Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flugtraining der besonderen Art

03.12.2009
Zum Geschäftstermin ins Nachbarland oder zur Urlaubsreise in die Karibik: Was für viele Menschen selbstverständlich ist, stellt nicht nur die Logistik sondern vor allem die Piloten vor immer größere Herausforderungen.

Die Flugzeugführer optimal auszubilden und auf Gefahrensituationen vorzubereiten, ist das Ziel des von der Europäischen Union mit 3,7 Millionen Euro geförderten SUPRA-Projekts. Wissenschaftler aus neun verschiedenen Institutionen und Industrieunternehmen wollen die Wahrnehmung von Piloten in extremen Situationen untersuchen, Flugsimulatoren verbessern und damit einen Beitrag zur Sicherheit im Luftverkehr leisten.

Wissenschaftler vom Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik steuern die biologischen Grundlagen bei: Sie versuchen herauszufinden, warum die Piloten in Extremsituationen oft die Orientierung verlieren und wie Gleichgewichts- und Sehsinn zusammenarbeiten.

Angehende Piloten werden, neben echtem Flugtraining, zunehmend mit Hilfe von Simulatoren geschult. Das spart Geld, schont die Umwelt und ist vor allem sicherer. Standard-Flugsituationen, wie ein Start oder eine Landung, können bereits sehr gut unter Verwendung konventioneller Flugsimulatoren trainiert werden. Extreme Manöver wie das Abfangen eines abstürzenden Flugzeugs sind viel komplexer und weitaus schwieriger zu simulieren. Der eingeschränkte Bewegungsspielraum gängiger Simulatoren sowie das Fehlen geeigneter Algorithmen, um die extremen Flugmanöver an den Arbeitsraum der Simulatoren anzupassen, sind nur einige der Probleme, die das interdisziplinäre Forscherteam lösen will. Ihr Ziel ist es, im Rahmen des auf drei Jahre angelegten SUPRA-Projekts (Simulation of Upset Recovery in Aviation) die Simulation komplexer Flugmanöver zu verbessern und eine neue Generation von Flugsimulatoren zu entwickeln.

Zunächst müssen relevante Trainingsszenarien für die Experimente ausgewählt werden. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit professionellen Testpiloten, die bereits Erfahrungen mit extremen Flugmanövern gesammelt haben. Die Wissenschaftler unter der Leitung von Heinrich Bülthoff am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik wollen herausfinden, wie Piloten die Bewegung des Flugzeugs in einer Extremsituation wahrnehmen und warum sie dabei oft die Orientierung im Raum verlieren. Insbesondere interessiert sie das Zusammenspiel von visuellen Sinneseindrücken mit den Signalen, die das Gehirn vom Gleichgewichtsorgan bekommt. Mit Hilfe eines Roboterarms werden Versuchspersonen unterschiedlichen Beschleunigungen ausgesetzt, während ihnen gleichzeitig computergenerierte, virtuelle Welten gezeigt werden. Durch die geeignete Stimulation des visuellen sowie des Gleichgewichtssinnes ist es möglich, das Gehirn zu "täuschen", so dass die Piloten nicht mehr das Versuchslabor, sondern das simulierte Flugmanöver wahrnehmen. Zum Beispiel können die Wissenschaftler durch eine rein visuelle Stimulation den Eindruck einer lang anhaltenden Beschleunigung erwecken, obwohl sich die Testperson in Wirklichkeit nicht bewegt. Dieses Empfinden kann durch eine geeignete Stimulation des Gleichgewichtssinnes noch verstärkt werden. Bewegungsillusionen dieser Art werden in Flugsimulatoren dazu benützt, Bewegungseindrücke zu erzeugen, die aufgrund des begrenzten Arbeitsraumes der Simulatoren sonst nicht nachzustellen wären.

Das internationale Konsortium bedient sich bei seinen Forschungen zweier völlig neuartiger Simulatoren, die sich am niederländischen Forschungsinstitut TNO und am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen befinden. "Eine gute Ausbildung von Piloten ist in der heutigen Zeit, in der Mobilität eine große Rolle spielt, eine wichtige Thematik. Wir freuen uns, dass uns die Europäische Union die Möglichkeit gibt, mit einem internationalen Team einen aktiven Beitrag zur Flugsicherheit zu leisten, indem wir erforschen, wie die Ausbildung der Piloten noch verbessert werden kann", sagte Heinrich Bülthoff zum Start des Projekts.

Kontakt

Prof. Dr. Heinrich Bülthoff
E-Mail: heinrich.buelthoff@tuebingen.mpg.de
Florian Soyka
Tel: +49 (0) 7071-601-213, E-Mail: florian.soyka@tuebingen.mpg.de
Dr. Susanne Diederich (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Tel: +49 7071 601 - 333, E-Mail: presse@tuebingen.mpg.de,
Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Dr. Susanne Diederich | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.cyberneum.de/RoboLab_en.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Verkehrsmanagement in Ballungsgebieten
08.12.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?
24.11.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik