Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Verkehrsforscher untersucht erstmals achtstreifige Autobahnen

11.02.2009
Wo die Autobahn achtstreifig ist, ereignen sich seltener Staus und Störungen als auf schmaleren Autobahnen.

Das ist eines der Ergebnisse der Dissertation "Verkehrsablauf und Verkehrssicherheit auf Autobahnen mit vierstreifigen Richtungsfahrbahnen", für die Dr.-Ing. Justin Geistefeldt (Lehrstuhl für Verkehrswesen, Prof. Dr. Werner Brilon) mit dem Gert-Massenberg-Preis ausgezeichnet wurde. Voraussetzung dafür, dass der Verkehr glatt läuft, sind frühe Wegweiser vor Knotenpunkten, damit die Fahrer rechtzeitig Gelegenheit haben, sich einzuordnen.

Die Dissertation, für die Geistefeldt unter anderem neue mathematische Verfahren weiterentwickelt hat, ist die erste Untersuchung achtstreifiger Autobahnen in Deutschland.

Erste umfassende Analyse vierstreifiger Fahrbahnen in Deutschland

Autobahnen mit vier Fahrstreifen pro Fahrtrichtung sind in Deutschland bislang wenig verbreitet. Einzelne Abschnitte gibt es in den Ballungsräumen Frankfurt/Main, München und Köln. Durch die steigende Verkehrsbelastung auf Autobahnen gewinnt der achtstreifige Ausbau allerdings an Bedeutung. Wie sollen Verkehrsplaner solche Autobahnen planen? Was gilt es zu berücksichtigen? Um diese Fragen zu beantworten, analysierte Justin Geistefeldt am Lehrstuhl für Verkehrswesen der RUB erstmals umfassend den Verkehrsablauf und die Verkehrssicherheit auf Autobahnen mit vierstreifigen Richtungsfahrbahnen.

Pkw und Lkw kommen sich nicht ins Gehege

Als Grundlage nutzte er Daten von Dauerzählstellen, die den Verkehr durch Induktionsschleifen in der Fahrbahn automatisch erfassen. Den Zusammenhang zwischen Verkehrsbelastung und Geschwindigkeit sowie die Aufteilung des Verkehrs über die vier Fahrstreifen modellierte er mathematisch. Für die Ermittlung der Kapazität vierstreifiger Fahrbahnen nutzte er neuartige stochastische Methoden und entwickelte sie weiter.

"Mit diesen Verfahren kann man die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass bei einer bestimmten Verkehrsstärke ein Stau ausgelöst wird", erklärt Justin Geistefeldt. Es zeigte sich, dass vierstreifige Fahrbahnen besonders effizient sind, weil sich Pkw- und Lkw-Verkehr nicht ins Gehege kommen. Vor allem die beiden linken Fahrstreifen, auf denen überwiegend Pkw fahren, können dadurch sehr hohe Verkehrsmengen aufnehmen. "Diese Ergebnisse der Analyse stochastischer Eigenschaften der Kapazität haben das Potenzial, zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Verfahren für die verkehrstechnische Bemessung von Straßen beizutragen", sagt Prof. Werner Brilon, der die Arbeit betreute.

Frühe Wegweiser können Stau vermeiden

Um Rückschlüsse auf die optimale Planung achtstreifiger Autobahnen ziehen zu können, analysierte Justin Geistefeldt das Fahrverhalten näher. Dabei halfen Videomessungen. Die Auswertung der Fahrstreifenwechsel der aus- und einfahrenden Fahrzeuge an Anschlussstellen und Autobahnkreuzen ergab, dass sich die meisten Verkehrsteilnehmer sehr früh entsprechend ihrem Fahrtziel einordnen. "Bei dichtem Verkehr kann das zu Störungen vor dem Knotenpunkt führen", erläutert er. "Die Fahrstreifenmarkierung und Wegweiser an hoch belasteten Verzweigungspunkten sollten daher so geplant werden, dass sich die Fahrstreifenwechsel vor der Ausfahrt möglichst gleichmäßig verteilen." Auf der Grundlage seiner empirischen Erkenntnisse zum Verkehrsablauf kalibrierte er ein Simulationsprogramm, mit dem das Verhalten der einzelnen Fahrzeuge im Verkehrsstrom nachgebildet wird. Diese Simulation hilft Verkehrsplanern, beim Entwurf von Verkehrsanlagen die Konsequenzen der Planung auf den Verkehrsablauf realistisch zu beurteilen.

Achtstreifige Autobahn ist überdurchschnittlich sicher

Die Verkehrssicherheit auf achtstreifigen Autobahnen analysierte er am Beispiel der A 5 zwischen Frankfurt/Main und Darmstadt. Obwohl die Fahrbahn so breit ist und mit hohen Geschwindigkeiten befahren wird, ist das Unfallrisiko hier nicht höher als auf schmaleren Autobahnen, im Gegenteil: Im Vergleich zum Durchschnitt der Bundesautobahnen ist die achtstreifige Untersuchungsstrecke sogar überdurchschnittlich sicher. Entsprechend schätzten auch die Verkehrsteilnehmer, die Justin Geistefeldt ergänzend befragte, das Fahren auf vierstreifigen Fahrbahnen als unproblematisch ein.

Weitere Informationen:

Dr.-Ing. Justin Geistefeldt, Tel. 069/743057-212, E-Mail: justin.geistefeldt@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Urbane Logistik der Zukunft
06.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Unfälle vermeiden und den Verkehrsfluss verbessern - Pilotanlage zum Automatisierten Fahren in Ulm
26.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte