Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TU Graz wird europäisches Tunnelbau-Kompetenzzentrum

30.08.2005


Raumressourcen unter der Erde
Carlos Bosch, Dragados


Verkehr unter der Erde: Die Erschließung des unterirdischen Raums bietet ungeahnte Möglichkeiten, die die Lebensqualität der Europäer weiter erhöhen sollen. Mit dem EU-Projekt "TUNCONSTRUCT" (Technology Innovation in Underground Construction) startet mit September das derzeit weltweit größte Projekt zum Thema Tunnel- und Tiefbau, an dem 41 Partner aus elf Mitgliedsländern der EU teilnehmen. Die Projektleitung für diese Forschungs-Großoffensive mit einem Projektvolumen von insgesamt 26 Millionen Euro liegt beim Institut für Baustatik der TU Graz.


Die Vision von einer Stadt ohne Autos, in der Feinstaub und störender Verkehrslärm unter die Erde verbannt sind, und wo Grünoasen und Freizeitparks den Menschen Erholung bieten, rückt ein Stück näher: Unter der Erde liegen riesige Raum-Reserven brach, die bis dato kaum genützt werden. Die Kosten, aber auch die Risiken des unterirdischen Bauens liegen dabei aber deutlich über jenen im Hochbau - Faktoren, die große Herausforderungen für ingenieurwissenschaftliche Forschungsarbeit im Bereich des Tiefbaus bieten. Die Europäische Union hat diese Chance, die Lebensqualität der Europäer entscheidend zu verbessern, erkannt: Im 6. Rahmenprogramm fördert sie insbesondere Forschungsprojekte, die rasch zu einer deutlichen Verbesserung der derzeitigen Situation führen können. Durch den Technologieschub will man gleichzeitig die europäische Bauindustrie außerdem an die weltweite Spitze bringen.

Gegen starke internationale Konkurrenz setzte sich der Projektantrag der TU Graz gemeinsam mit 41 europäischen Partnereinrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft durch. Mit dem EU-Großprojekt "TUNCONSTRUCT" (Technology Innovation in Underground Construction) startet mit 1. September 2005 nicht nur das größte Forschungsprojekt in der Geschichte der TU Graz, die Forschungsoffensive findet selbst international kein Pendant: Die Grazer Techniker koordinieren das Tunnelbau-Großprojekt mit einem Gesamtvolumen von 26 Millionen Euro und 41 Partnern aus ganz Europa federführend. "Die TU Graz wird damit europäisches Tunnelbau-Kompetenzzentrum und macht die steirische Landeshauptstadt so zur internationalen Tunnelbau-Metropole", zeigt sich TU-Rektor Hans Sünkel stolz über den Erfolg seiner Universität. "Ziel des Projekts ist es, durch Einsatz innovativer Technologie die Kosten und die Bauzeit für den Tunnel- und Kavernenbau wesentlich zu vermindern und die Sicherheit und Nachhaltigkeit zu erhöhen. Ich bin stolz, dass durch dieses weltweit größte Projekt die TU Graz zum Tunnelbau-Kompetenzzentrum wird", erklärt auch Landeshauptmann-Stellvertreter Leopold Schöggl.


Tunnelbaukompetenz "Made in Styria"

"Unsere Wissenschafter genießen im Tunnelbau seit vielen Jahren Weltruf. Wir werten es als erfreuliche Bestätigung, dass Europa bei dieser Forschungs-Großoffensive auf die Kompetenz von Professor Beer und seinen Mitarbeitern vertraut", freut sich auch Wolfgang von der Linden, Vizerektor für Forschung und Technologie der TU Graz. Zuletzt war der Baustatiker Beer im EU-Projekt "Virtualfires" an der Entwicklung von Simulations-Software zur Bekämpfung von Tunnelbränden federführend beteiligt. Unter der Schirmherrschaft des Grazer TU-Professors wurde ein "Werkzeug" entwickelt, mit dem Einsatzkräfte ausgebildet, aber auch bestehende Tunnels auf ihre Sicherheit überprüft werden können. Für "TUNCONSTRUCT" steuert das Land Steiermark eine Startfinanzierung von 83.000 Euro bei. "Darüber sind wir sehr froh", bedankt sich Projektleiter Gernot Beer. "So ist gewährleistet, dass wir wie vorgesehen mit September starten können ohne auf die Überweisung des Geldes aus Brüssel warten zu müssen." Als zweite steirische Universität ist die Montanuniversität Leoben Projektpartner. Die 40 weiteren Partnerinstitutionen finden sich in allen Teilen Europas von Schweden bis nach Griechenland. Neben dem mit der Projektleitung und Forschung betrauten Institut für Baustatik sind an der TU Graz außerdem die Institute für Felsmechanik und Tunnelbau sowie für Betriebswirtschaftslehre und Betriebssoziologie beteiligt.

Technologieschub für den Tunnelbau

Ein besonderer Schwerpunkt von "TUNCONSTRUCT" liegt auf der Errichtung von sicheren und kostengünstigen Tunnel-Lösungen für den Verkehr auf Straße und Schiene. "Verlegt man den Verkehr in Zukunft vermehrt unter die Erde, könnte sogar das Transitproblem für Österreich gelöst werden", ist Beer betont optimistisch. Für einen flächendeckenden Ausbau eines zweiröhrigen europäischen Tunnelsystems in Europa müssen in den nächsten fünfzehn Jahren etwa 2100 Kilometer Tunnel gebaut werden. Die Kosten für den Ausbau betragen rund 300 Milliarden Euro. "Um die geplanten Vorhaben rasch durchführen zu können, müssen Kosten und Bauzeit reduziert werden. Dazu ist es notwendig, alle Prozesse im Untertagebau zu optimieren", erläutert Projektleiter Gernot Beer. Die im Projekt entwickelten Prototypen werden an Tunnelbaustellen ausführlich getestet. Verschiedene Tunnelbetreiber und Bauträger - darunter auch die ÖBB - haben dazu ihre Unterstützung zugesagt.

Auch die Wartungs- und Instandhaltungskosten, die oft über die Lebenszeit eines Tunnels ähnlich hoch sein können wie die Baukosten, werden unter die Lupe genommen. Durch eingebettete Sensoren oder den Einsatz von Robotern soll hier eine wesentliche Kosten- und Zeitersparnis möglich sein: "Lange Sperren von Tunnels für Wartung und Instandsetzung könnten bald der Vergangenheit angehören. Statt Menschen werden Roboter in den Tunnel geschickt, die die anfallenden, mitunter gefährlichen Aufgaben schneller und effizienter erledigen", blickt Beer zuversichtlich in die Zukunft. Aufgabe des Instituts des Grazer Baustatikers ist es, effiziente Simulationsmodelle für den Tunnelbau zu entwickeln. Zuletzt leistete das Institut mit seinem Know-how im Rahmen des FWF-Forschungsschwerpunkts "Numerische Simulation im Tunnelbau" einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Methoden. Die genaue Kenntnis der geologischen Gegebenheiten ist für die Modellbildung unerlässlich: Das TU-Institut für Felsmechanik und Tunnelbau liefert die dazu notwendigen Daten aus der Praxis.

Sicherer und billiger Bauen

Entscheidende Einsparungen im Tunnelbau wollen die Forscher durch einen effizienten Datenaustausch auf der Baustelle und neu konzipierte Baumaschinen erreichen. Der Bauablauf selbst soll größtenteils automatisiert ablaufen, so dass sich Arbeiter auch nicht mehr im unmittelbaren Gefahrenbereich befinden müssen.

Im Rahmen des Großprojekts soll auch die erste europaweite Tunnelbau-Datenbank erstellt werden, die umfassende Informationen über alle Projektphasen bringen wird. Auf Knopfdruck sollen künftig alle relevanten Daten der europäischen Tunnels von der Planung bis zum Bau verfügbar sein. Ausgerüstet mit umfangreichem Datenmaterial und verbunden mit neuesten Visualisierungsmethoden wie etwa der "Virtuellen Realität" soll der Tunnelbauingenieur künftig mit Hilfe eines tragbaren Computers und eines Datenhelms jederzeit und überall einen umfassenden und raschen Überblick über alle benötigten Daten bekommen.

Imagebildung für das Bauingenieurwesen

"In der Gesellschaft hat die Bauindustrie häufig den Ruf einer mitunter umweltfeindlichen Low-Tech-Industrie. Wir möchten mit unserem Projekt aufzeigen, dass die Bauingenieurwissenschaften modernste Technologien nutzen und damit wesentlich zur Erhöhung der Lebensqualität für die Menschen beitragen können", rührt Beer die Werbetrommel für seine Disziplin.

Beer hofft künftig noch mehr Maturanten für das Bauingenieur-Studium begeistern zu können: Die im Projekt entwickelten Innovationen fließen an der TU Graz direkt in die Lehre ein, die universitäre Ausbildung ist damit am aktuellsten Stand der Entwicklung. Die TU Graz bietet das Studium des Bauingenieurwesens im Wintersemester 2005/06 erstmals als dreijähriges Bakkalaureats-Kurzstudium mit anschließendem Magisterstudium an.

Mag. Alice Senarclens de Grancy | idw
Weitere Informationen:
http://www.TUGraz.at

Weitere Berichte zu: Tunnel Tunnelbau Tunnelbau-Kompetenzzentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise