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Umweltfreundliches Segway toppt Rad und Auto bei kurzen Strecken

08.09.2017

Können umweltfreundliche Elektromobile konventionelle Fahrzeuge im Werksverkehr ersetzen? Wissenschaftler der Hochschule Heilbronn untersuchten, wann sich der Einsatz von Segways im innerbetrieblichen Verkehr auf dem Campus und beim Projektpartner ZEAG Energie AG lohnt. Nach zwei Jahren liegen jetzt die Ergebnisse des Projekts „Se@CampHHN“ vor.

Das junge Forscherteam um Professor Dr. Andreas Daberkow untersuchte die Wirtschaftlichkeit des Segways, Transportmöglichkeiten und die Umsetzung im Betriebsverkehr bei der ZEAG. Um zu entscheiden, ob ein Segway wirtschaftlicher eingesetzt werden kann als ein konventionelles Fahrzeug, spielen Kriterien wie Distanz, Transportmöglichkeit und Zeit eine Rolle.


Student Michael Schneichel hat über seine Bachelorarbeit ein innovatives Transportsystem für den Segway konzipiert.


Ein Lastenfahrrad kann große, schwere Gegenstände transportieren, ist aber schwerfällig und benötigt etwas Übung.

Lasten- und Cargo-Räder sind besser geeignet, um sperrige und schwere Gegenstände zu transportieren. Beide Räder lassen sich allerdings nur schwer manövrieren und erfordern geübte Fahrer. Vor allem eine Kurvenfahrt im Lastendreirad ist schwierig. Der Segway ist wendiger und kann unproblematisch in Gebäuden oder Fußgängerzonen eingesetzt werden.

Innovatives Gepäckträgersystem

Es ist bisher schon möglich, den Segway mit Transport-Zubehör zu bestellen. Das kann z. B. ein Cargo-Set oder ein Kasten-Set sein, das auf den Rädern montiert wird. Es ist auch möglich, einen Koffer am Lenker zu befestigen. Allerdings ist der Segway mit Transportsystem mit über 70cm so breit, das er nicht in einen herkömmlichen Aufzug oder durch bestimmte Türen passt.

Deswegen hat Michael Schneichel im Rahmen seiner Bachelorarbeit ein neuartiges Gepäckträgersystem entwickelt, konstruiert und Prototypen aufgebaut. Es gibt eine S- und eine XL-Variante mit Erweiterung, die flexibel auf den Montageplatten verschoben werden können. Mit dem neuen Gepäckträgersystem kann nun auch leichte und nicht allzu sperrige Ladung transportiert werden.

Dies macht den Segway besonders für Überwachungsfahrten durch das Gebäudemanagement der Hochschule und den Projektpartner ZEAG AG interessant, da die Ladekapazitäten für die jeweiligen Einsatzgebiete ausreichend sind. Außerdem ist denkbar, dass der „Business-Usecase“ an Bedeutung zunimmt, da eine Aktentasche problemlos für die Verwendung mit dem Segway angepasst werden kann.

Segways sind auf kurzen Strecken wirtschaftlicher einsetzbar

Firmen können Lohnkosten sparen, wenn sie Segways wirtschaftlich einsetzen. Auf kurze Strecken (0,5 bis 2,5 Kilometer), z. B. durch die Innenstadt, liegt das Segway klar vorn. Die Rüstzeit, also die Zeit, bis man mit einem Auto tatsächlich losfahren kann, ist beim Segway deutlicher kürzer.

Auch die Abstellzeit ist viel geringer, als eine gewöhnliche Parkplatzsuche. Damit verringert sich auch die Gesamtreisezeit. Ein Vorteil ist auch die erhöhte Sichtposition, besonders bei Fahrten in Menschenmengen oder bei Überwachungs- und Kontrollfahrten. Davon profitieren in Heilbronn schon Mitarbeitende des Ordnungsamts.

Wenn der Transport einer Person und kleiner Gepäckstücke im Vordergrund stehen, ist der Segway klar im Vorteil. Ein Nachteil ist der Kaufpreis eines Segways. Er liegt mit etwa 8.000 Euro für einen Segway (im Vergleich zu einem Ninebot, das ab ca. 1.000 - 2.500 Euro zu haben ist) noch immer sehr hoch. Ein Blick in die Innenstädte zeigt, dass immer mehr günstige kleine Elektrofahrzeuge verkehren, die auf ähnlichen Prinzipien beruhen. Das deutet darauf hin, dass die Preise künftig weiter fallen werden.

Barriere-Landkarte hilft Personen mit Mobilitätshilfen

Erhebungen im Pflaster, Zäune, unüberwindbare Treppen – die Barrierefreiheit am Campus Heilbronn – Sontheim ist noch ausbaufähig. Wo nachjustiert werden muss, ist für Personen, die nicht bewegungseingeschränkt sind, nicht immer schnell ersichtlich. Deswegen nutzte das Forscherteam den Segway, um eine „Barrierelandkarte“ zu erarbeiten, die dem Gebäudemanagement Aktionsfelder aufzeigt. Inzwischen sind an mehreren Stellen neue Türöffner eingebaut worden, um Rollstuhlfahrern den Zugang zu erleichtern.

Das Projekt wurde vom Förderkreis der Hochschule Heilbronn und vom Baden-Württemberg gefördert. Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hofft, dass die Studienergebnisse dazu beitragen, den Einsatz von umweltfreundlichen Transportmitteln weiter zu erhöhen:

„Elektrische Leichtkleinnutzfahrzeuge eröffnen dem innerbetrieblichen Werksverkehr viele neue Möglichkeiten und bieten das Potenzial diesen erheblich effizienter, kostengünstiger und mitarbeiterfreundlicher gestalten zu können.“ Bisher eingesetzte Konzepte enden oftmals an der Grenze zu den Gebäuden, in denen der Transport von Last, Material oder Werkzeug dann durch die Mitarbeiter manuell bzw. konventionell durchgeführt werden muss. Dies ist nicht nur mit Blick auf die Effizienz und Kosten unbefriedigend, sondern stellt oft auch eine hohe körperliche Belastung für die Mitarbeiter dar.

"Die Ergebnisse des von uns geförderten Projekts Se@CampHHN an der Hochschule Heilbronn und dem Projektpartner ZEAG zeigen, welch großes heute noch ungenutztes Potenzial in Transportfahrten, beispielsweise im innerbetrieblichen technischen Betrieb, durch gebäudegängige, zweirädrige und selbstbalancierende Elektroleichtkleinnutzfahrzeuge steckt", erläutert die Ministerin weiter.
Unter diesen Umständen ist der Segway das bevorzugte Transportmittel um kurze Distanzen zurückzulegen, da es die Reisezeit deutlich verkürzt. Die Möglichkeit leichtes Gepäck zu transportieren erhöht den Nutzen dabei nochmals und macht Segways für Firmen sehr attraktiv.

Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik
Mit über 8.500 Studierenden ist die staatliche Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. 1961 als Ingenieurschule gegründet, liegt heute der Kompetenz-Schwerpunkt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. Angeboten werden an den drei Standorten Heilbronn, Künzelsau und Schwäbisch Hall und in sieben Fakultäten insgesamt 50 Bachelor- und Masterstudiengänge. Die enge Kooperation mit Unternehmen aus der Region und die entsprechende Vernetzung von Lehre, Forschung und Praxis werden in Heilbronn großgeschrieben.

Ansprechpartner: Prof. Dr.-Ing. Andreas Daberkow, Hochschule Heilbronn,
Max-Planck-Str. 39, 74081 Heilbronn, Telefon: 07131-504-417,
E-Mail: andreas.daberkow@hs-heilbronn.de, Internet: http://www.hs-heilbronn.de/ase

Pressekontakt Hochschule Heilbronn: Dr. Simone Scheps, Max-Planck-Str. 39, 74081 Heilbronn, Telefon: 0 71 31-504-499, E-Mail: simone.scheps@hs-heilbronn.de Internet: http://www.hs-heilbronn.de

Johanna Besold | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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