Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gezielter zum Kunden: Forscher optimieren Lieferketten auch bei Engpässen

09.06.2016

Neues Rechenmodell von Wissenschaftlern der Universität Hohenheim berücksichtigt Wichtigkeit einzelner Kunden / ein Werkstattbericht

Der Kunde bestellt, der Produzent liefert – was einfach klingt, ist in der Realität bei großen Firmen meist eine lange Lieferkette. Kunden werden für die Planung in Gruppen zusammengefasst, etwa nach Regionen, Ländern, Kontinenten. Bei Lieferengpässen schafft das ein Problem:


Forscher der Universität Hohenheim wollen Lieferketten optimieren

Bildquelle: CC0 Public Domain

Die Information welche Kunden bevorzugt beliefert werden sollten, geht über die Planungsebenen verloren. Prof. Dr. Herbert Meyr von der Universität Hohenheim möchte hier Abhilfe schaffen: Sein neues Planungsmodell berücksichtigt auf jeder Ebene die Wichtigkeit des einzelnen Kunden für den Produzenten – so dass dieser die jeweiligen Liefermengen optimieren kann.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit 184.600 Euro und macht es zu einem Schwergewicht der Forschung an der Universität Hohenheim.

Hersteller von Sachgütern würden all ihre Kunden am liebsten sofort und nach Wunsch beliefern. Doch das geht nicht immer: Manchmal ist die Nachfrage höher als erwartet, oder es kommt aus anderen Gründen zu Lieferengpässen. Dann müssen sie entscheiden, welche Kunden bevorzugt ihre Waren erhalten sollen.

Das ist in der Praxis oft ein Problem. „Große Unternehmen fassen ihre Kunden über mehrere Ebenen immer weiter zusammen, um die Verteilung von Produkten zu managen“, erklärt Prof. Dr. Meyr, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Hohenheim. „Die Kunden werden also in Gruppen aufgeteilt, zum Beispiel nach Regionen, und Kundenbetreuern zugeordnet. Diese fassen die Information zu allen Kunden in ihrem Segment zusammen und leiten sie weiter an die nächsthöhere Ebene.“

Doch um zu entscheiden, welche Kundengruppen wieviel Waren erhalten sollen, muss ein Entscheider selbst auf der höchsten Ebene ein genaues Bild darüber haben, wie wichtig die einzelnen Kunden für das Unternehmen sind – und diese Information geht auf dem Weg nach oben verloren.

Wichtige Kunden sollten bevorzugt beliefert werden

Für eine Gruppe mit wichtigen und weniger wichtigen Kunden wird ein Durchschnitt ermittelt und weitergegeben. Daraus geht aber nicht hervor, ob eine Kundengruppe im Durchschnitt aus vielen unwichtigen und wenigen sehr wichtigen Kunden besteht oder aus lauter mittelwichtigen Kunden.

Bei der Frage, welche Gruppen im Fall eines Lieferengpasses bevorzugt behandelt werden, ist dies aber ein bedeutsamer Faktor, betont Prof. Dr. Meyr: „Es könnte sich für ein Unternehmen auszahlen, strategisch wichtige Kunden bei Engpässen bevorzugt zu beliefern.“

Gezielte Informationen statt Big Data

„Natürlich erscheint es im Zeitalter von Big Data naheliegend, einfach alle Informationen ungebündelt über die Ebenen weiter zu reichen“, überlegt Prof. Dr. Meyr. „Doch das ist nur selten möglich und erwünscht.“ Um das Dilemma zu lösen hat er gemeinsam mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Jaime Cano-Belmán nach einem Mittelweg zwischen der Datenflut von Big Data und dem Herunterbrechen auf einen Durchschnittswert gesucht.

Und die beiden Forscher sind fündig geworden: Eine neue Größe, die sie in die mathematischen Modellrechnungen zum Lieferketten-Management einspeisen, löst das Problem. „Damit erhalten wir Aufschluss über die Wichtigkeit einzelner Kunden innerhalb einer Gruppe, anstatt nur einen Durchschnitt zu erfahren“, erläutert Dr. Cano-Belmán.

Austausch und Erweiterung mit Projektpartnern

Unter der Prämisse einer sicheren Nachfrage klappt die Modellrechnung bereits recht gut. Im nächsten Schritt kommen die Projektpartner ins Spiel: Prof. Dr. Richard Pibernik von der Universität Würzburg und Prof. Dr. Moritz Fleischmann von der Universität Mannheim arbeiten an Modellen mit unsicherer Nachfrage und untersuchen die Bedeutung von Prognosefehlern.

Demnächst wollen die drei Arbeitsgruppen ihre Modelle zusammenführen und miteinander vergleichen.

Hintergrund zum Projekt

Das Vorhaben „Auftragserfüllung in mehrstufigen Kundenhierarchien“ ist auf drei Jahre ausgelegt und läuft seit dem 15.2.2015. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert es mit 184.600 Euro. Projektpartner sind neben der Universität Hohenheim Prof. Dr. Moritz Fleischmann von der Universität Mannheim und Prof. Dr. Richard Pibernik von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

31,2 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2015 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Herbert Meyr, Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Supply Chain Management
T 0711 459 24590, E H.Meyr@uni-hohenheim.de

Text: Barsch / Elsner

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie