Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

E-Fahrzeuge eröffnen Alternativen für innerstädtischen Lieferverkehr

13.07.2011
In der Klasse der leichten Nutzfahrzeuge sind Elektrofahrzeuge für Flottenbetreiber im innerstädtischen Lieferverkehr auch finanziell interessant.

Das ist das Ergebnis einer Studie von neun BWL-Studenten der Hochschule Niederrhein. Unter der Leitung von Prof. Dr. Doris Kortus-Schultes, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Auto, und Kooperationspartner Dipl.-Kfm. Ingo Olschewski von der Forschungsgesellschaft Kraftfahrtwesen mbH Aachen befragten die Studenten für die Studie „Innerstädtische Lieferflotten“ insgesamt 24 Logistikunternehmen.

Elektrofahrzeuge sind umweltfreundlich („tank-to-wheel Betrachtung“), geräuscharm und werden anstelle von Verbrennungsmotoren und fossilen Brennstoffen mit Elektromotoren sowie wiederaufladbaren Batterien betrieben. Für Doris Kortus-Schultes sind Elektrofahrzeuge daher besonders für den innerstädtischen Lieferverkehr interessant: „CO2- und Feinstaubausstoß sinken, nervende Motorengeräusche fallen weg. Das wirkt sich sehr positiv auf die Umwelt und natürlich auch auf die Lebensqualität in den Städten aus.“ Laut Plänen der Bundesregierung sollen 2020 auf deutschen Straßen mehr als eine Million Elektrofahrzeuge unterwegs sein.

Ein Fahrzeug der Kategorie „Leichtes Nutzfahrzeug“ sei zwar in der Elektroversion im TCO-Vergleich momentan noch ca. 3.000,- bis 6.000,- Euro (über 4 Jahre) teurer als ein Vergleichsfahrzeug mit konventionellem Antriebsstrang, sagt Ingo Olschewski. „Diese Finanzierungslücke kann aber zukünftig geschlossen werden“, ist sich der Diplom-Kaufmann sicher. Selbst wenn es in Deutschland, im Gegensatz zu Frankreich zum Beispiel, keine direkten Subventionen beim Kauf eines Elektrofahrzeuges gibt. „Betreiber von Elektroflotten sparen zuerst einmal Geld beim Verbrauch und auch an der Kfz-Steuer, da diese neben dem Hubraum ebenfalls nach den Schadstoff- und CO2-Emissionen berechnet wird“, rechnen die Studierenden Isabelle Herrmann, Anne Hilgers und Dana Hombach vor. „Dazu kommt, dass Elektrofahrzeuge kaum gewartet oder repariert werden müssen. Der Verschleiß ist geringer als bei konventionellen Fahrzeugen.“

Außerdem haben die Masterstudierenden Ideen entwickelt, wie Anreize für den Einsatz von Elektrofahrzeugen in Lieferflotten geschaffen werden können, die über das Monetäre herausgehen. „Zum Beispiel wäre es möglich, dass Elektrofahrzeuge von Lieferdiensten Busspuren nutzen können, um Zeit zu sparen, oder dass sie in innerstädtischen Park- und Halteverboten für eine gewisse Zeit stehen dürfen“, so Isabelle Herrmann.

Das „grüne Image“ der Elektrofahrzeuge, die geringen Betriebskosten und die positive Darstellung als umweltbewusstes und umweltfreundliches Unternehmen sind für die befragten Unternehmen die wichtigsten Gründe, über die Anschaffung solcher alternativ angetriebenen Fahrzeuge nachzudenken. Einige nutzen solche Elektrofahrzeuge bereits in ihren Flotten, mehr als 80 Prozent der Studienteilnehmer haben Bereitschaft signalisiert, von konventionellen Fahrzeugen auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. Dafür müssten aber die Rahmenbedingungen und attraktive Angebote geschaffen werden, stellen die Studierenden und die Betreuer fest.

„Ein Problem für die Firmen ist, dass die angebotene Modellpalette sehr eingeschränkt ist und es dem entsprechend kaum Auswahl für die potenziellen Kunden gibt. Für eine langfristige Ausrichtung auf Elektrofahrzeuge braucht es aber ein bedarfsgerechtes Angebot. Und das ist zurzeit nicht gegeben“, sagt Anne Hilgers.

„Wir befinden uns gerade in einer Marktvorbereitungsphase“, erläutert Ingo Olschewski. „Hohe Stückzahlen bei den Elektrofahrzeugen wird es nicht vor 2015 geben. Deshalb ist jetzt die Zusammenarbeit von Industrie und öffentlicher Hand gefragt. Letztere muss die fälligen Investitionen etwa durch F&E Förderprogramme unterstützen, und die Hersteller müssen eine Reihe elektrisch betriebener Modelle auf den Markt bringen.“

Probleme stellen derzeit außerdem Speicherkapazität und Lebensdauer der Batterien dar. Bisher lieferte eine Ladung Energie für rund 180 innerstädtische Kilometer und verlören nach und nach ihre Kraft. „Unternehmen haben Sorge, dass sie viel Geld in die Batterien investieren müssen“, sagt Dana Hombach. Jedoch: Die Hersteller verbessern die Batterien stetig, in den nächsten zehn Jahren werden die Preise sinken – und außerdem könnte es noch die Möglichkeit geben, Batterien zu leasen. Ingo Olschewski von der Forschungsgesellschaft Kraftfahrtwesen mbH Aachen „Die Batterien können zum Beispiel wirtschaftlich unabhängig vom Fahrzeug geleast werden, das heißt, die hohen Anschaffungskosten können somit reduziert werden. Wie bei einem Pkw bekommen die Kunden nach einer gewissen Zeit eine neue Batterie, ohne sich mit der Wartung oder Garantiefragen befassen zu müssen.“

Pressekontakt: Dr. Christian Sonntag, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Niederrhein: Tel.: 02151 822 3610; Email: christian.sonntag@hs-niederrhein.de

Dr. Christian Sonntag | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio
18.01.2017 | KTH Royal Institute of Technology Schweden

nachricht Hubschrauberflüge unter Extrembedingungen simulieren
27.12.2016 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie