Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Motorsegler landet erstmals automatisch

29.03.2012
TU Berlin entwickelte System zur Flugzeugsteuerung

Die erste automatische Landung des Arbeitsflugzeugs STEMME S15 – LAPAZ erfolgte am 22. März 2012 auf dem Flugplatz Neuhardenberg. Ein Meilenstein im Forschungsprojekt LAPAZ an der TU Berlin ist erreicht.

Das Flugsteuerungssystem leitete den Motorsegler präzise und sicher um 17.44 Uhr auf die Landebahn. Mit Hilfe eines Satellitennavigationssystems wurde die genaue Flugzeug-Position und mit einem Laserhöhenmesser der Abstand zum Grund ermittelt. So kann das Flugzeug auf jedem Flugplatz landen, ohne dass ein teures Instrumentenlandesystem installiert sein muss. Die Erprobung wird in den nächsten Tagen auf weiteren Flugplätzen fortgesetzt.

Der Testpilot brachte das mit rund einer Tonne Gewicht recht leichte Flugzeug in die Luft, aktivierte den Flugregler und überwachte den Flug im steten Funkkontakt zu den Versuchsingenieuren am Boden. Es war die erste automatische Landung eines zivilen Hochleistungs-Motorseglers, der mit einem integeren, äußerst zuverlässigen Flugsteuerungssystem ausgestattet ist. Möglich wurde diese Leistung durch die Arbeit des 6- bis 8-köpfigen Ingenieur-Teams der drei Partner TU Berlin, STEMME AG und Universität Stuttgart und dank der technologischen Fortschritte der vergangenen Jahre: Die Entwicklung von sicherheitskritischer Flugregelungssoftware wurde effizienter und elektronische Bauteile wurden sehr viel kleiner und für diesen Zweck nutzbar.

LAPAZ beweist, dass solche komplexen Regelungssysteme nicht mehr auf kommerzielle Verkehrsflugzeuge beschränkt sein müssen. Das System nutzt durch EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service) verbesserte Satellitendaten mit einer Positionsgenauigkeit im Meterbereich für den automatischen Flug vom Start bis zur Landung. Es ist modular aufgebaut, fehlertolerant und skalierbar, so dass es an neuartige Aufgaben leicht angepasst werden kann. Das Flugzeug soll in späteren Ausbaustufen auch unbemannt betrieben werden.

Die Arbeit der Ingenieure geht weiter. Die Versuchsdaten müssen als nächstes genau analysiert werden. Zu den nächsten Entwicklungszielen gehört, den Flugregler so robust zu konstruieren, dass die automatische Landung auch bei schwierigen Wetterbedingungen wie beispielweise Turbulenzen und Seitenwind sicher erfolgt, danach der automatische Start und außerdem die Luftkräfte, die durch Turbulenz erzeugt werden, so abzumindern, dass sie Messungen mit empfindlichen Instrumenten nicht stören („Böenlastminderung“).

Der „Hardware-in-the-Loop" Flugsimulator (HIL-Simulator), den die TU-Mitarbeiter für die STEMME S15 entwickelt haben, soll weiter zum Testen des Flugreglers am Boden benutzt werden. Er besteht aus einem Simulationsrechner, der die Flugbewegung mit einem genauen flugmechanischen Modell der STEMME S15 berechnet, und einem Sichtsystem, das die Bewegung aus Sicht des Piloten visualisiert. Er wird direkt an das automatische Flugsteuerungssystem, das im Flugzeug integriert ist, angekoppelt und ermöglicht so, neue Flugreglerversionen auf der Original-Hardware des LAPAZ-Demonstrators im geschlossenen Regelkreis („closed loop“) bereits am Boden realitätsnah zu testen. Flugversuche und Flugmissionen können so vorab simuliert werden. Seit Anfang März ist der HIL-Simulator in Strausberg im Einsatz und sorgt so dafür, dass der Zeitraum, der zum Testen neuer Flugregler nötig ist, erheblich reduziert wird.

Beim LAPAZ-Projekt handelt es sich um eine Kooperation der STEMME AG, Prof. Dr.-Ing. Robert Luckner und seiner Forschergruppe am Fachgebiet für Flugmechanik, Flugregelung und Aeroelastizität an der TU Berlin und Prof. Reinhard Reichel am Instituts für Luftfahrtsysteme an der Universität Stuttgart. Die Forschung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Robert Luckner, TU Berlin, Institut für Luft- und Raumfahrt, Fachgebiet Flugmechanik, Flugregelung und Aeroelastizität, Tel.: 030/314-29624, robert.luckner@ilr.tu-berlin.de

Der Bericht zum Testflug:
www.tu-berlin.de/?id=56738

Fotomaterial zum Download:
www.tu-berlin.de/?id=117422

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Lasersystem zur Rettung bei schweren Unfällen
29.11.2016 | Laser Zentrum Hannover e.V.

nachricht Autonomer Stadtbus: Sicher und zuverlässig unterwegs im Nahverkehr
28.11.2016 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie