Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pkw-Maut oder Vignette? – Umsetzbar!

17.06.2010
  • InnoZ-Symposium „Pkw-Maut und Vignette in Deutschland“ mit hochkarätigen Experten beleuchtet alle Argumente für und gegen Straßennutzungsgebühren
  • Pkw-Maut und Vignette wären in Deutschland schnell umsetzbar
  • Derzeit fehlt es an einer klaren Strategie und am politischen Willen zur Umsetzung

Die chronische Unterfinanzierung der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland, technische Optionen rund um Maut und Vignette sowie mögliche Beiträge zu Klimaschutz und Stauvermeidung wurden auf dem gestrigen Symposium „Pkw-Maut und Vignette in Deutschland“ von hochkarätigen Experten diskutiert. Kontroverse Fragen zur politischen Umsetzbarkeit sowie zum Datenschutz waren weitere Themen des vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) veranstalteten Symposiums.

Rahmenbedingungen: Wir fahren auf Verschleiß!

Die Verkehrsinfrastrukturen in Deutschland sind zum weitaus größten Teil durch Steuern finanziert. Auf allen staatlichen Ebenen stehen jedoch nicht mehr genug Gelder für Neubau, Ausbau und Instandsetzung von Straßen zur Verfügung. Hierüber waren sich alle Experten einig. Die Höhe dieser finanziellen Mittel ist in aller Regel abhängig von kurzfristigen politischen Zwängen und nicht vom langfristigen volkswirtschaftlichen Bedarf, sagte Karl-Hans Hartwig, Verkehrswissenschaftler an der Uni Münster. Die Situation kann sich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise noch weiter verschärfen und es drohen weitere Haushaltslöcher und ein erheblich steigender Konsolidierungsbedarf.

Vignetten- oder Maut-Lösungen relativ schnell umsetzbar

Trotz aller anders lautenden politischen Bekenntnisse müssen alternative Straßenfinanzierungsformen wie Benutzungsgebühren für Pkw geprüft werden. Deren Vorteil wären die quasi direkte Finanzierung der Straßen durch ihre Nutzer – mit stabilen und von der öffentlichen Haushaltslage unabhängigen Einnahmen. Sie flössen zweckgebunden in den Ausbau und – heute viel wichtiger – in den Erhalt den der Verkehrswege. Rolf Herzog, Geschäftsführer des im Ausland tätigen Mautbetreibers AGES, sprach von 4 Mrd. €, die durch eine Straßengebühr von 100 € im Jahr erlöst werden könnten. Technisch umsetzbar wären relativ schnell verschiedene Vignettenlösungen. Aber auch eine kilometerabhängige, satellitengestützte Pkw-Maut, die das Verkehrsgeschehen elektronisch erfasst und je nach Tageszeit und Aufkommen bepreist, scheint binnen weniger Jahre realisierbar, Wie die anwesenden Industrievertreter versicherten.

Datenschutzprobleme müssen vermieden werden

Zweifellos wäre eine bundesweite Pkw-Maut nicht unproblematisch. Zwar würden die nicht im Inland zugelassenen Pkw den Erhalt der benutzten Straßen mitbezahlen, die Erfassungsinfrastruktur müsste aber installiert und die riesige Anzahl gleichzeitiger Zahlungsvorgänge gemanagt werden. Die entsprechenden Kosten sind nicht unbeträchtlich. Außerdem müssen Datenschutzbelange berücksichtigt werden. Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz, wies im Rahmen seines Vortrages darauf hin, dass jeder mögliche Datenmissbrauch, z.B. die Erstellung von Bewegungsprofilen außerhalb der Erfassungsgeräte im Fahrzeug, von vornherein ausgeschlossen werden muss.

Politik muss sich an das Thema herantrauen
Die Nutzerfinanzierung von Straßen stößt in der Politik heute meist auf breite, demonstrative Ablehnung, da sie es den Bürgern für nicht vermittelbar hält. Dabei lehrt die Erfahrung aus anderen Zusammenhängen, dass Politiker zum einen den Einfluss der Medien auf die öffentliche Meinung stark überschätzen. Dies verdeutlichte Hans Mathias Kepplinger vom Institut für Publizistik der Uni Mainz, anhand eigener Erhebungen. Zum anderen sind Entscheidungen gegen eine reale Mehrheitsmeinung nur dann umsetzbar, wenn ein fester politischer Wille besteht, alle Hintergründe und Fakten transparent kommuniziert werden und eine klar definierte Umsetzungsstrategie dahinter steht, stellte InnoZ-Geschäftsführer Jürgen Peters fest.

Dr. phil. Nadja Thomas | EUROFORUM Deutschland SE
Weitere Informationen:
http://www.euroforum.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen
26.06.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Wirtschaftlicher Betrieb von Oberleitungs-Lkw ist möglich – aber es gibt relevante Hürden
08.05.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie