Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Störungen sind wie Herzattacken

22.02.2007
Unternehmergespräch zu Fehlfunktionen und Risikomanagement in Lieferketten an der EUFH

Gemeinsam mit der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. und der Bundesvereinigung Logistik (BVL), Regionalgruppe Rhein, veranstaltete der Fachbereich Logistikmanagement der Europäischen Fachhochschule (EUFH) ein spannendes Unternehmergespräch zum Thema Fehlfunktionen und Risikomanagement in Lieferketten. Mehr als fünfzig Vertreter von namhaften Unternehmen aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor, aber auch interessierte Gäste von anderen Hochschulen waren nach Brühl zur EUFH gekommen, um sich über Ansätze zur Identifizierung oder Instrumente zur Bewertung von Lieferkettenstörungen auszutauschen und Strategien zur Absicherung gegen sie zu diskutieren.

Die Schmalenbach-Gesellschaft hat sich die Pflege von Beziehungen und den intensiven Erfahrungsaustausch zwischen Wirtschaftswissenschaftlern und Führungskräften aus der Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Diesem Zweck dienen auch die in verschiedenen Regionen und zu bestimmten Themen stattfindenden Unternehmergespräche. Diesmal hatte die Veranstaltungsreihe mit der Europäischen Fachhochschule einen Partner, der mit seinem dualen Studienkonzept ebenso auf die enge Verzahnung von Theorie und Praxis setzt.

Dr. Christian Femerling, Sprecher der BVL Regionalgruppe Rhein und zugleich externer Dozent an der EUFH, führte die Gäste durch einen hoch interessanten Nachmittag, der das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete. Einen theoretischen Überblick gab zunächst Prof. Dr. Johannes Wolf, Dekan für Logistikmanagement an der EUFH, bevor Dr. Harald Gerking, Geschäftsführer von Woolworth Logistics in Frankfurt, Bernd Suedel, Manager Supply Chain Management bei den Ford-Werken in Köln und Dr. Stephan Freichel vom Vorstand der Kölner Microlog Logistics AG ihre aktuellen praktischen Erfahrungen vorstellten.

... mehr zu:
»EUFH »Herzattacke »Risikomanagement

Durch die Globalisierung von Produktion und Beschaffung sind Lieferketten nicht nur effizienter, sondern auch verletzlicher geworden. Unterschiedliche Störungen können jederzeit auftreten, angefangen von Naturkatastrophen und politischen Risiken wie Putschen oder übererfüllten Importquoten über verspätete Rohstofflieferungen und Insolvenzen bis hin zu veränderten Kundenwünschen. Eine US-Studie ergab, dass Lieferkettenfehlfunktionen gravierende negative Auswirkungen auf Aktienkurse, aber auch auf Umsatzwachstum, Gewinnentwicklung und Gesamtkosten haben. Kleine Unternehmen sind davon in der Regel noch stärker betroffen als große. Für alle besteht aber die Gefahr der Abwanderung von Kunden, deren Wünsche nicht adäquat bedient werden können. „Lieferkettenstörungen sind wie Herzattacken – sie kommen plötzlich und es dauert meist lange, sich von ihnen zu erholen“, so Prof. Dr. Wolf während der Veranstaltung.

Ganz ähnlich wie bei Herzattacken ist es aber möglich, die Risiken durch vorbeugende Maßnahmen in Grenzen zu halten. Dabei seien Kommunikation und Kooperation zwischen den beteiligten Unternehmen eine wichtige Voraussetzung. Lieferketten, in denen die Zusammenarbeit beim Risikomanagement gelingt, werden, so Prof. Wolf, ihre Stellung im Wettbewerb stärken können. Aber wo kann man bei der Vielfalt der drohenden Gefahren ansetzen? Prof. Wolf stellte beispielhaft eine Methode zur Risikoanalyse vor, bei der das geringe bis existenzgefährdende Gefahrenpotenzial für das Unternehmen und die geringe bis sehr hohe Beeinflussbarkeit die Kriterien sind. Bei dieser Variante der Portfolioanalyse geht es darum, sich auf die wirklich wesentlichen Risiken zu konzentrieren, die durch entsprechende Maßnahmen gut beeinflussbar sind. „Dabei gibt es auch die Möglichkeit der kalkulierten Inkaufnahme von Risiken, auf die man keinen Einfluss hat. Das hat nichts mit Fatalismus zu tun, sondern es ist eine ganz bewusste Entscheidung.“

Verspätungen sind die bei Woolworth am häufigsten auftretenden Lieferkettenstörungen. Das Gefahrenpotenzial ist nicht existenzbedrohend, denn durch eine Reihe von gezielten Gegenmaßnahmen hält das Unternehmen die Kosten in Grenzen. Um Pünktlichkeit zu gewährleisten, benutzt Woolworth dann schnellere Schiffe für Importe aus Fernost oder LKWs statt Binnenschiffe für Inlandswaren. Der Einsatz von kostspieligen Paketdiensten oder Luftfracht ist eher die Ausnahme. „Es ist vorteilhafter für uns, einfache Artikel bei Verspätung aus der Werbung zu nehmen“, erklärte Dr. Harald Gerking.

So einfach lassen sich Lieferprobleme bei Ford nicht aus der Welt schaffen. „Verspätungen sind schon am ersten Tag richtig teuer, wenn unter Umständen Tausende von Mitarbeitern Däumchen drehen“, berichtete Bernd Suedel aus der Praxis. „In meinem Job kann ich morgens noch nicht vorhersehen, mit welchen Risiken ich es am Nachmittag zu tun haben werde.“ Der Supply Chain Manager setzt im Risikomanagement deshalb in erster Linie auf den Teamgeist der Ford-Mitarbeiter in aller Welt und auf Datentransparenz innerhalb des Unternehmens. „Ein gutes Team mit seinen Ideen und seiner Tatkraft kann bei plötzlich auftretenden Problemen wahre Wunder bewirken. Eine Portion Glück muss allerdings immer dabei sein.“

Bevor die Teilnehmer des Unternehmergesprächs in eine lebhafte Diskussion einstiegen, sorgte Dr. Stephan Freichel vom Logistikdienstleister Microlog noch für weiteren fachlichen Input, insbesondere zur Rolle von Logistikdienstleistern in komplexen Logistikketten im Hinblick auf entsprechendes Steuerungs- und Risikomanagement. Für den einen oder anderen Gast waren an diesem Tag sicherlich neue Ideen und Werkzeuge zum Risikomanagement dabei, die zur Vermeidung zukünftiger „Herzattacken“ beitragen können.

Renate Kraft | Europäische Fachhochschule
Weitere Informationen:
http://www.eufh.de

Weitere Berichte zu: EUFH Herzattacke Risikomanagement

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Wirtschaftlicher Betrieb von Oberleitungs-Lkw ist möglich – aber es gibt relevante Hürden
08.05.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten