"Blue Tiger" faucht jetzt leiser

„Blue Tiger“ fährt direkt durch Rübeland. Vorbei an kleinen Cafés und Geschäften. Dabei ist der fast 130-Tonner nicht zu überhören. Die Diesellok ist laut, was die Anwohner des kleinen Urlaubsortes im Harz in Aufruhr versetzte.

Doch es gibt nicht nur das subjektive Empfinden der Bevölkerung, sondern auch harte Fakten. Seit 2006 gelten in Europa neue Lärmgrenzwerte für neue Schienenfahrzeuge.

Für die Havelländische Eisenbahn, ein kleines Bahnunternehmen in Berlin-Spandau, die vier Großdieselloks des Typs „Blue Tiger“ unterhält, waren Unmut und die neuen Bestimmungen Anlass, sich an die Wissenschaftler des Fachgebietes Schienenfahrzeuge der TU Berlin zu wenden, um ihre „Blue Tiger“ leiser zu machen. Daraus wurde ein Forschungsprojekt, das nun nach einem Jahr abgeschlossen wird und vom Bundesumweltministerium mit 73 000 Euro gefördert wurde, da es sich hierbei um Maßnahmen für Fahrzeuge aus dem Bestand handelt.

Ziel war es, Lösungen zu finden, wie solche Schienenfahrzeuge kostengünstig umgerüstet werden können. Insgesamt sind in Deutschland elf solcher Loks vom Typ „Blue Tiger“ unterwegs, die im schweren Güterverkehr zum Einsatz kommen.

„Messungen haben ergeben, dass nicht der Dieselmotor die dominierende Lärmquelle ist. Der ist ziemlich gut 'verpackt'. Es sind vielmehr die beiden Nebenaggregate wie der Kolbenkompressor und die Kühlerlüfter, welche lediglich durch ein Gitter verkleidet auf der Lok montiert sind“, erklärt Christian Czolbe, der unter Leitung von Professor Markus Hecht das Projekt durchführte. Beim Kompressor ist es ein blubberndes tieffrequentes Ansauggeräusch, bei den Lüftern ein Pfeifen und Rauschen, was es zu eliminieren galt.

Die Kühlertüren werden nun mit den Lärm absorbierenden Metalljalousien verkleidet, die im industriellen Anlagenbau bereits angewendet werden. Und um die tieffrequenten An-sauggeräusche des Kompressors zu minimieren, wird ein spezieller kleinvolumiger Schalldämpfer installiert. Czolbe: „Dieser Schalldämpfer bewirkt, dass das Standgeräusch bei laufendem Kompressor nur noch 74,4 Dezibel beträgt. Damit liegt es unter dem seit 2006 zulässigen EU-Wert von 75 Dezibel. Ohne Schalldämpfer wurden 77,1 Dezibel gemessen.“ Das Ziel ist also erreicht.

„Die Kosten für die Umrüstung belaufen sich auf etwa 47 000 Euro pro Lok, sicherlich keine Peanuts. Aber für die Anschaffung einer neuen Diesellok müssten immerhin 2,3 Millionen Euro investiert werden“, sagt Czolbe.

Für die Lärmminderungsprojekte des Fachgebietes Schienenverkehr der TU Berlin wie zum Beispiel „Leila“, ein leichtes, lärmarmes Güterwagendrehgestell, interessiert sich auch die Schweiz. Und für ihr Projekt eines Bahnlärmprognoseprogramms hat sie neben der ETH Zürich die TU Berlin als Partner gewonnen.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Prof. Markus Hecht und Christian Czolbe, Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin, Fachgebiet Schienenfahrzeuge, Salzufer 17-19, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-25150 (Prof. Hecht) oder 314-79806 (Christian Czolbe), E-Mail: markus.hecht@tu-berlin.de, christian.czolbe@tu-berlin.de

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Dr. Kristina R. Zerges idw

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