Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Logistics on Demand" - Basis für die sich selbst kontrollierende und reparierende Intralogistik

17.07.2006
Neuer Sonderforschungsbereich an der Universität Dortmund will
intralogistische Systeme flexibler, zuverlässiger und sicherer gestalten.
Als Schlüsselbranche für die gesamte Güterindustrie nimmt jetzt ein 25köpfiges Forscherteam an der Universität Dortmund, unterstützt durch die Universität Wuppertal, die deutsche Intralogistikbranche ins Visier: "Logistics on Demand" heißt ein soeben eingerichteter neuer Sonderforschungsbereich an der Universität Dortmund zur anforderungsgerechten Entwicklung neuer analytischer Methoden und Technologien für die Gestaltung und Organisation intralogistischer Systeme. Das Forscherteam um den Sprecher des Sonderforschungsbereichs 696, Prof. Dr. Horst-Artur Crostack, Lehrstuhl für Qualitätswesen, will - ausgehend von Methoden des Qualitätsmanagements und der Marktforschung - die methodische und technische Basis schaffen für flexible, auf Veränderungen automatisch reagierende, sich selbst kontrollierende und reparierende zuverlässige Intralogistiksysteme.

"Die Folgen fehlender Qualität in diesem Bereich, etwa enorme Produktionsausfälle durch kleinste Fehler, werden für Produktions- und Handelsunternehmen in Hochlohnländern wie Deutschland immer dramatischer", erklärt Prof. Crostack. Mit dem auf zwölf Jahre angelegten Forschungsprojekt der Grundlagenforschung soll die Lücke geschlossen werden zwischen den sich schnell verändernden Anforderungen (Demands), verursacht durch neue, beispielsweise "just in time"-/ "just in sequence"-Produktionskonzepte, exponentiell wachsende Datenaufkommen und neue Belieferungsformen einerseits und demgegenüber andererseits vergleichsweise unflexiblen, in Anschaffung, Betrieb und Instandhaltung aufwändigen Intralogistiksystemen.

Förder- und Lagertechnik, Automatisierungs-, Software- und Materialflusssysteme "made in Germany" bestreiten in Europa einen führenden Marktanteil (2002: über 50 %) und können sich bei den Umsätzen auf dem Weltmarkt deutlich vor den USA und Japan behaupten. Mit dem Schlagwort "Logistics on Demand" bezeichnen die Dortmunder Wissenschaftler einen offensichtlichen Trend in der Logistikbranche. Weil Unternehmen Wettbewerbsvorteile durch individuellere Produkte, schnellere Service- und Lieferzeiten erringen oder schwankende Auftragseingänge mit flexiblen Zulieferern kostengünstiger bewältigen als die Konkurrenz, müssen logistische Systeme als verbindende Glieder in der industriellen Produktionskette immer flexibler werden. Die Informationstechnik begünstigt diese Flexibilisierung.

Technische Anlagen wie etwa Fördersysteme, Antriebe, Sortierstraßen können dagegen nicht ohne Weiteres Schritt. "Das Projekt soll die Grundlagen schaffen für sinnvolle herstellerübergreifende Schnittstellen und Standards, mit denen logistische Systeme und Anlagen flexibler, störungsärmer sowie günstiger in Anschaffung, Inspektion, Wartung und Instandsetzung gestaltet werden können", erklärt Prof. Crostack, der sich sicher ist, dass "die Erkenntnisse dieses Sonderforschungsbereichs auch auf andere Industriebranchen ausstrahlen werden".

Drei Teilprojekte widmen sich der Schaffung von Grundlagen zur Erfassung, Gewichtung und datentechnischen Umsetzung der teilweise gegenläufigen Anforderungen von Herstellern, Instandhaltern und Anwendern an intralogistische Systeme. Fünf Teilprojekte entwickeln Methoden für die Umsetzung der systematisierten und ermittelten Anforderungen in das Design und die Auslegung intralogistischer Anlagen. Dabei stehen Fragen eines instandhaltungsgerechten Anlagendesigns, Antriebskonzepte intralogistischer Anlagen, Produktionssicherheit und Qualitätswesen für mechatronische Bauteile und Systeme im Mittelpunkt der Arbeiten. Parallel sollen zerstörungsfreie Prüfmethoden zur Zustandsüberwachung von Materialflusssystemen im laufenden Betrieb sowie Konzepte für deren automatisierte Instandhaltung entwickelt werden. So sollen neue analytische Methoden zur Berechnung der Dynamik komplexer Materialflusssysteme, echtzeitfähige Logistiksysteme, neue Werkzeuge für ein nutzungsabhängiges Instandhaltungsmanagement und nutzungsabhängige Simulationen zur antizipativen Veränderungsplanung den Betrieb und die Instandhaltung intralogistischer Systeme deutlich verbessern.

In Kürze soll ein Industriearbeitskreis eingerichtet werden, der die Forschungsarbeiten aus Sicht der Praxis begleitet. Weitere Informationen im Internet unter http://www.sfb-696.de oder über die Geschäftstelle des SFB 696 unter Telefon (0231) 9700-101 oder per E-Mail an sekretariat@sfb-696.uni-dortmund.de .

Für Rückfragen der Medien:
Universität Dortmund, Sonderforschungsbereich 696
Dr. Robert Refflinghaus, Telefon (0231) 9700-117, Telefax (0231) 9700-460, E-Mail: robert.refflinghaus@lqw.mb.uni-dortmund.de

Sabine von der Beck, vdB Public Relations,
Telefon (0209) 167-1248, Telefax (0209) 167-1249 , E-Mail: info@vdbpr.de

Hintergrundinformationen zum SFB 696 "Forderungsgerechte Auslegung von intralogistischen Systemen - Logistics on Demand", Universität Dortmund

Der Sonderforschungsbereich (SFB) 696 "Forderungsgerechte Auslegung von intralogistischen Systemen - Logistics on Demand" wurde im Juli 2006 an der Universität Dortmund eingerichtet, um analytische Methoden und Technologien zur anforderungsgerechten Gestaltung und Organisation intralogistischer Systeme zu entwickeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat für die ersten vier Jahre des auf insgesamt zwölf Jahre ausgelegten Sonderforschungsbereichs zusätzlich zu den universitären Eigenanteilen ein Budget von 5,5 Mio. Euro bewilligt. In fünfzehn Teilprojekten, von denen eines an der Universität Wuppertal durchgeführt wird, geht es darum, die heutigen und zukünftigen Anforderungen der Anwender, darunter auch den produktbegleitenden Service, stärker in den Mittelpunkt der Produktentwicklung intralogistischer Systeme zu rücken. Vision ist es, die methodische und technische Basis zu schaffen für flexible, auf Veränderungen automatisch reagierende, sich selbst kontrollierende und reparierende zuverlässige Intralogistiksysteme.

Drei Teilprojekte (A1, A3, D) widmen sich der Schaffung von Grundlagen zur Erfassung, Gewichtung und datentechnischen Umsetzung der teilweise gegenläufigen Anforderungen von Herstellern, Instandhaltern und Anwendern an intralogistische Systeme. Die Teilprojekte werden geleitet von Prof. Dr.-Ing. Horst-Artur Crostack, Sprecher des Sonderforschungsbereichs, Lehrstuhl für Qualitätswesen, und Dr.-Ing. Robert Refflinghaus, Geschäftsführer des Sonderforschungsbereichs und Mitglied des gleichen Lehrstuhls an der Fakultät Maschinenbau (A1, D) sowie Prof. Dr. Hartmut H. Holzmüller, Lehrstuhl für Marketing, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (A3).

Fünf Teilprojekte (B1 - B6) entwickeln Methoden für die Umsetzung der systematisierten und ermittelten Anforderungen in das Design und die Auslegung intralogistischer Anlagen. Prof. Dr.-Ing. Bernd Künne, Fachgebiet Maschinenelemente der Fakultät Maschinenbau, wird für ein instandhaltungsgerechtes Anlagendesign sorgen (B1) und gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. Stefan Kulig, Lehrstuhl für Elektrische Antriebe und Mechatronik der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, die Antriebskonzepte intralogistischer Anlagen optimieren (B2). Prof. Kulig zeichnet darüber hinaus auch gemeinsam mit der Wuppertaler Professorin Dr.-Ing. Petra Winzer, Fachbereich Produktionssicherheit und Qualitätswesen, für das anforderungsgerechte Design von mechatronischen Bauteilen und Systemen, beispielsweise Lichtschranken, Scannern und Elektronikkomponenten, verantwortlich (B3).

Dr. Ing. Reiner Zielke und Dr. Gottfried Fischer, vom Lehrstuhl Prof. Crostack, werden zudem zerstörungsfreie Prüfmethoden entwickeln, mit denen der Zustand von Materialflusssystemen im laufenden Betrieb überwacht werden kann (B4). Konzepte für die automatisierte Instandhaltung von Materialflusssystemen wird Dr.-Ing. Bernd Kuhlenkötter vom Institut für Roboterforschung, Industrielle Robotik und Handhabungssysteme entwickeln (B5).

Prof. Dr. Michael ten Hompel, Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen der Fakultät Maschinenbau und stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs 696, betreut zwei Projekte der vier Teilprojekte für die Entwicklung von Konzepten für den Anlagenbetrieb und die Instandhaltung (C1-C5) federführend, und zwar die Entwicklung analytischer Methoden zur Berechnung der Dynamik komplexer Materialflusssysteme (C1) sowie die Entwicklung echtzeitfähiger Logistiksysteme (C5). Zwei weitere Projekte - die Entwicklung von Werkzeugen für ein nutzungsabhängiges Instandhaltungsmanagement (C3) sowie die nutzungsabhängige Simulation zur antizipativen Veränderungsplanung logistischer Systeme (C4) - werden unter Federführung von Prof. Dr.-Ing. Axel Kuhn, Lehrstuhl für Fabrikorganisation der Fakultät Maschinenbau, sowie von Dr.-Ing. Gerhard Bandow, Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik, gemeinsam betreut.

Über eine zentrale Integrationsplattform, welche im Projektbereich D aufgebaut wird, werden die Anforderungen der einzelnen Stakeholder analysiert, den Lösungsmöglichkeiten gegenübergestellt und dann entsprechend ausgetauscht. Dieser Projektbereich (D) wird von Prof. Dr.-Ing. Horst-Artur Crostack geleitet, steht in extrem enger Verbindung mit allen anderen Teilprojekten des SFB und lebt von einem intensiven Datenaustausch.

Die zentrale Koordination und Verwaltung des Sonderforschungsbereichs (Z) übernimmt Dr. Refflinghaus, der als Geschäftsführer des SFB gemeinsam mit den Professoren Crostack, Holzmüller, Künne und ten Hompel den Vorstand des Sonderforschungsbereichs bildet.

Weitere Informationen: Dr. Robert Refflinghaus, Telefon (0231) 9700-117, Telefax (0231) 9700-460, Internet: http://www.sfb-696.de, E-Mail: robert.refflinghaus@lqw.mb.uni-dortmund.de

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-dortmund.de/
http://www.sfb-696.de

Weitere Berichte zu: Crostack Instandhaltung Refflinghaus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie