Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiges Doppelkufensystem: Wenn die Gabel ohne Stapler fährt

05.11.2013
Paradigmenwechsel in der Intralogistik: Die großen zentral gesteuerten Systeme werden zunehmend durch kleine autonome Maschinen ersetzt.

Ein besonders gelungenes Beispiel hierfür ist das Doppelkufensystem, das am Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart unter Leitung von Professor Karl-Heinz Wehking entwickelt wurde.


Innovation mit vielen Vorteilen: Das Doppelkufensystem und sein Herzstück, der kombinierte Fahr-, Lenk- und Hubantrieb. Mit einer Nullserie wird 2014 der erste Schritt zur Serienreife gemacht.

Fotos: Eisenmann AG

Die Vorteile der Innovation haben auch das Böblinger Unternehmen Eisenmann überzeugt. Mit einer Nullserie wird 2014 der erste Schritt zur Serienreife gemacht. TLB hat den gesamten Prozess bis hin zum Lizenz- und Entwicklungsvertrag betreut. Es handelt sich dabei um einen der größten Lizenzverträge für die Universität Stuttgart.

Ein Gabelstapler ohne Stapler, ein selbstfahrender Hubwagen gewissermaßen – das ist das innovative Doppelkufensystem und sein Herzstück, der kombinierte Fahr-, Lenk- und Hubantrieb. Diese autonome Transporteinheit kann Paletten und andere Ladungsträger heben und transportieren, wiegt selbst aber lediglich 80 kg und hat damit ein sehr günstiges Verhältnis von Nutzlast und Eigengewicht. Zudem können Euro-Paletten komplett unterfahren werden, denn die Einzelkufen mit sämtlichen Energieversorgungs-, Steuerungs- und Antriebskomponenten finden in der lichten Öffnung einer Euro-Palette Platz.

Die Vorteile der Innovation überzeugten auch das Böblinger Unternehmen Eisenmann. Mit einer Nullserie wird 2014 der erste Schritt zu Serienreife gemacht. Sie soll bereits Paletten bis zu einem Gewicht von 1000 kg heben und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1 m/s transportieren können. „In den nächsten Jahren werden die heutigen Unstetigförderer wie Gabelstapler und Verteilwagen durch neuartige Kleinfahrzeuge ersetzt“, erläutert Professor Karl-Heinz Wehking vom Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart. Dieser Paradigmenwechsel in der Intralogistik sei weltweit festzustellen, so der Professor für Fördertechnik und Logistik. Und gerade an deutschen Forschungsinstituten sei ein Wechsel hin zu kleinen, intelligenten, autonomen und dezentral gesteuerten Maschinen festzustellen. Diese werden laut Professor Wehking zukünftig die großen, unflexiblen und teuren zentral gesteuerten Maschinen der Intralogistik ersetzen.

Ein gelungenes Beispiel dafür: Das Doppelkufensystem, das am Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart unter Leitung von Professor Karl-Heinz Wehking entwickelt wurde. Bereits im Jahr 2007 meldeten Professor Wehking und seine Mitarbeiter Manuel Weber und Christian Vorwerk aus dem IFT zwei Erfindungen an: Im Juli 2007 eine Erfindung mit dem Titel „Kompakte verfahrbare Einheiten zum Transport von Ladungsträgern z.B. Paletten“ von Manuel Weber und im engen Zusammenhang damit einen Monat später die Erfindung „Flexible Netzwerke aus autonomen, modularen und miteinander kooperierenden Fahrzeugen“ welches dann allerdings nicht weiterverfolgt wurde.

Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH hat das Potential der Erfindung mit dem kombinierten Fahr-, Lenk- und Hubantrieb schnell erkannt und meldete Schutzrechte in Deutschland und Europa an. Die Vorteile des Doppelkufensystems waren überzeugend: Einerseits die kompakte Bauweise, dazu eine hohe Beweglichkeit auf Grund des kombinierten Fahr,- Lenk- und Hubantriebs, der auf einem innovativen Spindelantrieb basiert. Bis heute begleitet und steuert TLB den Patentierungsprozess dieser Erfindung und unterstützt das Institut bei der Vermarktung.

Im Jahr 2009 wurde am IFT begonnen, zwei unterschiedliche fahrerlose Transportfahrzeuge zu entwickeln. So wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Götting KG das Transportfahrzeug KaTe (Kleine autonome Transporteinheit) für kleine Lasten gebaut. Das Doppelkufensystem DKS für Euro-Paletten wurde dagegen am Institut für Fördertechnik und Logistik selbst mit eigenen Institutsmitteln und auf eigenes Risiko entwickelt. Dass dafür ausschließlich eigene Mittel eingesetzt wurden, war laut Professor Wehking ein nicht hoch genug einzuschätzender Vorteil bei den späteren Verhandlungen.

Denn nur wenige Universitätsinstitute verfügten über die Ressourcen, um Prototypen dieser Qualität zu entwickeln und zu realisieren. Im Hinblick darauf wäre eine zielgerichtete Prototypenförderung sehr hilfreich für die wirtschaftlich relevante Umsetzung der universitären Forschungsleistungen. In Zusammenarbeit mit der Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH könnten dann vergleichbare marktrelevante Projekte einen entscheidenden Schritt voran gebracht werden.

Auf der Fachmesse LogiMat 2012 wurden die beiden Prototypen der fahrerlosen Transportfahrzeuge vorgestellt und stießen dabei auf großes Interesse beim Fachpublikum. Erste intensive Firmenkontakte gab es ab Mitte 2012, so auch mit Eisenmann. Das Unternehmen bekundete sein Interesse an einer exklusiven weltweiten Lizenz und einer Entwicklungspartnerschaft mit dem IFT, um das Doppelkufensystem zu einem verkaufsfähigen Produkt zu entwickeln. Im Juli 2013 schlossen die Universität Stuttgart und Eisenmann schließlich einen Lizenz- und Entwicklungsvertrag ab. Durch die langjährige Industrieerfahrung von Professor Wehking, der zudem mehrere Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender von TLB tätig war, und die Fachkompetenz von Dr.-Ing. Hubert Siller, zuständiger Innovationsmanager bei TLB, konnte ein für alle Seiten sehr gutes Ergebnis erzielt werden.

„Es handelt sich dabei um einen der bislang größten Lizenzverträge für die Universität Stuttgart“, zieht Professor Wehking Bilanz. „Und es ist ein gelungenes Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen Universität und TLB.“ Der nächste Schritt ist nun die Präsentation der Nullserie des Doppelkufensystems auf der LogiMat im Februar 2014 sowie erste Praxistests unter realen Bedingungen.

Weitere Informationen:
http://www.tlb.de/
http://www.uni-stuttgart.de/ift
http://www.eisenmann.com/de.html

Annette Siller | idw
Weitere Informationen:
http://www.tlb.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Effizient und intelligent: So können Drohnen die Zustellung von Gütern planen
12.07.2017 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

nachricht Hyperloop: Hightech aus dem Nordwesten
10.07.2017 | Hochschule Emden/Leer

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikrophotonik – Optische Technologien auf dem Weg in die Hochintegration

21.07.2017 | Förderungen Preise

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie