Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VR-HYPERSPACE – Flugkomfort in Virtueller Realität

06.02.2014
Zukünftige Technologien sollen helfen, die Raum- und die Eigenwahrnehmung in Flugzeugen zu verändern

Wer kennt das nicht? Nach einem langen Eincheckprozedere sitzt man endlich auf dem zugewiesenen Platz im Flugzeug. Doch der Sitz ist zu schmal, der Fußraum zu eng, der Nachbar belegt beide Armlehnen und die Familie mit Kleinkindern in der Reihe davor erhöht den Geräuschpegel beträchtlich.


Probanden testen den Versuchsaufbau des Fraunhofer IAO: Mit Hilfe Virtueller Realität wird der Eindruck einer „gläsernen Flugkabine“ erzeugt.

(Foto: Fraunhofer IAO)

Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, die Umgebung auszublenden oder vielleicht sogar das Gefühl eines bequemen, entspannten Sitzens zu erzeugen!

Diese Illusion könnte bald Realität werden und den Passagierkomfort beim Fliegen deutlich verbessern. Zusammen mit sieben weiteren Partnern aus ganz Europa arbeiten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart innerhalb des Projekts „VR-Hyperspace“ daran, diese Vision zu verwirklichen.

Aufgrund ständig steigender Passagierzahlen und dem nur begrenzten Platzangebot in Flugzeugkabinen wird Passagierkomfort in Zukunft ein immer wichtigeres Thema sein. VR-Hyperspace, unter der Leitung von The University of Nottingham, ist ein vom 7. Forschungsrahmenprogramm (FP7) der Europäischen Kommission gefördertes Grundlagenprojekt, das Technologien zur Erhaltung und Verbesserung des Passagierkomforts in Flugzeugkabinen erforscht.

Neueste Forschungsergebnisse aus den Neurowissenschaften haben gezeigt, dass man mit Hilfe von Virtueller Realität (VR) erstaunlich einfach die Illusion eines veränderten Raumes, ja sogar eines veränderten Körperbewusstseins erzeugen kann. Neun verschiedene Forschungsinstitutionen und Industrieunternehmen aus sechs Ländern arbeiten daran, solche Verfahren zu entwickeln und ihre Tauglichkeit in Bezug auf die Erhöhung des Passagierkomforts in verschiedensten Anwendungsszenarien zu überprüfen.

Die getesteten Technologien reichen vom Einbau eines Displays in die Oberflächen der Kabine bis hin zu vollständiger Immersion in eine Virtuelle Realität, die sowohl die Raum- als auch die Körperwahrnehmung verändern kann. Die vielversprechendsten Entwicklungen von VR-Hyperspace werden in die Kabine eines Bewegungssimulators integriert, die es erlaubt, diese Technologien auf engem Raum und auch unter extremen Flugbedingungen wie beispielsweise bei Turbulenzen zu testen.

Das Fraunhofer IAO hat im Projekt einen Flugzeugkabinenaufbau entwickelt, bei dem mittels Virtueller Realität die Flugzeugwand und der Innenraum transparent geschaltet werden können. Möglich wird dies dadurch, dass die Kabine nahezu komplett aus Displayflächen besteht. Projektoren lassen Bilder an den Kabinenwänden erscheinen, im Boden sind Flachbildfernseher verbaut und auch die Rückenlehnen der Sitze bestehen aus Displayflächen. Anhand von VR ist nun nahezu jede denkbare Szene darstellbar. Vielleicht möchte man das Fliegen voll auskosten durch freie Sicht auf die Landschaft wie in einer gläsernen Flugzeugkabine? Bei Höhen- oder Flugangst kann die Displayfläche beispielsweise auch eine tropische Insel oder einen Bachlauf im Wald abbilden. In dieser virtuellen Welt kann der Passagier außerdem mit gängigen Office-Anwendungen arbeiten, während er virtuell die Sonne auf einer einsamen Insel genießt. Erste Untersuchungen zeigen bereits, dass Probanden eine unkomfortable Situation mit den entwickelten Szenarien länger ertragen können und die Zeit scheinbar schneller vergeht.

Dem Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik kommt innerhalb des Projekts die Aufgabe zu, wissenschaftliche Resultate zum Thema „Eigen- und Raumwahrnehmung“ bei Flugbewegungen wie beispielsweise Turbulenzen zu testen. Mit Hilfe eines Head Mounted Displays (HMD), einer Art Brille, mit der virtuelle Szenen räumlich gesehen werden können, konnte schon in ersten Versuchen gezeigt werden, dass es möglich ist, ein Gefühl eines vergrößerten Raumes wie beispielsweise einer Strandszene entstehen zu lassen. Das Thema „Virtual Embodiment“ wird zusammen mit Partnern der Universitat de Barcelona behandelt und es konnte bereits gezeigt werden, dass der Eindruck eines virtuellen Körpers in einer bequemen Körperhaltung positiven Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden hat. In den kommenden Monaten gilt zum einen der Fokus den Fragestellungen, ob diese Illusionen auch während des Fluges erzeugt werden können und zum anderen, ob sie Stress mindern können, der durch Turbulenzen im Flug ausgelöst wurde. Für die Simulation von Turbulenzen werden die durch das HMD erfahrenen Illusionen zusammen mit physiologischen und wahrnehmungsbasierten Messmethoden und dem eigens am Institut entwickelten CyberMotion-Simulator (CMS) kombiniert. Der CyberMotion-Simulator ist ein neuartiger Bewegungssimulator, der Wissenschaftlern die Möglichkeit bietet, zukünftige Flugszenarien mit Hilfe von Virtueller Realität zu testen und dabei gleichzeitig das Verhalten der Probanden zu untersuchen.

Ansprechpartner:

Dipl.-Ing. (FH) Juliane Segedi
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer IAO
Tel.: 0711 970-2124
E-Mail: presse @iao.fraunhofer.de
Cora Kürner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Tel.: 07071 601-603
E-Mail: cora.kuerner@tuebingen.mpg.de
Lindsay Brooke
Media Relations Manager
The University of Nottingham
Tel.: +44 (0)115 9515751
E-Mail: lindsay.brooke@nottingham.ac.uk
Druckfähige Bilder erhalten Sie von den oben genannten Ansprechpartnern. Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Die Kooperationspartner:

Großbritannien: The University of Nottingham

Deutschland:
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Bauhaus-Universität Weimar
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Airbus Group Innovation
Finnland: Valtion Teknillien Tutkimuskeskus
Spanien: Universitat de Barcelona
Griechenland: Institute of Communications and Computer Systems
Italien: Thales Alenia Space Italia S.p.A.
Stuttgart – Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO beschäftigt sich mit aktuellen Fragestellungen rund um den arbeitenden Menschen. Insbesondere unterstützt das Institut Unternehmen dabei, die Potenziale innovativer Organisationsformen sowie zukunftsweisender Informations- und Kommunikationstechnologien zu erkennen, individuell auf ihre Belange anzupassen und konsequent einzusetzen. Unter einer gemeinsamen Institutsleitung arbeiten am Fraunhofer IAO und dem IAT der Universität Stuttgart etwa 500 Mitarbeiter – vorwiegend Ingenieure, Informatiker, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler – interdisziplinär zusammen. Aufbauend auf der langjährigen Forschungsarbeit des IAO im Bereich der Virtuellen Realität (VR) erforscht das Competence Team Visual Technologies im Light Fusion Lab neue Konzepte und Anwendungen für interaktive Displayumgebungen auf der Basis von LED- und OLED-Technologie und natürlicher Interaktion.

Tübingen – Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Das Institut mit seinen drei Abteilungen und sechs Forschungsgruppen beherbergt unter anderem Hochfeld-Magnetresonanzscanner, Virtual Reality-Setups und einen weltweit neuartigen Bewegungssimulator. Es beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Nottingham – “The University of Nottingham” mit ihren 42000 Studenten und Campusanlagen in China und Malaysia zählt laut dem Times Good University Guide 2014 zu den attraktivsten Universitäten Großbritanniens. Sie gehört zu den grünsten Universitäten der Welt und ist Gewinner des “Times Higher Education Award”, den sie für ihren herausragenden Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung erhielt. Absolventen der Universität werden in Großbritannien bevorzugt eingestellt. Die Universität gehört außerdem zu den 75 international führenden Universitäten; 90 Prozent ihrer gesamten Forschung ist auf internationalem Niveau. Das Ziel der Universität ist es, einen weltweiten Bekanntheitsgrad für ihre Forschungsbeiträge zu erlangen – insbesondere in den Bereichen der weltweiten Lebensmittelsicherheit, der Energie, der Nachhaltigkeit und der Gesundheit. Die Universität ist Preisträger des “Queen’s Anniversary Prize”, der ihre Forschung im Bereich der globalen Lebensmittelsicherheit würdigt. 2011 wurde die “Nottingham Impact Campaign”, die bisher größte Spendenkampagne der Universität, ins Leben gerufen, um die Vision der University of Nottingham zu verwirklichen: Leben zu verändern, globale Themen anzugehen und die Zukunft mitzugestalten.

Weitere Informationen:
http://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/geschaeftsfelder/engineering-systeme/1287-testflug-in-der-glaesernen-flugkabine.html
http://www.vr-hyperspace.eu
http://www.cyberneum.de/facilities-research/cms.html

Juliane Segedi | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.iao.fraunhofer.de
http://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/geschaeftsfelder/engineering-systeme/1287-testflug-in-der-glaesernen-flugkabine.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise