Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zündende Idee für neue Erdgasmotoren: "Öko-Brummis" bald auf Überholspur?

25.01.2002



Experten aus Ruhrgebiet entwickeln neue Technologie - Brückenschlag zur Nutzung alternativen Kraftstoffs - DBU fördert mit 373.000 Euro

... mehr zu:
»DBU »Kraftstoff

Wenn die Idee der GVH Entwicklungsgesellschaft für Verbrennungsmotoren und Energietechnik (Gelsenkirchen) und der Fachhochschule (FH) Dortmund bei den Herstellern von Motoren für Busse und Lkw zünden sollte, könnten die Zeiten übermäßiger Umweltbelastungen durch "Brummis" bald vorbei sein. Mit einer neuen Technik wollen die Experten den Erdgaseinsatz so verbessern, dass erstmals in dieser Fahrzeugklasse ernste Chancen für die Markteinführung des alternativen Kraftstoffes bestehen. Prof. Dr. Ulrich Hilger von der FH Dortmund: "Bisher verbrauchen Erdgasmotoren nach teuren Umrüstaktionen 40 Prozent mehr Kraftstoff als Diesel. Das hat ihre Verbreitung verhindert. Unsere Technologie sichert den Käufern nach zehn Jahren ein wirtschaftliches Plus von 15 Prozent." - Gefördert hat die Entwicklung mit 373.000 Euro die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück.

Energiefresser und Umweltsünder



Zwar machten die vier bis sechs Millionen Nutzfahrzeuge etwa nur ein Zehntel aller Fahrzeuge in Deutschland aus. Gleichwohl seien sie aber für die Hälfte der Umweltbelastungen verantwortlich, die durch Verbrennungsprozesse in Motoren entstehen, verdeutlicht Hilger die Dimension des neuen Verfahrens. Bereits vor Jahren sei man deshalb auf den Einsatz von Erdgas vor allem bei kommunalen Fahrzeugen und Bussen gekommen, weil die durch häufiges Stoppen und Anfahren in besonderem Maße Energiefresser und Umweltsünder seien.

Erdgasbetrieb bisher unrentabel

Um aber Dieselfahrzeuge auf Erdgas umzustellen, sei es bisher notwendig gewesen, sie zu Ottomotoren umzurüsten. Das habe zwar zu wesentlichen Umweltentlastungen im Vergleich zu Dieselmotoren geführt. Wirtschaftlich habe sich das aber nicht gerechnet, weil neben den hohen Kosten für das Umrüsten der Kraftstoffverbrauch solcher Fahrzeuge bis zu 40 Prozent höher sei als bei den Dieselmodellen.

Wirkungsgrad von Dieselmotoren

Mit der in Dortmund und Gelsenkirchen neu entwickelten Technik entfalle die aufwändige Umrüstung der Motoren. Das Erdgas könne direkt in den Brennraum des Dieselmotors eingeblasen und dort mit einer herkömmlichen Glühkerze - wie sie bei kleinen und mittleren Dieselmotoren als Kaltstarthilfe eingesetzt werden - gezündet werden. Das entspreche der hochmodernen Einspritztechnologie, die für flüssige Kraftstoffe im Dieselmotorenmarkt bereits weit verbreitet eingesetzt werde. Dr. Bernd Bartunek, GVH-Geschäftsführer: "Unsere Technologie verknüpft in idealer Weise die positiven Eigenschaften des umweltfreundlichen Kraftstoffes Erdgas mit dem hohen Wirkungsgradpotenzial heutiger Dieselmotoren: Nicht mehr Kraftstoffverbrauch als beim Diesel bei gleicher Leistungsstärke, aber weniger Schadstoffbelastungen."

"Brückenfunktion" für Einsatz erneuerbarer Energien

Während also herkömmliche Erdgasottomotoren wegen ihrer hohen Anschaffungs- und Betriebskosten wirtschaftlich uninteressant seien, bestünden gute Aussichten, dass die neue Technologie erstmals wirklich die Möglichkeit der Markteinführung eines alternativen Kraftstoffes biete, betont auch DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde. Dem Erdgas komme damit eine Brückenfunktion für einen verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien zu, wie er sich in vielleicht 50 bis 70 Jahren in der Nutzung von Wasserstoff niederschlagen werde. Notwendig sei dazu natürlich noch eine bessere Versorgung in Deutschland mit Erdgas-Tankstellen. Hilger: "Von den 14.000 Tankstellen bieten heute 210 Erdgas an. Ich bin zuversichtlich, dass es in fünf Jahren 1.000 gibt."

Skepsis unbegründet

Vor allem aber müssten die Motorenhersteller davon überzeugt werden, diesen neuen Weg mitzugehen. Denn nach den negativen wirtschaftlichen Erfahrungen, die sie mit der herkömmlichen Umrüsttechnik auf Erdgas gemacht hätten, herrsche doch eine gewisse Skepsis gegenüber dem Einsatz dieses umweltschonenderen Kraftstoffes in der Motorentechnik vor. Hilger: "Die ist aber völlig unbegründet."

Kontakt: Franz-Georg Elpers
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Tel. 0541/9633-521
Fax 0541/9633-198
E-Mail: fg.elpers@dbu.de

| ots

Weitere Berichte zu: DBU Kraftstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Zurück im Depot: AERO-TRAM schließt Messungen ab
13.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie