Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hybrid-Fluggerät hilft in Katastrophengebieten

14.11.2013
EU-Projekt kombiniert Flugzeug, Luftschiff, Helikopter und Hovercraft

Die aktuelle Taifun-Katastrophe auf den Philippinen hat einmal mehr gezeigt, wie schwierig es für die Hilfskräfte ist, hunderttausende Opfer in ihrem Überlebenskampf mit den grundlegendsten Dingen zu versorgen.


ESTOLAS: Der Prototyp des Gefährts bei einem Praxistest (Foto: estolas.eu)

Mit dem innovativen Projekt "Extremely Short Take Off and Landing On any Surface" (ESTOLAS) der EU-Kommission könnte sich das aber schon bald ändern. Im Rahmen des ambitionierten Vorhabens arbeitet ein internationales Forscherteam an einem neuartigen Einsatzgerät für Katastrophenfälle, das eine Art Hybrid aus Flugzeug, Luftschiff, Helikopter und Hovercraft darstellt. Sein einzigartiges Design soll es dem Fluggerät ermöglichen, auch bei akutem Platzmangel sicher landen zu können, um lebensnotwendige Vorräte und Medizin in die betroffenen Gebiete zu liefern.

"ESTOLAS steht für ein innovatives Konzept eines Hybrid-Flugzeugs, das auch auf extrem kurzen Landebahnen landen und starten kann - ganz egal, wie deren Oberfläche aussieht", erklären Projektleiter Alexander Gamaleyev von der Riga Technical University http://www.rtu.lv/de in Lettland und sein Kollege Dimitris Drikakis von der britischen Cranfield University http://www.cranfield.ac.uk .

Im Wesentlichen würden dabei die "besten Qualitäten" verschiedener Fahrzeuge miteinander kombiniert. "Das Ergebnis ist ein vollkommen neuartiger Typ von Fluggerät, der im Vergleich mit herkömmlichen Maschinen einige große Vorteile besitzt, die ihm erlauben, auch in schwierigen Situationen sicher und verlässlich zu manövrieren", so das Versprechen.

Spezielle Konstruktion

Dass es sich bei ESTOLAS tatsächlich um eine sehr spezielle Konstruktion handelt, ist auf den ersten Blick ersichtlich. Diese setzt als Basismaterial auf ultraleichte Carbonfasern, die im Gegensatz zu einem herkömmlichen eher in die Länge gezogenen Flugzeugrumpf aber deutlich klobiger zentral in der Mitte zusammengestaucht werden.

In diesem zentralen Bereich befindet sich ein großer Hohlraum, der bei Bedarf entweder mit Frachtgut oder mit Helium befüllt werden kann, um das gesamte Gefährt wesentlich leichter zu machen. Gemeinsam mit der flügelförmigen Form soll auf diese Weise ein möglichst starker Auftrieb erzeugt werden, der eine deutliche Reduktion der Start- und Landegeschwindigkeit erlaubt.

Für die notwendige Antriebsenergie zur horizontalen Fortbewegung sorgen zwei Propeller an der Hinterseite des Fluggeräts. Zusätzlich ist aber auch ein großer Rotor auf der Unterseite des Rumpfs verbaut, der eine vertikale Auf- und Abbewegung ähnlich eines Senkrechtstarters ermöglicht. "Man kann dieses Flugzeug sogar in ein Hovercraft verwandeln, wenn es sich auf dem Boden befindet. Hierfür wird einfach das Kielwasser des Rotors in einer Schürze aufgefangen", betont Gamaleyev gegenüber dem NewScientist.

Eher eine Machbarkeitsstudie

Mit ESTOLAS betreten die Ingenieure nicht unbedingt absolutes technisches Neuland. In gewisser Weise ist das Projekt nämlich auch eine Weiterführung einer Entwicklung, die schon in der Sowjetära begonnen hat. Damals gelang es dem russischen Forscher Alexander Filimonov erstmals, ein flugfähiges Hybridgefährt zu entwickeln.

Nachdem sich dieses in ersten Tests aber als viel zu instabil erwiesen hatte, wurde diese Idee 1995 bis auf weiteres auf Eis gelegt. Auch im Fall von ESTOLAS haben wir es derzeit noch eher mit einer Machbarkeitsstudie zu tun als mit einem fertigen einsatzbereiten Flugzeug. "Wir brauchen noch viel mehr Entwicklungszeit", gesteht Gamaleyev.

Markus Steiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.estolas.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Zurück im Depot: AERO-TRAM schließt Messungen ab
13.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik