Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Autos - aber Kraftstoffverbrauch und Emissionen sinken

10.09.2001



Zahl der Pkw wächst bis 2020 von 44 auf bis zu 52 Millionen / Mehr Autos führen nicht zwangsläufig zu mehr Verkehr

Eine Sättigung des Pkw-Marktes in den nächsten 20 Jahren ist nicht in Sicht: Der Bestand der Fahrzeuge in Deutschland wird bis zum Jahr 2020 weiter steigen, von heute 43,8 auf dann 48 bis 52 Millionen Pkw. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Pkw-Markt-Studie der Deutschen Shell, die auf zwei Szenarien beruht. Die Gründe für den Anstieg der Motorisierung: Der Anteil der weiblichen und älteren Autofahrer nimmt kräftig zu. Im Jahr 2020 werden allein die Frauen bis zu 19,6 Millionen Autos besitzen, knapp 60 Prozent mehr als heutzutage. Besonders überraschend: Trotz des Auto-Booms geht es mit dem Kraftstoffverbrauch (minus 30 bis 40 Prozent) und den Schadstoffemissionen abwärts. Sparsame Neufahrzeuge mit einem Praxisverbrauch von durchschnittlich weniger als vier Liter je 100 km, abnehmende Fahrleistungen und neue Antriebskonzepte sorgen bis zum Jahr 2020 dafür, dass Ressourcen und Umwelt deutlich weniger beansprucht werden.

Eines der Shell Szenarien geht gar von einem Rückgang der Gesamtfahrleistungen aller in Deutschland zugelassenen Pkw aus - von heute 528 auf 494 Milliarden Kilometer in 2020. "Mehr Autos führen nicht zwangsläufig zu mehr Verkehr. Diese neue Perspektive sollte Anlass für eine differenzierte Betrachtung der individuellen Mobilität sein", erklärte Pieter Berkhout, Chef der Deutschen Shell, Hamburg, anlässlich der Vorstellung der Studie am 10. September in Berlin.

Shell zufolge entfallen auf den maximalen Bestandszuwachs von 8,5 auf 52,3 Millionen Autos 7,1 Millionen Fahrzeuge auf Frauen. Die Gruppe der Senioren mit Pkw, also der über 60jährigen Frauen und Männer, wächst ähnlich stark um 6,8 auf 15,2 Millionen Menschen. Die Folge: 2020 ist jeder dritte Autofahrer älter als 60 Jahre.

Diesel-Pkw gewinnen weiter an Bedeutung, denn der geringe Kraftstoffverbrauch, die Preisvorteile und der wachsende Fahrkomfort erhöhen die Nachfrage. Laut Shell Szenarien klettert der Dieselanteil am Fahrzeugbestand von heute rund 15 auf 30 bis 40 Prozent im Jahre 2020. Die Zukunft der alternativen Antriebsformen sieht Shell gemischt. Sie werden sich einen Anteil von drei bis zehn Prozent erobern. Das sind bis zu fünf Millionen Fahrzeuge.

Ganz oben steht die Brennstoffzellen-Technik. Doch die Brennstoffzelle wird den Verbrennungsmotor zunächst nur ergänzen. Otto- und Dieselmotoren, die noch erhebliche Optimierungspotentiale bieten, bleiben also für lange Zeit die Nr. 1 im Straßenverkehr.

Verbrauch, Fahrleistung und Emissionen im Sinkflug

Prägend ist der Trend zu sparsameren Pkw. Der Verbrauch von Neufahrzeugen liegt in 20 Jahren je nach Szenario im Durchschnitt zwischen 3,7 und 4,3 Liter, gegenüber 7,7 Liter im Jahre 2000. Die sparsamen Techniken wirken sich aber erst zeitlich verzögert auf den Gesamtverbrauch des Pkw-Bestandes aus, da die alten Fahrzeuge rund zwölf Jahre gefahren werden, bevor sie in der Schrottpresse landen. Die Shell Studie erwartet für das Jahr 2020 - je nach Szenario - einen durchschnittlichen Verbrauch der gesamten Flotte von 5,5 bis 5,8 Liter, gegenüber 8,5 Liter im Jahr 2000.

Abnehmen wird auch die Fahrleistung. Legten Pkw in den 60er Jahren über 16.000 km pro Jahr zurück, sind es heute nur noch 12.300 km. Der Abwärtstrend wird anhalten und sich auf 10.300 bis 11.300 km einpendeln. Ursache dafür ist die Motorisierung der Frauen und Senioren, die ihre Autos weniger nutzen; ferner nimmt der Anteil langer geschäftlicher Fahrten ab, die Nutzung des Pkw in der Freizeit aber zu. Darüber hinaus spielen Zweit- und Dritt-Pkw zukünftig eine größere Rolle - auch dies reduziert die Fahrleistung.

Mehr Autos bedeuten nicht mehr Emissionen. Auch zukünftig wird die Fahrzeugtechnologie voranschreiten und einen weiteren Rückgang der Schadstoffemissionen bewirken. Der Gipfel der Abgasemissionen (Benzol, Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid, Stickoxide sowie Dieselpartikel) wurde bereits Ende der 80er Jahre erreicht. Seitdem ist der Ausstoß um über 60 Prozent gefallen. In 20 Jahren dürfte der Schadstoffgipfel um rund 90 Prozent unterschritten sein.

Auch die durch die Verbrennung von Benzin und Diesel entstehenden Kohlendioxidemissionen werden zurückgehen. Shell zufolge fällt der Benzin- und Dieselkonsum im Individualverkehr um 30 bis 40 Prozent: Der sinkende Kraftstoffverbrauch und neue Antriebstechniken überkompensieren den Anstieg des Autobestandes.

Rainer Winzenried | ots

Weitere Berichte zu: Emission Kraftstoffverbrauch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht aCar - Der elektrische „Alleskönner“
21.08.2017 | Technische Universität München

nachricht Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb
21.08.2017 | Technische Universität Hamburg-Harburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie