Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Miserables Zeugnis für öffentlichen Personennahverkehr

02.10.2001


Bahn frei für attraktiven öffentlichen Nahverkehr

Verkehrswissenschaftler fordern: Nicht gegen, sondern mit dem Auto

Zu wenige Kunden, eine zweifelhafte Umweltbilanz und auch noch ein schlechtes Image - die Projektgruppe Mobilität des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) stellt dem öffentlichen Personennahverkehr ein miserables Zeugnis aus. In einer soeben erschienenen Studie plädieren die Wissenschaftler dafür, die anstehende EU-weite Liberalisierung des Verkehrsmarkts für einen Kurswechsel zu nutzen. Die Verkehrsbetriebe müssten unternehmerische Kompetenz entwickeln und eine umfassende Dienstleistung anbieten, die als neues Element auch das Automobil mit einbeziehe.

"Busse und Bahnen sinnvoll zu kombinieren ist nur die Basisleistung", erklärt Weert Canzler von der WZB-Projektgruppe Mobilität, "Künftig kommen neue Bausteine hinzu - vor allem das Automobil." Das bisherige Konzept des öffentlichen Verkehrs stamme aus dem 19. Jahrhundert: große Busse und Bahnen auf festen Linien nach Fahrplan. Canzler: "Der heutige Kunde hat das ’Automobil im Kopf’. Er will von Haustür zu Haustür gelangen." Die Projektgruppe empfiehlt, Car Sharing in die Produktpalette der öffentlichen Transportunternehmen aufzunehmen.

Ernüchternd sind laut WZB-Studie die Zahlen zur Umweltwirkung. Die Umweltbilanz falle nicht mehr automatisch zugunsten von Bus und Bahn aus, wenn man die tatsächliche Auslastung zugrunde lege. Diese liege durchschnittlich erkennbar unter 20 Prozent - mit sinkender Tendenz. Die Studie sieht den öffentlichen Verkehr deshalb in einer "ökologischen Legitimationskrise". Canzler: "Der öffentliche Nahverkehr ist ein teures Vergnügen für die Gesellschaft mit zweifelhaftem Nutzen." Transferzahlungen in Milliardenhöhe an die lokalen und regionalen Verkehrsunternehmen "mit Gebietsschutz" lockten keineswegs mehr Fahrgäste an.

Die Wissenschaftler sehen deshalb die EU-Initiative zur Liberalisierung der Konzessionsvergabe für öffentlichen Verkehr durchaus positiv. Sie warnen allerdings, dass die deutschen Verkehrsanbieter dem Wettbewerb nicht gewachsen seien. Das Festhalten am behördlichen Schutz schränke die Anbieter zu sehr ein und gefährde damit Arbeitsplätze.

Den "Aufgabenträgern" - in der Regel den Kommunen - komme eine zentrale Rolle zu. Sie sollten nur Rahmenvorgaben formulieren. Wie das Verkehrsunternehmen die Aufgabe organisiere, welche Produkte es zu welchem Preis anbiete, verantworte es selbst.


Projektgruppe Mobilität, Kurswechsel im öffentlichen Verkehr - Mit automobilen Angeboten in den Wettbewerb, Berlin: edition sigma 2001, 106 S.


Weitere Informationen: Dr. Weert Canzler, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Telefon: 030/25 49 12 01,
E-Mail: canzler@medea.wz-berlin.de

Burckhard Wiebe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wz-berlin.de/

Weitere Berichte zu: Automobil Mobilität Personennahverkehr

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Bessere Verfügbarkeit, geringere Kosten: Sensoren überwachen den Zustand von Kränen und Staplern
08.08.2016 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Mehr Sicherheit in der Luftfrachtkette: Neues System setzt auf digitale Logistik mit Fingerabdruck
30.06.2016 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Im Focus: Künstliche Intelligenz ermöglicht die Entdeckung neuer Materialien

Mit Methoden der künstlichen Intelligenz haben Chemiker der Universität Basel die Eigenschaften von rund 2 Millionen Kristallen berechnet, die aus vier verschiedenen chemischen Elementen zusammengesetzt sind. Dabei konnten die Forscher 90 bisher unbekannte Kristalle identifizieren, die thermodynamisch stabil sind und als neuartige Werkstoffe in Betracht kommen. Das berichten sie in der Fachzeitschrift «Physical Review Letters».

Elpasolith ist ein glasiges, transparentes, glänzendes und weiches Mineral mit kubischer Kristallstruktur. Erstmals entdeckt im El Paso County (USA), kann man...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einsteins Geburtsstadt wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

23.09.2016 | Veranstaltungen

Industrie und Wissenschaft diskutieren künftigen Mobilfunk-Standard 5G auf Tagung in Kassel

23.09.2016 | Veranstaltungen

Fachgespräch Feste Biomasse diskutiert Fragen zum Thema "Qualitätshackschnitzel"

23.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Korallenthermometer muss neu justiert werden

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Doppel-Infektion macht Erreger aggressiver

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie