Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verkehr in der City: Entlastung für Frankfurter Innenstadt?

29.04.2015

Forschungsprojekt untersucht Wirtschaftsverkehr und gibt Empfehlungen zur Verkehrsplanung

Der Wirtschaftsverkehr in der Frankfurter Innenstadt nimmt mehr und mehr zu. Er führt dazu, dass die Nutzungskonflikte im innerstädtischen Straßenraum zunehmen. Die Folgen sind Engpässe bei Logistik‐Prozessen, und die Gefährdung der Verkehrssicherheit.

Um Defizite in der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur zu identifizieren und gezielter geeignete Lösungsansätze zu generieren, haben die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main und das House of Logistics and Mobility (HOLM) im März 2013 den gemeinsamen Arbeitskreis „Frankfurter Wirtschaftsverkehre“ einberufen und mehrere Fachgruppen gegründet.

Die Fachgruppe „Datengrundlage und Modellierung“ unter Leitung von Prof. Dr. Petra Schäfer hat mit dem Projekt „Optimierung des Wirtschaftsverkehrs in der Frankfurter Innenstadt“ eine umfassende Datengrundlage zu innerstädtischen und wirtschaftsbezogenen Verkehrsbewegungen erhoben und einen Katalog an verkehrsplanerischen Maßnahmen erarbeitet.

Beides stellten die Forschenden der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS) unlängst der Stadt Frankfurt am Main zur Verfügung. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören die bessere Ausweisung von Ladezonen, die Freigabe von Taxiständen für den Lieferverkehr und das Durchfahrtsverbot für Nicht-Anlieger.

Wirtschaftsverkehr ist der Transport von Personen und Gütern mit gewerblichem Hintergrund oder zur Erbringung einer Dienstleistung. Sein reibungsloser Ablauf ist in einer ökonomisch starken und verdichteten Region wie dem Rhein-Main-Gebiet von wesentlicher Bedeutung.

Die Frankfurter Innenstadt ist ein attraktiver Anziehungspunkt für Touristen und Bewohner Frankfurts. Sie ist stark vom Einzelhandel geprägt – mit entsprechend hoher Aktivität an Lieferverkehr. Vermehrte Engpässe bei Anlieferungsprozessen und dadurch entstehende Nutzungskonflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern sind die Folge. Auch gesellschaftliche Veränderungen wie die Wiederaufwertung der Innenstadt als Wohnraum und die Zunahme des Versandhandels haben Einfluss auf die Verkehrssituation und stellen Verkehrsplanung und Logistik vor große Herausforderungen.

Neben ökonomischen Konsequenzen für die betroffenen Unternehmen (z. B. durch Nicht-Einhalten von Lieferfristen oder Bußgelder aufgrund von illegalem Abstellen der Fahrzeuge) haben solche Nutzungskonflikte auch Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit, etwa, wenn die Einsehbarkeit an Kreuzungen nicht mehr gegeben ist oder Fahrradwege zugeparkt werden.

Mit der Erarbeitung von Lösungsansätzen für derartige Probleme haben sich Prof. Dr.-Ing. Petra Schäfer vom Fachbereich Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik und Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke vom Fachbereich Wirtschaft und Recht in dem Projekt befasst; unterstützt wurden sie von der Stadt Frankfurt. Die finanzielle Förderung in Höhe von 20.000 Euro wurde über die HOLM-Richtlinie des Hessischen Innovationsfonds ermöglicht. Das Projekt war eines der ersten Vorhaben, das mit Geld aus dem Topf des Innovationsfonds unterstützt worden ist. Das Projekt hatte zum Ziel eine valide Datenbasis für den Wirtschaftsverkehr in der Frankfurt Innenstadt zu erheben. Darüber hinaus wurden Vorschläge zur besseren Abwicklung des Wirtschaftsverkehrs erarbeitet.

Zur Datenerhebung nutzten die Forschenden bestehende Quellen und führten spezifische Verkehrserhebungen und -beobachtungen in einem Pilotgebiet in der Frankfurter Innenstadt durch; hier lag der Fokus auf den Be‐und Entladevorgänge des Wirtschaftsverkehrs. Das Pilotgebiet erstreckte sich vom Eschenheimer Tor bis zum Willy-Brandt-Platz und schloss die Straßenzüge Große Eschenheimer Straße, Roßmarkt, Kaiser- und Friedensstraße ein.

Die Wahl fiel auf dieses Gebiet, da es ein zentrales innerstädtisches Ziel des Wirtschaftsverkehrs ist und es hier aufgrund der Abwicklung der Be- und Entladevorgänge im Straßenraum zu den genannten Nutzungskonflikten kommt. Zudem führten sie Interviews mit Unternehmen aus der Logistikbranche durch sowie Vor-Ort-Befragungen mit den wichtigsten Nutzergruppen: Kurier‐, Express‐ und Paketdienstleister und Lieferanten.

Die Datengrundlage enthält unter anderem Hinweise zu Fahrzeugtypen, die im Wirtschaftsverkehr eingesetzt werden, zu den Gewerbearten (z.B. Lieferanten, Handwerker), die im Untersuchungsgebiet unterwegs sind sowie wie lange und wo die Fahrzeuge abgestellt werden. Daraus ergeben sich konkrete Anforderungen an zukünftige Maßnahmen: Welche Akteure müssen für welche Maßnahmen einbezogen werden? Wo sind zusätzliche Ladeflächen notwendig und wo nicht?

Der Maßnahmenkatalog selbst enthält Vorschläge zur Umplanung des Straßenraums und zur Änderung der Verkehrsführung in bestimmten Teilen des Untersuchungsgebiets. Dazu gehört die Ausweisung von Ladezonen, um so Engpässe bei den Liefervorgängen aufzuheben und vor allem das illegale Abstellen von Fahrzeugen auf der Fahrbahn, den Gehwegen oder Fahrradwegen zu verhindern.

Eine einheitlichere und deutlichere Beschilderung und Markierung dieser Ladezonen könnte die Akzeptanz bei den anderen Verkehrsteilnehmern erhöhen und so das Zustellen dieser Flächen durch private Pkw verringern. Die temporäre Freigabe von Taxistreifen für den Wirtschaftsverkehr, da diese in den Hauptlieferzeiten nur zum Teil ausgelastet sind, könnte zudem Entlastung schaffen ebenso die Einrichtung eines Durchfahrtverbots für Nicht-Anlieger auf ausgewählten Straßenabschnitten, die keine Verbindungsfunktion aufweisen (Roßmarkt und Große Eschenheimer Straße). Dadurch könnte das Verkehrsaufkommen gesenkt werden, sodass sich das Konfliktpotenzial zwischen ruhendem und fließendem Verkehr verringert.

„Die erhobenen Daten sind zwar nicht direkt auf andere Städte übertragbar, können jedoch wichtige Hinweise liefern. Die entwickelte Erhebungsmethodik kann jedoch, unter bestimmten Rahmenbedingungen, auch von anderen Städten genutzt werden, um Informationen über den Wirtschaftsverkehr in den eigenen Innenstädten zu erhalten“, erklärt Projektleiterin Schäfer. „Es ist vorgehen, auch weiterhin mit der Stadt Frankfurt am Main an solchen Logistik- und Verkehrsplanungsthemen zu arbeiten“, freut sich Projektleiter Schocke.

Die Studie enthält aus Sicht von Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer eine Vielzahl von Maßnahmenvorschlägen, die das Potenzial zur Verbesserung der Situation für den Wirtschaftsverkehr und der Verkehrssicherheit in der Innenstadt hat. „In einem ersten Schritt strebt das Straßenverkehrsamt an, die Vorschläge zu einer deutlicheren Kennzeichnung von Ladezonen modellhaft umzusetzen“, so Stadtrat Majer. Die Stadt Frankfurt wird darüber hinaus gemeinsam mit ihren Partnern über die Umsetzung der vielfältigen vorgeschlagenen Maßnahmen in Austausch treten.

Im „House of Logistics and Mobility“ (HOLM) werden neben Forschungsprojekten auch Lehrveranstaltungen in den Bereichen Logistik, Mobilität, Luftverkehrswirtschaft und Produktionsmanagement durchgeführt. Das HOLM in unmittelbarer Nachbarschaft des Frankfurter Flughafens ist eine neutrale Kooperationsplattform für gemeinsame Forschungs- und Weiterbildungsaktivitäten von Institutionen und Unternehmen, die in den Bereichen Logistik und Mobilität tätig sind.

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 1: Architektur • Bauingenieurwesen • Geomatik, Prof. Dr. Petra K. Schäfer, Telefon: 069/1533-2797, E-Mail: petra.schaefer@fb1.fra-uas.de und Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht, Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Telefon: 069/1533-3870, E-Mail: schocke@fb3.fra-uas.de

Weitere Informationen zum Projekt sowie den Abschlussbericht (inklusive Maßnahmenkatalog) unter: http://www.frankfurt-university.de/verkehr (Aktuelles)

Weitere Informationen:

http://www.frankfurt-university.de/verkehr

Sarah Blaß | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Aus dem Labor auf die Schiene: Forscher des HI-ERN planen Wasserstoffzüge mit LOHC-Technologie
19.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht HyperloopTeam aus Oldenburg und Emden in die dritte Runde gestartet
27.03.2018 | Hochschule Emden/Leer

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics