Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Clever durch Telematik - Bremer Wissenschaftler entwickeln System zur Vermeidung von Verkehr

17.10.2008
Gütertransport mithilfe moderner Technik optimieren - Verkehr auf Straße und Schiene reduzieren: Erste Ergebnisse im Forschungsprojekt INWEST zur intelligenten Steuerung von Wechselbrücken

Um Geld zu sparen und die Umwelt schonen, organisieren Menschen immer häufiger Fahrgemeinschaften. Sogar kleine Umwege zahlen sich hier aus. Hauptsache, das Auto ist voll besetzt und die Termine können ohne zu großen Aufwand eingehalten werden. Wie das auch im Güterverkehr auf Straße und Schiene funktionieren kann, zeigt das Forschungsprojekt INWEST (Intelligente Wechselbrückensteuerung) unter der Leitung des BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH an der Universität Bremen.

Mit Köpfchen, Kombinationsgabe und Organisationstalent planen Menschen ihre Fahrgemeinschaften, um die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzten, die besten Routen zu finden oder sie bei Bedarf flexibel zu verändern. Diese Intelligenz fehlt den Navigations- und Softwaresystemen. Für die perfekte Gestaltung einer "Güter-Fahrgemeinschaft" soll künftig ein intelligentes System aus Kommunikationstechnik und Computerprogrammen sorgen. Fachleute bezeichnen diese Verknüpfung als "Telematik" (von Telekommunikation und Informatik). In dem Projekt INWEST werden nun die Software und die Hardware entwickelt.

Das Besondere an dem System sind erstens die Hardware-Komponenten. Diese Telematik-Einheiten können entsprechend der Auftragsdaten und Rahmenbedingungen konfiguriert, also jeweils für individuelle Aufgaben und Anforderungen schlau gemacht werden, und sie beziehen dabei sogar externe Einflüsse wie die Verkehrslage mit ein. Genau so, wie eine gut funktionierende, effektive Fahrgemeinschaft es braucht. Zweite Besonderheit des Systems ist die Gestaltung der Informations- und Kommunikationsflüsse. Mit einer eigenen Intelligenz versehen arbeiten die hierfür entwickelten Module extrem stromsparend und sehr zuverlässig. Derart aufgebaut, wird das INWEST-System zum Beispiel künftig den Disponenten in einer Spedition unterstützen können und ihm wertvolle Entscheidungshilfen zur Optimierung seiner Tourenplanung bieten.

Seit Anfang des Jahres läuft das zweijährige Vorhaben, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird. Nun präsentieren die Wissenschaftler bereits die ersten Ergebnisse ihrer Forschungen - unter anderem beim BMWi, und im November veranstaltet der Bundesverband Deutscher Postdienstleister (BvDP) im BIBA ein Branchentreffen, um sich über INWEST zu informieren. "Uns interessieren neue Lösungen für die Echtzeitverfolgung von Transportmitteln, und wir sind auch stets auf der Suche nach Optimierungspotenzialen im Güterverkehr. Sie haben einen sehr hohen Nutzwert für die Logistik", sagt BvDP-Geschäftsführer Eugen Pink. Durch INWEST verspreche man sich einige neue Anregungen.

Im Rahmen des Förderschwerpunktes "Intelligente Logistik" hatten die Wissenschaftler 2007 ihren Antrag für das Vorhaben beim Projektträger TÜV Rheinland in Köln eingereicht, und heute zählt es zu den 21 in diesem Programm geförderten Projekten. Daran beteiligt sind neben dem BIBA die Micromata GmbH (Kassel) und die OHB Teledata GmbH (Bremen) sowie als Anwendungspartnerinnen die Deutsche Post AG (Bonn) sowie die DHL Solutions Fashion GmbH (Essen). Gemeinsam wollen sie nun mithilfe der modernen Kommunikationstechniken und Computerprogramme einen Beitrag zum Umweltschutz leisten: Durch die Optimierung von Touren wird der Verkehr reduziert und so auch der Ausstoß von Kohlendioxid. Im Fokus haben die Wissenschaftler dabei die so genannten Wechselbrücken. Das sind die austauschbaren Ladungsträger, mit denen Güter per Lkw oder Zug transportiert werden können. Am Straßenrand abgestellt sehen sie aus wie kleine Container auf Stelzen. INWEST beschäftigt sich damit, wie, wann und wo die Wechselbrücken am besten be- und entladen werden und welche optimalen Wege sie über Straße oder Schiene nehmen können. Die Projektergebnisse lassen sich später auch auf andere Ladungsträger für den Gütertransport übertragen.

Hochflexibel auf Kundenanfragen reagieren, jederzeit und ruckzuck die Planung ändern

In die Wechselbrücken werden verschiede Module eingebaut. Diese kleinen, elektronischen Bauteile haben verschiedene Aufgaben. Die Telematik-Einheiten sammeln und übermitteln Informationen, die für eine den Verkehr reduzierende, logistische Planung erforderlich sind. Dabei nutzen die Forscher die satellitengestützte Ortung das Global Positioning System (GPS). Eine große Herausforderung beim Einsatz dieser Telematik-Module ist deren Stromversorgung. Sie muss stets und unabhängig vom Fahrzeug gewährleistet sein. Hier haben die INWEST-Partner ein Kommunikationskonzept entwickelt, das durch seine intelligente Strategie sowohl Energie spart als auch eine hohe Qualität und Sicherheit bietet. Andere, ergänzende Module überwachen zum Beispiel den Ladezustand, also das Volumen im Laderaum der Wechselbrücke.

Verbindendes Element in dem System ist eine intelligente Software. Sie nimmt die von den Modulen in der Wechselbrücke erzeugten Daten auf, verarbeitet sie und koordiniert die Kommunikation. Darüber hinaus bezieht die Software Verkehrsinformationen mit ein. Sie sind eine wichtige Einflussgröße bei der Tourenplanung. Dabei nutzt das Programm auch den in Navigationssystemen eingesetzten Traffic Message Channel (TMC) zur automatischen Umfahrung von Verkehrsstaus und Behinderungen. Mit festgelegten Methoden werden Verkehrssituationen analysiert, statistisch ausgewertet und vorhergesagt. Wenn sich also jeden Freitagnachmittag der Verkehr am Bremer Autobahnkreuz staut, wird das INWEST-System dem Disponenten diese Strecke nicht für eine Tour zu dieser Zeit vorschlagen. Es errechnet stets die bestmögliche Route.

Die Software unterstützt die Anwender in der Planung und Steuerung der Auftragsdaten und ermöglicht jederzeit eine "ad hoc-Optimierung": Auch wenn die Wechselbrücke schon unterwegs ist und bereits Güter zu- oder entladen worden sind, kann der Disponent über das INWEST-System ihren Standort sowie den Ladezustand abfragen. Er kann also hochflexibel auf Kundenanfragen reagieren und die vorhandenen Kapazitäten optimal nutzen. Das INWEST-Konzept berücksichtigt dabei technische, organisatorische und wirtschaftliche Faktoren sowie den Umweltschutz. "Wir sprechen hier von einem 'integrativen Ansatz'", erklärt Projektleiter Christian Gorldt. "Das heißt, wir betrachten die ganze Prozesskette und alle Rahmenbedingungen. Vom Kundenauftrag bis hin zur Auslieferung der Güter", sagt der BIBA-Wissenschaftler. Nicht nur durch die Intelligenz der einzelnen Komponenten, auch durch diesen ganzheitlichen Ansatz unterscheidet sich das INWEST-System von anderen.

Um Versuchsaufbauten mit unterschiedlichen Technologiekonzepten zu erproben und zu bewerten, wurde auf dem BIBA-Gelände ein Wechselbehälter aufgebaut. Derzeit werden hier die ersten prototypischen Module integriert, und im Frühjahr 2009 beginnen die bundesweiten Feldtests. Sechs Monate lang werden reale, betriebliche Daten aus rund hundert Telematik-Einheiten zur Verfügung stehen, um das Konzept der intelligenten Wechselbrückensteuerung zu überprüfen und in die Praxis zu übertragen.

Achtung Redaktionen: druckfähige Fotos finden Sie unter http://www.biba.uni-bremen.de/press2008.html oder erhalten sie bei Anfrage von Sabine Nollmann (mail@kontexta.de)

Weitere Informationen erhalten Sie von:

M. Sc. Christian Gorldt (BIBA, Projektleiter)
Telefon: 0421 218-55 80 oder 0177 412 44 75, E-Mail: gor@biba.uni-bremen.de
Sabine Nollmann (kontexta, PR/Wissenschaftskommunikation)
Telefon: 0170 904 11 67, E-Mail: mail@kontexta.de

Sabine Nollmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.biba.uni-bremen.de
http://www.inwest.org
http://www.bvdp.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Industrie 4.0 in der Logistik
24.01.2017 | Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.

nachricht Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio
18.01.2017 | KTH Royal Institute of Technology Schweden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie