Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Stuttgarter Logistikkostenmodell": Gezielte Ursachenermittlung und -beseitigung von Logistikkosten

10.11.2006
Obwohl die Logistikkosten bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, können nur rund 47 Prozent der Unternehmen genaue Zahlen ihrer Logistikkosten nennen.

Das vom Fraunhofer IPA entwickelte Stuttgarter Logistikkostenmodell unterstützt Unternehmen, Logistikkosten systematisch zu identifizieren und zu reduzieren.

Während die operativen Logistikprozesse im Rahmen des Supply-Chain-Managements kontinuierlich weiterentwickelt wurden, um den Herausforderungen in Logistiknetzwerken zu begegnen, sind die heutigen Modelle zur Erfassung der Logistikkosten noch ungenügend. So hat Holger Barthel, Leiter der Abteilung Unternehmenslogistik am Fraunhofer IPA, in den letzten Jahren in vielen Projekten festgestellt, "dass die Logistiker Probleme haben, die Ursachen für ihre Kosten zu erkennen und diese positiv zu beeinflussen". Dabei sind sich Unternehmen des hohen Anteils an Logistikkosten durchaus bewusst, welche, abhängig von der Branche, bis zu 30 Prozent der Herstellkosten betragen können. Trotz dieses hohen Kostenanteils fehlen Unternehmen die Instrumente zur übersichtlichen Strukturierung und Darstellung aller anfallenden Logistikkosten, um diese ganzheitlich optimieren zu können.

Die meisten Unternehmen besitzen kein logistisches Kennzahlensystem,
welches ihnen erlaubt,
- die Qualität der Abläufe tagesaktuell zu prüfen und basierend darauf, steuernd einzugreifen

- sowie die Leistungsfähigkeit der logistischen Abläufe und Kenngrößen im Vergleich zum "Stand der Technik" in der Logistik bzw. zum Wettbewerb zu benchmarken.

Außerdem fehlen geeignete Systematiken zur eindeutigen Darstellung finanzieller und logistischer Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Dadurch kann der Handlungsspielraum zur Optimierung der Logistikkosten nicht klar identifiziert werden.

Vor diesem Hintergrund wurde am Fraunhofer IPA das "Stuttgarter Logistikkostenmodell" entwickelt. Damit sollen Unternehmen systematisch

- bei der Identifikation ihrer tatsächlichen Logistikkosten,

- der für diese Logistikkosten relevanten Ursachen sowie

- bei der Findung potenzieller Maßnahmen zur Reduzierung der identifizierten Kosten unterstützt werden.

"Absolut neu an unserem Vorgehen ist unsere durchgängige Betrachtungsweise: Kosten ? Ursache ? Maßnahme ? sowie das verbindende Element von Logistikprozess zu finanzbuchhalterischer Kostenstruktur", erklärt Barthel den wesentlichen Innovationsgrad im Modell.

Die systematische Vorgehensweise des "Stuttgarter Logistikkostenmodells" lässt sich in fünf Projektphasen unterteilen. Zur effizienteren Bearbeitung der Projekte steht den Fraunhofer IPA Experten ein zusätzlich entwickeltes Software-Werkzeug zur Verfügung (siehe Bild 1). Diese Software bildet die fünf Kernelemente anwenderfreundlich und interaktiv ab und schafft dadurch eine transparentere Vorgehensweise im Projekt für den Kunden.

Um den Unternehmen, bei der Identifikation ihrer tatsächlichen Logistikkosten, eine systematische Unterstützung zu gewährleisten, werden alle im Controlling erfassten Logistikkosten einzelnen Prozessbausteine oder zusammengefassten Bausteingruppen zugeordnet. Es ist deshalb notwendig, die ersten beiden Projektphasen, Logistikprozessmodellierung und Kostenstrukturerfassung,

parallel zu bearbeiten. In der ersten Projektphase sind alle Hauptgeschäfts-prozesse zu identifizieren, zu analysieren und zu dokumentieren. Anschließend werden alle logistikostenrelevanten Konten der Finanzbuchhaltung analysiert und dokumentiert. Des Weiteren findet eine Separation zwischen eigen- und fremderzeugten Logistikkosten statt. Die Basis hierfür bilden die in der ersten Projektphase identifizierten Hauptgeschäftsprozesse. Abschließend werden die in den zwei Projektphasen aggregierten Informationen zusammengefasst und stellen somit eine Zuordnung zwischen den Logistikkosten und den einzelnen Prozessbausteine oder zusammengefassten Bausteingruppen dar.

Ausgehend von den Erkenntnissen aus der Logistikprozessmodellierung und Kostenstrukturerfassung, erfolgt in der dritten Projektphase die Logistikkostenanalyse. Hierin werden alle logistikostenrelevanten Konten der Finanzbuchhaltung analysiert und im Anschluss ein Benchmark durchgeführt. Mittels eines überbetrieblichen Kennzahlenvergleichs wird dieser Schritt auf Ebene jedes einzelnen Prozessbausteins durchgeführt. Zur Gewährleistung einer entsprechenden Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen, erfolgt vorab eine Prozessklassifizierung anhand spezifischer logistischer Merkmale. Als Ergebnis können die Qualität der Prozesse und Kenngrößen mit dem "Stand der Technik" in der Logistik bzw. dem Wettbewerb verglichen und deren Kostenpotenziale ausgewiesen werden.

Beim Ursache-Wirkungsmodell, in der vierten Projektphase, spielt die Identifikation der Kostenursachen bzw. Kostentreiber eine zentrale Rolle. Es erfolgt eine Verknüpfung der Kosten mit den Kostentreibern. Wichtig ist, dass die Logistikkosten nie isoliert betrachtet werden können, sondern immer in Verbindung mit den entsprechenden Logistikleistungen (z.B. Liefertreue, Liefergeschwindigkeit, Lieferflexibilität). Des Weiteren werden die Zusammenhänge zwischen den Logistikkosten und Logistikleistungen dargestellt.

Mittels der am Fraunhofer IPA erstellten Lösungsbaustein-Bibliothek können Alternativszenarien vorgeschlagen und bewertet werden, welche wiederum einen Einfluss auf die Logistikkosten sowie die Logistikleistungen haben. Durch die Berücksichtigung von Umsetzungsaufwand (in Euro), der Zeitdauer bis zur ersten Wirkung sowie des Nutzens (in Euro) und Leistung kann jede Maßnahme ganzheitlich betrachtet werden. So wird die Erarbeitung jedes weiteren Vorgehens für die Unternehmen transparenter. Und "wer sein Unternehmen mit effektiven Geschäftprozessen und zukunftssicheren Technologien voranbringen will, für den sollten transparente Kosten auf Prozessebene kein rotes Tuch sein", meint Barthel und resümiert: "Erfahrungsgemäß lassen sich bei mittelständischen produzierenden Unternehmen durch den Einsatz des Modells die Logistikkosten um mindestens 10 bis 15 Prozent senken."

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dipl.-Betrw. (BA) Silvia Körber
Telefon: +49(0)711/970-1985
E-Mail: silvia.koerber@ipa.fraunhofer.de
Dipl.-Ing. Ralph Schmid
Telefon: +49(0)711/970-1176
E-Mail: ralph.schmid@ipa.fraunhofer.de

Hubert Grosser | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipa.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Wirtschaftlicher Betrieb von Oberleitungs-Lkw ist möglich – aber es gibt relevante Hürden
08.05.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften