Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rückwärts in die Zukunft - Unfallvermeidung durch Rückfahrassistenz für Gespanne

11.12.2014

Unerfahrenen Fahrern fällt das Rückwärtsfahren insbesondere dann schwer, wenn ein Anhänger mitgeführt wird. Denn das Lenkverhalten ist kontra-intuitiv und verleitet zu hastigen Bewegungen am Lenkrad. Egal, ob man am Steuer eines PKWs mit Anhänger oder eines Sattelzuges sitzt. Beim Zurücksetzen mit Anhänger kommt es häufig zu Unfällen, bei denen Menschen und Gegenstände zu Schaden kommen.

Um das Rückwärtsfahren mit Anhänger effektiv zu erleichtern, wird in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dieter Zöbel an der Universität in Koblenz an geeigneten Rückfahrassistenzsystemen (RAS) geforscht.


Um das Rückwärtsfahren mit Anhänger effektiv zu erleichtern, wird an der Universität in Koblenz an geeigneten Rückfahrassistenzsystemen (RAS) geforscht.

Foto: Universität Koblenz-Landau

Ein solches RAS ist jetzt zu einem Demonstrator entwickelt worden - dies ist eine unmittelbare Vorstufe zu einem industriell verwertbaren Produkt. Dem RAS liegt das Patent DE 10 2006 035 021 zugrunde, das ebenfalls in der Arbeitsgruppe entwickelt wurde.

Zöbel erläutert die zugrundeliegende Idee des RAS: „Herkömmliche Assistenzen informieren den Fahrer mit Hilfe von Abstandssensoren lediglich über sich nähernde Hindernisse. Demgegenüber untersuchen wir weitergehende Möglichkeiten, den Fahrer mit Hilfe von Assistenzsystemen durch eine optische Anzeige zu unterstützen.“

Der Fahrer verfügt im Cockpit seines Fahrzeugs seitlich sowie rückwärts nur über eine eingeschränkte Sicht. Da der Lenkvorgang beim Rückwärtsfahren in bestimmten Situationen zudem nicht intuitiv ist, kommt es oft zu Lenkfehlern. Die Fahrerassistenz bietet mittels eines Bildschirms im Fahrer-Cockpit die Sicht, die eine Rückfahrkamera am Anhänger bereitstellt. Zusätzlich zeigt die optische Unterstützung dem Fahrer das künftige Verhalten des Anhängers an.

Mittels des RAS können Fahrer die Fahrtrichtung voraussehen und den Anhänger gezielt steuern. Da die Assistenz die Folgen des Lenkens sofort anzeigt, werden Fahrfehler frühzeitig vermieden und wirken sich erst gar nicht auf das Gespann aus. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wird am Demonstrator direkt erfahrbar, wie einfach es sein kann, Standardmanöver auszuführen. So zunächst die Rückwärtsfahrt geradeaus, die mit minimalen Lenkbewegungen ohne jegliche Gefahr von Zugfahrzeug und Anhänger ausgeführt werden kann.

Auch schwierigere Manöver, wie das Rückwärts-Um-die-Ecke-Fahren oder das Einparken des Gespanns gehen mit dem RAS leicht von der Hand. Zielgenau führt der Fahrer das Gespann an die vorgesehene Stelle. Gleichzeitig ist der hintere Gefahrenbereich durch die am Anhänger montierte Kamera immer im Blick. Viele Probanden haben diese Erfahrung bereits machen können und durchweg positive Bewertungen zum RAS gegeben.

Das Rückfahrassistenzsystem ist im Rahmen des Validierungsprojektes „Prototyping and Evaluation of Tractor Reverse Assistance (PETRA)“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), entwickelt worden. Im Rahmen des Projekts konnte ein Gespann, bestehend aus Lieferwagen und Anhänger, gemietet und als Demonstrator-Fahrzeug mit dem RAS ausgerüstet werden. Dieses Gespann samt Assistenz steht noch für kurze Zeit der Fachwelt auf Anfrage zu Testzwecken zur Verfügung.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Dieter Zöbel
Universität Koblenz-Landau
Campus Koblenz
Universitätsstr. 1
56070 Koblenz

Tel.: 0261/287-2724 oder 2711 (Sekretariat)
E-Mail: zoebel@uni-koblenz.de


Weitere Informationen:

http://www.petra.uni-koblenz.de

Bernd Hegen | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Verkehrsmanagement in Ballungsgebieten
08.12.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?
24.11.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik