Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Transportlogistik für Katastropheneinsätze

19.04.2007
Die Koordination von Hilfsmaßnahmen nach Katastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis erfordert ein hohes Maß an Logistik. Plötzlich müssen Tausende Menschen nicht nur ärztlich versorgt werden, sondern auch mit Nahrung, Trinkwasser und Unterkünften.

Immer wieder unterlaufen dabei gravierende Fehler, etwa dass gelieferte Hilfsgüter verschimmeln, während nur wenige Kilometer entfernt Menschen hungern. Mit der Verbesserung der Transportlogistik nach Katastrophen beschäftigt sich nun ein aktuelles, vom FWF gefördertes Projekt am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien.

"Bis dato gibt es erstaunlich wenige wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Thema der Katastrophenhilfslogistik befassen", sagt Projektleiter Karl Doerner. Dieses Manko wird nun von Doerner gemeinsam mit Walter Gutjahr vom Institut für Statistik und Decision Support Systems sowie dem Vorstand des Instituts für Betriebswirtschaftslehre, Richard Hartl, und der Dissertantin Pamela Nolz behoben. "Uns geht es um die Planung der weiteren Phasen unmittelbar nach der ersten Zeit der Katastrophe. Konkret ab dem Zeitpunkt, wo verschiedene internationale Hilfsorganisationen in den betroffenen Gebieten eintreffen", erklärt Hartl.

Provisorisches Versorgungsnetzwerk

Im Fall des Tsunami-Unglücks in Südostasien 2004 kam es zu groben Engpässen in der Versorgung der Bevölkerung. Genau solche Situationen sollen in Zukunft mithilfe einer Software, die im Projekt entwickelt wird, vermieden werden. "Die Hauptaufgabe ist die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Daher ist es besonders wichtig, schnell ein provisorisches Versorgungsnetzwerk aufzubauen", so Hartl. Es geht darum, die optimale Transportroute für die Versorgung zu ermitteln, trotz - teilweise unkalkulierbarer - Hindernisse wie zerstörte Straßen oder Brücken.

Wesentlich ist auch die Errichtung von diversen Lagermöglichkeiten wie Zwischenlager oder Regionallager. Diese Lager müssen an strategisch wichtigen Punkten stehen, um eine optimale Verteilung zu erreichen. "Für die traumatisierten Menschen in der Region sind regelmäßige Hilfslieferungen zu festgelegten Zeiten notwendig, da sie sich dadurch nicht im Stich gelassen fühlen", sagt Doerner.

Kooperation mit dem Roten Kreuz

Sowohl Richard Hartl als auch Karl Doerner haben Erfahrung in der Erarbeitung zur Transportlogistik. Sie optimierten für das Rote Kreuz die Blutspendensammlung und den PatientInnentransport. Auch im Zuge des aktuellen Projekts arbeitet das Team mit der Abteilung für Internationale Hilfe des Österreichischen Roten Kreuzes zusammen. "Um Katastropheneinsätze optimieren zu können, werten wir zuerst historische Daten aus und stellen uns die Fragen: Was ist schief gegangen und wie hätte es besser funktionieren können?", so der Betriebswirtschafter Doerner.

Ziel ist es, am Ende der dreijährigen Projektlaufzeit eine computergestützte "Betriebsanleitung" für Katastropheneinsätze zu entwickeln. Karl Doerner: "Das Rote Kreuz bekommt von uns mit diesem Prototyp quasi die Basisdaten für die Erarbeitung einer Katastrophensoftware. Wird sie umgesetzt, könnten die Hilfskräfte vor Ort Koordinaten von befahrbaren und nicht befahrbaren Straßen, Bevölkerungszahlen etc. eingeben und die Software liefert verschiedene Vorschläge für die günstigsten Plätze von Lagerhallen und Transportrouten."

Kontakt:
Mag. Dr. Karl Doerner
Institut für Betriebswirtschaftslehre
Universität Wien
1210 Wien, Brünner Straße 72
T +43-1-4277-38113
karl.doerner@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/bwl
http://public.univie.ac.at

Weitere Berichte zu: Katastropheneinsatz Transportlogistik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Oberleitungs-LKW: Option für einen umweltverträglichen Güterverkehr?
08.12.2016 | Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

nachricht Entlastung im Güterfernverkehr
08.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie