Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie kommt das Pflaster ins Krankenhaus?

30.07.2001


Universität Hannover entwickelt Konzept für zentrales Kliniklager

Wie kommt das Pflaster ins Krankenhaus und der Gips in die Klinik? Ein neues Projekt, das jährlich 1,7 Millionen Fahrkilo-meter spart und Verkehrsentlastung an sieben Klinikstandorten bringt, wurde vom Fachgebiet Lager- und Transportsysteme der Universität Hannover entwickelt. Seit Juni beziehen jetzt sechs Klinikstandorte des Klinikum Hannover und das Kinderkrankenhaus auf der Bult ihre Medizinprodukte sowie ihren Verwal-tungs- und Wirtschaftsbedarf aus einem Logistikzentrum. Das bedeutet Einsparungen von 30 Prozent bei den Logistikkosten. In einer 2800 Quadratmeter großen Halle der Firma Rhenus Logistics lagern Windeln, Plastikhandschuhe, Desinfektionsmittel, Pflaster und Verbandsmaterial abrufbereit, die individuell gepackt in Mehrwegbehälter täglich zu den sieben Kliniken ge-bracht werden. Die Stationen bestellen direkt per Fax oder Computer.

"Der Vorteil ist offensichtlich; hält jede Klinik ihr einiges Lager für diese Produkte vor, fahren täglich bis zu 40 Lieferanten die Klinik an, Verkehrsprobleme rund um das Klinikgelände sind programmiert", erklärt Prof. Dr.-Ing. Lothar Schulze, Leiter des Fachgebietes Lager- und Transportsysteme. Im Logistikzentrum kommt es zudem zu weniger Umweltbelastung, weil die Lieferanten Großpackungen anliefern können und nur einmal in der Woche das Lager, stellvertretend für die sieben Kliniken, anfahren. Ein bundesweit einmaliges Logistikprojekt haben die hannoverschen Forscher damit etabliert.

Vier Jahre dauerte die Entwicklung durch die Universität Han-nover und die Arbeitsgemeinschaft der beteiligten Krankenhäu-ser. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das durch den TÜV Energie und Umwelt GmbH, Köln, als Projekt-träger vertreten wird, förderte das Forschungsvorhaben "Verkehrsvermeidende Versorgungslogistik am Beispiel Krankenhäuser" mit mehr als 600 000 Mark über drei Jahre.

Das Forschungsprojekt ist für die Wissenschaftler noch nicht abgeschlossen, die Ergebnisse aus den Raum Hannover wer-den auch bewertet und im Herbst 2002 soll das Projekt mit ei-nem Handlungsleitfaden zur Etablierung von Logistikzentren in der Krankenhausversorgung beendet sein. Schulze: "In einem Umkreis von 50 Kilometern sind in unserem Bereich 40 Krankenhäuser. Unser Konzept ist ein offenes System, das heißt, es können sich weitere Krankenhäuser beteiligen. Je mehr mitmachen, desto geringer werden die Kosten je Teilnehmer." Schon jetzt sind es Krankenhäuser verschiedener Träger, aber auch Arztpraxen, Pflege- und Altenheime könnten sich noch an-schließen. "Ein weiterer Kostenfaktor ist das Personal in den klinikeigenen Lagern. Im Klinikum wurde es eingespart, jedoch gab es keine Kündigungen. Die Mitarbeiter sind an anderen Stellen eingesetzt worden", freut sich Schulze. Langfristig wer-den hier Einsparungen zu verbuchen sein.

Doch die Wissenschaftler haben bereits Zukunftsvisionen, um die Krankenhäuser noch wirtschaftlicher zu betreiben. "Wenn die Krankenhäuser erst bei der Auslieferung in das Krankenhaus die Ware bezahlen, so wie in der Autozuliefererindustrie, dann treten die Kosten auch wirklich erst beim Verbrauch auf und nicht eher", meint Dipl.-Ing. Roland Vogelsang, wissenschaftlicher Mitarbeiter, der das Projekt mitbetreut. Das "welt-weite Projekt der EXPO" ist in Fachkreisen bereits weit über die Grenzen Hannovers hinaus bekannt. "Mich erreichen immer wieder Anfragen zu diesem Vorhaben, in Kiel, Berlin und München haben wir ähnliche Aufgaben", sagt Schulze. Der Bundesvereinigung für Logistik war das Ergebnis der Forscher den "Preis für Logistik und Umwelt des Jahres 2000" wert.

Dipl.-Ing. Roland Vogelsang | Presseinformation Universität Ha

Weitere Berichte zu: Logistikzentrum Transportsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Oberleitungs-LKW: Option für einen umweltverträglichen Güterverkehr?
08.12.2016 | Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

nachricht Entlastung im Güterfernverkehr
08.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie