Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ladungssicherung per Knopfdruck

12.11.2014

Sächsische Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Logistik, Fördertechnik und der Textilindustrie entwickelten automatisiertes Ladungssicherungssystem für Paketdienste

Täglich bringen Paket- und Kurierdienste Transportgüter von A nach B. Dies soll pünktlich und zuverlässig geschehen. Die Sicherheit der Ladung und der Fahrer spielt dabei eine besondere Rolle. Die Pakete dürfen bei Kurvenfahrten oder Bremsmanövern nicht verrutschen oder beim Öffnen der Transportraumtüren herausfallen.


Ein sich flexibel anpassendes Netz überspannt das Transportgut, das über Rückholseile und durch Umlenkrollen innerhalb weniger Sekunden wieder unter die Laderaumdecke gehoben werden kann.

Foto: Andreas Fink

Mittel zur Ladungssicherung, wie beispielsweise Netze oder Gurte, helfen Fahrer und Transportgut zu schützen. „Jedoch sind besonders für Kurier-Express-Paket-Dienste mit vielen Haltepunkten die verfügbaren Sicherungslösungen viel zu zeitaufwendig. Wir haben in unserem nun knapp 15-jährigen Bestehen als Kurier-Expressdienstleister unterschiedliche Ladungssicherungsmittel ausprobiert, jedoch konnte keines unsere Fahrer richtig überzeugen“, sagt Sebastian Fankhänel, Geschäftsführer der ECL euro.COURIER Logistics GmbH in Chemnitz.

„Laut einer Richtlinie für Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen ist die Ladung in Fahrt- und Querrichtung sowie nach hinten speziell zu sichern. In der Praxis vieler Paketdienste werden die Transportgüter an die Trenn- und Seitenwände formschlüssig gestapelt, was jedoch nur teilweise den Vorgaben entspricht“, schätzt Prof. Dr. Klaus Nendel, Inhaber der Professur Fördertechnik der Technischen Universität Chemnitz, ein.

In Sachsen hat ein Verbund von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Logistik, Fördertechnik und der Textilindustrie das Thema Ladungssicherung ganzheitlich angepackt. Die Professur Fördertechnik der TU Chemnitz, das Sächsische Textilforschungsinstitut in Chemnitz und die Firmen F.J.RAMMER GmbH in Ohorn, car-management GmbH in Delitzsch und die ECL euro.COURIER Logistics GmbH in Chemnitz entwickelten innerhalb von zwei Jahren ein effektives und vor allem für Fahrer leicht bedienbares, automatisiertes Ladungssicherungssystem. Gefördert wurde das Projekt von der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. im Rahmen eines ZIM-Projekts mit 550.000 Euro.

„Für die Sicherung der Ladung sorgen im Wesentlichen zwei Kernkomponenten. Dies ist zum einen ein Antirutsch-System, das die Vorteile einer reibarmen Oberfläche zum Beladen und die rutschhemmende Wirkung eines haftenden Belags beim Transport ausnutzt. Zum anderen überspannt ein sich flexibel anpassendes Netz unterschiedlich große Transporteinheiten“, erläutert Nendel. Das Ladungssicherungssystem könne ab einem Fassungsvolumen von 1,2 bis etwa 6 Kubikmeter betrieben werden.

Das Ladungssicherungsnetz bestehe aus hochfestem Material mit integrierten Netzverkürzern. Projektleiter Andreas Fink erläutert die unkomplizierte Bedienung: „Der Fahrer muss seine Ladung lediglich in einen markierten Bereich stapeln. Per Knopfdruck wickeln zwei Zurrsysteme die Spanngurte auf, die das Ladungssicherungsnetz von der Decke herab über das Ladegut ziehen und spannen. Dieser Vorgang erfolgt innerhalb von nur 15 Sekunden. Zum Entladen wird ebenso per Knopfdruck das Ladungssicherungsnetz unter die Laderaumdecke gehoben. Diese Funktion erfüllen zwei Rückholseile, die durch Umlenkrollen im Netz sowie an den Querverbindern am Dach des Transporters geführt werden. Derzeit wickeln die Zurrsysteme die Rückholseile in maximal 25 Sekunden auf.“

Erste Versuche zeigten, dass das System Ladungen bis zu 500 Kilogramm sichern kann. „Beim Beladen lassen sich Kisten und Kartons auf handelsüblichen rutschhemmenden Belägen nur umständlich handhaben“, schätzt Nendel ein. Aus diesem Grund haben die sächsischen Tüftler zwischen den Streifen aus Antirutschbelag absenkbare Gleitleisten eingebracht. Diese sind auf der Unterseite mit synthetischem Kautschuk verbunden, der ein spezifisches zeitabhängiges Druck-Verformungsverhalten aufweist. „Damit kann zum Beladen Transportgut bequem auf der Ladefläche rangiert werden. Unter dem Gewicht übereinander gestapelter Kartons sinken dann die Gleitleisten soweit ab, dass diese für den Transport vollständig auf haftenden Belag aufliegen“, versichert Fink.

Die Auswertung der Daten aus einem dreiwöchigen Feldversuch in einem Kleintransporter mit den Fahrern von ECL euro.COURIER ergab, dass das neuentwickelte Ladungssicherungssystem bei 75 Prozent der Fahrten zum Einsatz kam, wo ein Ladungssicherungsmittel genutzt wurde. Dagegen wurden Sicherungsgurte nur in 19 Prozent der Fälle verwendet. In sechs Prozent der Fahrten kam in Kombination sowohl das Ladungssicherungssystem als auch herkömmliche Ladungssicherungsmittel wie Spanngurte zum Einsatz. Das durchschnittliche Transportvolumen betrug im Feldversuch 2,9 Kubikmeter pro Fahrt. „Natürlich besteht noch Optimierungsbedarf bis zur Serienreife des Systems“, betont Nendel und ergänzt: „In Anbetracht dessen, dass sich die Anzahl der Paketdienstleister erhöhen und dass es in Zukunft staatliche Kontrollen auch im Bereich der Lieferdienste geben wird, wird die Verwendung automatisierter Ladungssicherungssystem kaum zu umgehen sein.“

Darstellung der Forschungsergebnisse:
https://www.tu-chemnitz.de/mb/FoerdTech/fsl/fsl_projekte.php#tab2

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Klaus Nendel, Telefon 0371 531-32323, E-Mail klaus.nendel@mb.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht aCar - Der elektrische „Alleskönner“
21.08.2017 | Technische Universität München

nachricht Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb
21.08.2017 | Technische Universität Hamburg-Harburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen