die gesellschaftlichen Entscheidungen für die Mobilität der Zukunft werden nicht ohne das Zutun der Nachfrager getroffen. Von dieser Annahme gehen auch Dr. Konrad Götz und Dr. Jutta Deffner vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt aus. „Entscheidend wird sein, welche Konzepte die Nutzer annehmen werden, da sie ihre Lebensqualität und Mobilität nicht einschränken wollen“, weiß Deffner. Im Projekt Future Fleet geht es dem ISOE deshalb darum, wie alltagstauglich Elektromobilitätskonzepte für die Nutzerinnen und Nutzer sein müssen, damit sie auch in Dienstwagenflotten erfolgreich sein können.

„Denkt man über alle möglichen Mobilitätsszenarien der Zukunft nach, gelten nach wie vor die drei Vs: vermeiden, verlagern, verträglich abwickeln“, erläutert Konrad Götz die Zielrichtung der Mobilitätsforschung. Deshalb geht es zunächst darum, Verkehr zu vermeiden, ihn dann auf umweltfreundliche Fortbewegungsformen wie Fahrrad, Gehen und ÖPNV zu verlagern und schließlich zum Beispiel um die technische Optimierung von Fahrzeugen. Hier könnten Elektrofahrzeuge eine Rolle spielen.

Sinnvoll erscheint nach derzeitigem Stand der Forschung die Integration von Elektrofahrzeugen in multioptionale Systeme, die verschiedene Formen der Mobilität komfortabel miteinander kombinieren und das Zufußgehen in der frischen Luft ausdrücklich einbeziehen. „Am besten werden sie als Fahrzeuge, die man fahren kann, aber nicht besitzen muss, bereitgestellt“, so Götz. Beispielhaft sind hier das moderne Car-Sharing, aber auch Pilotprojekte wie Car2Go in Ulm und Austin (Texas). Von Wind, Sonne und Wasser angetriebene Pedelecs, Roller, Motorräder, Dreiräder, Kabinen, Autos und was sonst noch in Zukunft erfunden wird, wären nutzbar, ohne dass die mobilen Menschen sich mit dem Kauf, der Wartung und Pflege belasten müssen.

Welche technischen Voraussetzungen für den umweltfreundlichen Betrieb von Elektrofahrzeugen erfüllt werden müssten, wie man sie in Energienetze für erneuerbare Energien integrieren könnte und welche Elektrofahrzeuge schon jetzt auf dem Markt sind, erläutern Deffner und Götz in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“.

Informationen zu Mobilitätsbiografien: Dennis Tomfort und Prof. Martin Lanzendorf, Institut für Humangeographie, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-23561/-22409; tomfort@em.uni-frankfurt.de / lanzendorf@em.uni-frankfurt.de.

Informationen zur Elektromobilität: Dr. Jutta Deffner und Dr. Konrad Götz, Institut für Sozialökologische Forschung (ISOE), Tel: (069) 7076919-38/-21, deffner@isoe.de / goetz@isoe.de.

Kostenlose Bestellung von „Forschung Frankfurt“: ott@pvw.uni-frankfurt.de „Forschung Frankfurt“ online: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/2010/index.html

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber: Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main,

Tel: (069) 798-29228, Fax: (069) 798-28530, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/dok/2010/2010-3/14Lanzendorf.pdf
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/dok/2010/2010-3/15G__tz.pdf

Weitere Berichte zu: Elektrofahrzeug Mobilität Mobilitätsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Verkehrsmanagement in Ballungsgebieten
08.12.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?
24.11.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie