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Car2X erobert die Straße

18.09.2015

Die Vision: Dank kooperativer Systeme kommunizieren Fahrzeuge untereinander, mit den Verkehrsleitstellen und mit der Infrastruktur an der Straße. Kreuzungen und Hinweisschilder werden intelligent und arbeiten mit den Fahrzeugen zusammen, um den Verkehr sicherer, effizienter und umweltfreundlicher zu machen. Der Fahrer erhält wichtige Verkehrshinweise, Beschränkungen, Warnhinweise für die Unfallvermeidung oder Handlungsaufforderungen – direkt in sein Fahrzeug. Staus, Unfälle und Umweltverschmutzung werden reduziert.

Damit diese Vision Wirklichkeit werden kann, müssen Fahrzeuge und Infrastruktur entsprechend ausgerüstet sein. Autos müssen in der Lage sein, ständig ihre Position, Geschwindigkeit und Zielrichtung zu melden. Die Straße muss Verkehrshinweise, Beschränkungen und Warnungen kommunizieren können.

Siemens hat in diesem Bereich in den letzten Jahren vielfältige Erfahrungen gesammelt und an Lichtsignalanlagen und Kommunikationsmodulen geforscht, die auf die Zusammenarbeit zwischen Auto und Infrastruktur ausgelegt sind.

Zentraleuropäische „Car2X-Korridor“zwischen Rotterdam, Frankfurt am Main und Wien

Zwischen Rotterdam, Frankfurt am Main und Wien entsteht derzeit der zentraleuropäische „Car2X-Korridor“, in dem die Niederlande, Deutschland und Österreich mit Partnern aus der Industrie kooperative Technologien auf die Straße bringen wollen. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten die jeweiligen Verkehrsminister im Juni 2013.

Gemeinsam wollen sie einen Zeitplan für die Einführung der ersten Anwendungen entwickeln und die Grundlage für eine harmonisierte Schnittstelle zu den Fahrzeugen vorbereiten. Es geht aber auch um die tatsächliche Umsetzung erster Anwendungen:

Baustellenwarnungen und die Erfassung der Verkehrslage durch Autos machen den Anfang, für weitere Anwendungen wollen die drei Länder eine gemeinsame Einführungsstrategie entwickeln. Ab 2015 sollen Baustellenanhänger auf dem Korridor per Mobilfunk oder über WLAN ihre Position und die Spurführung an der Baustelle in die Autos und an Verkehrszentralen senden.

Fahrzeuge übermitteln ihre Position, Wetterverhältnisse und ihre Geschwindigkeit - ebenfalls, je nach Verfügbarkeit, über WLAN oder Mobilfunk und mit einem Zeitstempel versehen. Derzeit sind die Vorentwicklungen im Gange, in Deutschland rund um Frankfurt am Main, in Österreich im Rahmen des Projekts Eco-AT, in den Niederlanden wird das Testfeld DITCM erweitert.

Siemens beteiligt sich in Österreich im Rahmen von Eco-AT am Aufbau eines „Lebenden Labors“ in und um Wien und liefert Soft- und Hardware für die Kommunikation der Verkehrsteilnehmer. Sogenannte „Road Side Units“, mit denen die Straßen ausgestattet werden, liefern Informationen an die Verkehrszentralen.

Um das Thema Datensicherheit zu gewährleisten ist geplant, alle verkehrstechnischen und sicherheitsrelevanten Nachrichten mit einem standardisierten PKI (Public Key Infrastructure)-Schlüssel zu signieren, der die Gültigkeit der Meldungen sicherstellt. Die ID eines jeden Fahrzeugs wird anonymisiert, um die Vertraulichkeit der Kommunikation zu gewährleisten.

Basierend auf diesen Erkenntnissen des Living Labs, soll dann der gesamte österreichische Korridor flächendeckend mit den kooperativen Systemen ausgestattet werden. Künftig soll es dann auch möglich sein, Verkehrsschilder und Ampelinformationen ins Fahrzeug zu übermitteln, ebenso Abfahrtszeiten des öffentlichen Personennahverkehrs und freie Park&Ride-Stellplätze.

Testfeld Telematik in Wien

Im Rahmen eines Feldversuchs testete Siemens gemeinsam mit Projektpartnern wie der Asfinag, Kapsch und AustriaTech im Jahr 2013, nicht nur ob die neue Car2x-Technologie funktioniert, sondern vor allem, ob der Nutzer diese akzeptiert. Im Fokus stand, welche und wie viele Informationen der Fahrer überhaupt erhalten soll, um bestmöglich unterstützt zu werden, ihn gleichzeitig aber nicht zu sehr vom Verkehrsgeschehen abzulenken.

Auf einer 45 Kilometer langen Teststrecke in Wien, die ein Autobahndreieck, einen Teil des Stadtgebiets sowie eine Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr beinhaltete, installierten die Projektpartner auf dem „Testfeld Telematik“ Hunderte von Sensoren und Kameras, die die aktuelle Verkehrssituation erfassen. Dann wurden rund 50 Testfahrer auf die Straße geschickt.

Sie lieferten mit ihren Fahrzeugen in Echtzeit Positionsdaten an die Verkehrsleitzentrale und erhielten im Gegenzug Geschwindigkeitshinweise, Warnungen vor gefährlichen Situationen wie Öl auf der Fahrbahn, Stau- und Baustellenwarnungen, Reiseinformationen, Wetterdaten sowie Informationen zu Flugverspätungen, Auslastung von Park&Ride-Anlagen und Umsteigeempfehlungen zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

Nach umfangreichen Testfahrten wissen die Projektpartner: Car2X verändert das Fahrverhalten und leistet einen Beitrag zu einem effizienten, sicheren und ressourcenschonenden Verkehr. Denn die Anzeigen im Fahrzeug sind wirksamer als beispielsweise Verkehrsschilder am Straßenrand, etwa wenn eine Baustelle umfahren werden soll. Rund 60 Prozent der Testfahrer empfangen die angezeigten Anwendungen als hilfreich, und nahezu zwei Drittel würden diese auch in Zukunft verwenden.

Die Folge wäre ein besserer, da harmonisierter Verkehrsfluss, der die Sicherheit auf den Straßen deutlich erhöht, da er zu weniger gefährlichen Situationen bei Spurwechseln und damit weniger Unfällen führt.

Das Testfeld Telematik in Wien hat gezeigt, dass „Car2X“ prinzipiell bereits heute funktioniert. 

Siemens ist Mitglied im Car2Car-Konsortium

Damit verschiedene Fahrzeugtypen und die Infrastruktur auch region- und länderübergreifend miteinander reden können, braucht es Kommunikationsstandards und gemeinsame Schnittstellen. Vertreter aus Automobilindustrie und Industrie schlossen sich im Car2Car-Konsortium zusammen, nicht nur, um Kommunikationsstandards zu entwickeln, sondern sie verpflichten sich auch, die kooperativen Technologien etwa Informationen über stehengebliebene Fahrzeuge, Baustellen und ortsgenaue Verkehrsinformationen ab 2015 in Neufahrzeugen einzusetzen. Die Vertreter des Konsortiums bilden gemeinsam mit Infrastrukturbetreibern die Amsterdam Group. Sie definieren gemeinsam Anwendungen, die in einer ersten Phase zum Einsatz kommen können.

Evelyn Necker | Siemens AG
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com

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