Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Evakuierung bei Tunnelbränden

17.03.2011
Brände in Autotunneln können verheerend sein, wie zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit zeigen. Vor allem weil sich Brände sehr schnell ausbreiten und die Evakuierung der Fahrzeuginsassen in einem Tunnel deutlich schwieriger ist als im Freien. Zu dem kommt, dass Rauch und Lärm die Orientierung besonders erschweren.

Wie eine schnelle und richtige Orientierung der Personen in einem Autotunnel optisch und akustisch unterstützt werden kann, untersuchte Prof. Berthold Färber mit seinem Team an der Universität der Bundeswehr München im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Um zu untersuchen, wie Personen aus einer verrauchten Umgebung schnellst-möglich evakuiert werden können, wurden in einer Bunkeranlage verschiedene Leitmöglichkeiten experimentell untersucht. Theaterrauch und Lärm-Beschallung sollten das Szenario möglichst real erscheinen lassen. Zur optischen Orientierung standen Lauflichter, Dioden-Laser-Module, Handläufe, sowie eine Kombination daraus zur Verfügung. Als beste Orientierungshilfe bewährte sich eine Kombination aus Lauflicht, Handlauf und Laser.

Fahrzeuginsassen müssen aus PKW „rausgelockt“ werden
Zudem wurden die akustischen Möglichkeiten untersucht, wie die Fahrzeuginsassen dazu bewegt werden können ihren PKW zu verlassen und sich schnellstmöglich und zielsicher zu den Notausgängen zu bewegen. Da sich viele Personen trotz Gefährdungen in ihrem PKW vermeintlich sicher fühlen, ist es besonders wichtig sie zu einem Verlassen des Fahrzeugs zu bewegen. In den Experimenten stellten die Wissenschaftler fest, dass der Bass-Sound "Sägezahn" und ein dunkler Ton aus der Orgelpfeife am erfolgreichsten dabei sind. Die tiefen Frequenzen werden mehr im Bauchraum gefühlt als gehört und als unangenehm empfunden. Im nächsten Schritt müssen die Flüchtenden zu den Notausgängen „gelockt“ werden. Dazu wurden u. a. verschiedene Vogelstimmen, Musik-instrumente, eine Singstimme ("Hier her"), eine Sprechstimme (z.B. "Please, exit here"; "Der Notausgang ist hier") und weißes Rauschen erprobt.

„Als besonders geeignet zeigte sich die Singstimme „Hier her“ in Kombination mit dem Lockgesang des Rotkehlchens, das mit weißem Rauschen hinterlegt ist. Diese Kombination unterstützte 80 Prozent der Versuchspersonen beim Finden der rettenden Notausgänge“, erklärt Prof. Färber. Selbst ältere Tunnel könnten mit geringem Aufwand mit diesem akustischen Alarmsystem nachgerüstet werden.

Internetbefragung zeigte alarmierenden Kenntnisstand
Als Ausgangsbasis des Forschungsprojektes diente eine Internetbefragung mit über 400 Personen aller Altersgruppen über den Wissensstand der Nutzer, z. B. zur Ausstattung von Tunneln und Verhaltensweisen. Die Ergebnisse sind alarmierend: So würden beispielsweise 16 Prozent der Befragten im Fahrzeug bleiben, wenn im Tunnel Feuer und Rauch zu sehen sind, 19 Prozent wissen nicht, was zu tun ist. Die Zeit, die bei einem Brand bis zur Evakuierung zur Verfügung steht, wird von 42 Prozent der Befragten überschätzt. Wie auch eine Analyse des Verhaltens bei früheren Tunnelbränden zeigt, unterschätzen die Betroffenen die Dramatik der Situation und erleben das Fahrzeug als Schutzraum. Sie bleiben daher bei Feuer und Rauch zu lange im Fahrzeug sitzen.

Zusätzlich wurde eine Umfrage unter Tunnelbetreibern durchgeführt, um den aktuellen sicherheitstechnischen Stand sowie den Umfang der Notfallpläne zu ermitteln.

Michael Brauns
Pressesprecher
Universität der Bundeswehr München
Tel.: 089/6004-2004
E-Mail: michael.brauns@unibw.de

Michael Brauns | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie