Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ÖPNV- und PKW-Nutzung in Bochum

04.07.2001




Trotz teurerer Preise und identischer Fahrzeiten nutzen Bochumer lieber das Auto als den ÖPNV.

Die Kosten spielen (noch) keine Rolle
RUB-Studie: ÖPNV- und PKW-Nutzung in Bochum

... mehr zu:
»Verkehrsmittel »ÖPNV

Gleiche Fahrzeiten, gravierende Preisunterschiede


Wann ist die Schmerzgrenze bei weiter steigenden Benzinpreisen erreicht? In Bochum scheinbar noch lange nicht, denn bei nahezu identischen Fahrzeiten, z. B. zur Arbeit, nutzen Bochumer Bürger lieber das Auto statt den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - und das, obwohl Strecken mit dem PKW erheblich teurer sind. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Arbeitseinheit Kognitions- und Umweltpsychologie (Leitung: Prof. Dr. Rainer Guski, Fakultät für Psychologie der RUB).

Bochumer führten Fahrtenbücher

An der Untersuchung nahmen 212 Bochumer Bürgerinnen und Bürger teil. Einziges Kriterium für die Teilnahme war, dass die Personen einen Führerschein haben und über einen PKW verfügen. In Bezug auf Alter, Familienstand, Einkommen und Ausbildung entsprach dieser Personenkreis in etwa dem Bochumer Durchschnitt, so dass sich die Ergebnisse der Studie zuverlässig auf die gesamte Bochumer Bevölkerung übertragen lassen. Die 212 Personen haben in einem persönlichen Interview Fragen beantwortet und über einen Zeitraum von vier Wochen ein Fahrtenbuch geführt. Hierin haben sie ihre Standardstrecken zur Arbeit, zu Freizeitzielen und zum Einkaufen protokolliert.

"Innere" und "äußere" Faktoren

Anhand der Interviews konnten die Bochumer Forscher die so genannten "inneren" Faktoren messen, die ausschlaggebend dafür sind, welches Verkehrsmittel eine Person benutzt - z. B. das Umweltbewusstsein. Zudem haben sie die "äußeren" Faktoren bestimmt: Aus den Angaben über das Auto, das ÖPNV-Ticket und die jeweilige Standardstrecke einer Person haben die Wissenschaftler errechnet, wie viel eine gefahrene Strecke mit dem PKW und dem öffentlichen Nahverkehr tatsächlich kostet. Fuß- und Radwege wurden bei der Studie nicht berücksichtigt.

Hohe PKW-Nutzung, hohe Preise

Drei Viertel der Befragten nutzen das Auto, um zur Arbeit zu fahren (77,1%), obwohl genau für diesen Weg der Preisunterschied zwischen PKW und ÖPNV am größten ist (10,37 DM für eine Fahrt mit dem PKW, 3,32 DM mit dem ÖPNV). Ein ähnliches Preisgefälle zeigt sich bei den Wegen zu Freizeitzielen, und hier ist der Anteil der PKW-Nutzer mit ca. 90 Prozent noch höher. Lediglich die Fahrt zum Einkaufen ist mit dem PKW genauso günstig wie mit dem ÖPNV, 93,7% der Befragten nutzen zu diesem Zweck ihr Auto.

Autofahrer sind kaum schneller

Die Zeitersparnis ist im Vergleich dazu minimal: Durchschnittlich vier Minuten schneller erreichen die Autofahrer ihren Arbeitsplatz gegenüber den ÖPNV-Nutzern (29,32 min. vs. 33,60 min.). Das gleiche Bild zeigt sich bei den Wegen zu Freizeitzielen (28,74 min. vs. 31,86 min.). Um zu ihrem Einkaufsziel zu gelangen, brauchen die Befragten mit PKW sogar zwei Minuten länger (12,37 min. vs. 10,04 min.). Dabei haben die Bochumer Forscher auch berechnet, dass der Weg zum Arbeitsplatz im Schnitt 16,4 Kilometer beträgt, zu Freizeitzielen 15,7 Kilometer und zum Einkaufen 3,3.

"Innerer" Faktor Umweltnorm

Das Umweltbewusstsein spielt eine zentrale Rolle bei der Entscheidung, welches Verkehrsmittel die Befragten wählen. Personen mit einer hohen Umweltnorm nutzen etwa zu 37 Prozent den ÖPNV, um zur Arbeit zu fahren, weil sie aufgrund ihrer persönlichen Einstellung auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zurückgreifen. Umgekehrt weisen Befragte mit einer niedrigen Umweltnorm auch geringe ÖPNV-Anteile auf, bei der Fahrt zum Einkaufen z. B. nur mit 3 Prozent.

Am Wissen hapert es

Die Bochumer pauschal zu Autofahrern abstempeln wollen die RUB-Forscher nicht. Immerhin zeigen ihre Ergebnisse, dass z. B. 30 Prozent der Befragten auch den ÖPNV nutzen, um zur Arbeit zu fahren, wenn diese Fahrt mit dem PKW teurer ist. Das Wissen um die tatsächlichen (höheren) PKW-Kosten und die nahezu identischen Fahrzeiten kann also bewirken, aus Kostengründen eher auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Diese Ergebnisse der Studie ließen sich einsetzen, um die Bürger gezielt zu informieren, damit sie umweltfreundliche Verkehrsmittel wählen. Einen Anfang haben die Psychologen der Ruhr-Uni schon gemacht: Alle Befragten erhielten eine Auswertung ihrer je individuellen Ergebnisse - und dürften daraus ein paar neue Erkenntnisse gewonnen haben.

Weitere Informationen
Dipl.-Psych. Claudia L. Preißner, AE Kognitions- und Umweltpsychologie, Fakultät für Psychologie der RUB, GAFO 02/380, Tel. 0234/32-22668, Fax: 0234/32-14308, E-Mail:  Claudia.L.Preissner@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Verkehrsmittel ÖPNV

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Gemeinsam unterwegs: Straßeninfrastruktur für konventionelle und hochautomatisierte Fahrzeuge
07.08.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Effizient und intelligent: So können Drohnen die Zustellung von Gütern planen
12.07.2017 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement

21.08.2017 | Informationstechnologie