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Ungenutztes Potenzial: Europas Flüsse als Transportwege

21.03.2016

Europas Flüsse könnten viel effizienter für den Gütertransport genutzt werden. Dafür müsste man bestehende internationale Regeln aber konsequent umsetzen.

Der Gütertransport auf Schiffen ist sicher, effizient und meist umweltfreundlicher als mit anderen Transportmitteln. Trotzdem setzen wir in großen Teilen Europas heute noch immer hauptsächlich auf Straße und Bahn.


Entwurf für einen neuen Schiffstyp

Ziviltechnikerkanzlei Anzböck

Im internationalen Forschungsprojekt NEWS (Next generation European Inland Waterway Ship and logistics system), geleitet von der TU Wien, wurde das Potenzial europäischer Flüsse für den Transport analysiert. Wie sich zeigte, bietet besonders die Donau noch viel ungenutztes Potential.

Ein neuer Schiffstyp wurde entworfen, der optimal auf die Anforderungen des heutigen Güterverkehrs angepasst ist, und ein Businessplan wurde erstellt. Das Ergebnis: Der Schiffsverkehr kann in Zukunft absolut konkurrenzfähig sein – allerdings müssen sich die europäischen Staaten an bereits bestehende Abmachungen halten und dafür sorgen, dass ihre Wasserwege die vereinbarten Vorgaben erfüllen.

Auch Flüsse müssen sich an Regeln halten

„Das beste Schiff kombiniert mit dem besten logistischen System bringt nichts, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen“, sagt Sandra Stein vom Institut für Managementwissenschaften der TU Wien. Zwar gibt es zahlreiche internationale Vorgaben für europäische Wasserwege – etwa in Bezug auf die Wassertiefe, die Höhe von Brücken oder die technischen Eigenschaften von Schleusen – aber nicht überall wurden diese Vorgaben auch umgesetzt.

„Manchmal können die Vorgaben aus Naturschutzgründen nicht eingehalten werden, speziell in den osteuropäischen Donau-Anrainerstaaten scheitert es aber meistens daran, dass der Schiffsverkehr keine starke Lobby hat und das Geld und der Willen fehlen“, meint Sandra Stein.

Die Möglichkeiten der europäischen Flüsse kann man nicht seriös beurteilen, ohne gleichzeitig über optimale Logistikketten und passende Schiffstypen nachzudenken. Daher wurde im Rahmen des Forschungsprojektes auch ein neuer Schiffstyp vorgeschlagen: „NEWS Mark II“ ist ein Schiff, das im Gegensatz zu den heute verwendeten, oft bereits jahrzehntealten Schiffen sowohl auf moderne Container als auch Autos, Schüttgüter oder Sonderladung ausgerichtet ist.

Durch einen Ballasttank kann der Tiefgang bis zu 80 cm angepasst werden, damit das Schiff mit wechselnden Wasserständen und niedrigen Brücken zurechtkommt. Damit wäre es auf 80% der europäischen Wasserwege einsetzbar. Die Umwelt soll geschont werden, indem man das Schiff elektrisch oder mit Flüssigerdgas antreibt – anstatt der heute üblichen, umweltschädlicheren Treibstoffe wie Diesel oder Schweröl.

Ökonomisch sinnvoll

Die Berechnungen des NEWS-Projektes zeigen, dass Gütertransport per NEWS-Schiff nicht nur umweltfreundlicher sondern auch ökonomisch sinnvoll wäre – wenn die Transportwirtschaft sich darauf verlassen könnte, dass die offiziellen Vorgaben überall eingehalten werden. So hat NEWS als mit Flüssigerdgas betriebene Variante 51% weniger CO2, 90% weniger NOx, 99% weniger SOx und 98% weniger Partikel Ausstöße als vergleichbare Schiffe.

„An der Donau brauchen wir Schleusen mit ausreichend großen Kammern, wir brauchen Brücken, unter denen ein Schiff mit drei aufeinandergestapelten Containern passieren kann, und wir brauchen eine planbare Abladetiefe von mindestens 1,80 m“, sagt Sandra Stein. „Unsere Analysen zeigen, dass die derzeitigen Vorgaben durchaus ausreichend sind, um Güter profitabel auf der Donau zu transportieren. Insbesondere die osteuropäischen Donau-Anrainerstaaten wie Ungarn müssen sie aber umsetzen.“ Die Zukunft der Donau als Verkehrsader für den Gütertransport hängt also stark vom politischen Willen ab.

Rückfragehinweis:
Dr. Sandra Stein
Institut für Managementwissenschaften
Technische Universität Wien
Theresianumgasse 27, 1040 Wien
T: +43-676-88861627
sandra.stein@tuwien.ac.at

Weitere Informationen:

https://youtu.be/6T3ZHu4fRAs Video

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at

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