Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spiegel gegen Turbulenzen

27.05.2004


Spiegel gegen Turbulenzen


Hinter Flugzeugen entstehen Luftwirbel, die für nachfolgende Maschinen vor allem bei Start und Landung gefährlich werden können. Künftig soll ein Messgerät an Bord solche Turbulenzen erkennen und den Piloten warnen.


Kernstück des neuen Sensors ist ein Laser, der den Luftraum vor dem Flugzeug abrastert. Die Lichtpulse werden gelenkt durch einen neuartigen, superleichten Präzisionsspiegel, der sich innerhalb von Sekundenbruchteilen beschleunigen und abbremsen lässt. Der Spiegel ist auf der Optatec vom 22. bis 25. Juni in Frankfurt am Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft Halle 3, Stand D 65 zu sehen.

Der Luftverkehr nimmt zu. Viele Luftstraßen sind bereits überlastet. Bei Starts und Landungen kommt es an großen Flughäfen regelmäßig zu Verzögerungen. Die Verkehrsdichte lässt sich jedoch nicht steigern, denn die Flugzeuge müssen bis zu sechs Meilen, das entspricht 11,1 Kilometern, Sicherheitsabstand halten. Nur so ist sichergestellt, dass das nachfolgende Flugzeug nicht in die »Wirbelschleppe« der vorausfliegenden Maschine gerät. Da ein Kontakt mit diesen Luftturbulenzen zum Absturz ganzer Flugzeuge führen kann, ist der Sicherheitsabstand reichlich bemessen – obwohl die Wirbelschleppe im Einzelfall vielleicht nicht mehr gefährlich wäre. »Wenn man die Position und das tatsächliche Ausmaß der Luftwirbel direkt messen könnte, ließe sich der Sicherheitsabstand an die tatsächlichen Gegebenheiten anpassen und verkürzen. Die Start- und Landefrequenzen auf Flughäfen könnten so erhöht werden«, sagt Thomas Peschel vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena.


Im EU-Projekt I-Wake – die Abkürzung setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen »Instrumentation« und »Wake«, also »Wirbelschleppe« – entwickelt Peschels Arbeitsgruppe zusammen mit acht Teams aus vier Ländern einen Sensor, der feststellen kann, wann die Luft ruhig genug ist für einen sicheren Start. Der optische Scanner zur Erkennung von gefährlichen Turbulenzen soll künftig an Bord von Verkehrsflugzeugen schnelle und zuverlässige Messergebnisse liefern. Derzeit wird der Prototyp an Bord einer Cessna getestet.

»Das Messprinzip ist relativ einfach«, erklärt Peschel: »Ein Laser schickt Pulse in den Luftraum vor dem Flugzeug, das Licht wird an Aerosolen oder Staubteilchen gestreut und von einem Detektor registriert.« Der Doppler-Effekt sorgt dafür, dass sich die Frequenz der Laserpulse verändert, je nachdem, ob sich die Staubpartikel auf den Strahl zu oder von ihm weg bewegen – ähnlich wie eine Polizeisirene heller klingt, wenn sich das Einsatzfahrzeug auf uns zu bewegt und tiefer, wenn es von uns weg fährt. Aus der Verschiebung der Wellenlänge des gestreuten Laserlichts kann eine Software innerhalb von Sekundenbruchteilen errechnen, ob die Luft nach einem Flugzeugstart noch turbulent oder bereits wieder ruhig ist.

»Für uns lag die Herausforderung bei der Geräteentwicklung darin, mit dem Laserstrahl den Luftraum vor dem Flugzeug in einer relativ hohen Frequenz abzurastern«, erinnert sich Peschel. »Man braucht für die Messapparatur einen relativ großen und steifen Hochpräzisionsspiegel mit einer Kantenlänge von 11 mal 15 Zentimetern, der sich in einer Sekunde siebeneinhalb Mal hin- und herbewegt. Die Kombination aus extremer Oberflächenqualität, großer Spiegelfläche und hoher Geschwindigkeit ist mit herkömmlichen, massiven Spiegeln nicht realisierbar, da die auftretenden Beschleunigungen Trägheitskräfte hervorrufen, die die optisch wirksamen Fläche verbiegen.«

Die Lösung der Fraunhofer-Ingenieure lautete: abspecken. Um die Masse zu minimieren, wurde die Aluminiumplatte durchlöchert, aus der der Spiegel durch Ultrapräzisionsdrehen gefertigt wird. Die Bohrungen verlaufen im Inneren, parallel zur Oberfläche und beeinträchtigen in keiner Weise die optischen Eigenschaften. Gleichzeitig bleibt auch die Rückseite des Spiegels als geschlossene Fläche zur Versteifung erhalten. »Auf diese Weise können wir einen Scanner-Spiegel herstellen, der die gewünschte optische Qualität und Steifigkeit liefert, gleichzeitig aber auch schnell beschleunigt und abgebremst werden kann«, resümiert Peschel.

Interessierte Journalisten sind herzlich eingeladen, den Stand der Fraunhofer-Gesellschaft auf der Optatec zu besuchen. Wir erwarten Sie in Halle 3 Stand 65. Für Terminabsprachen wenden Sie sich bitte an Annedore Munde 03641/807370.

Dr. Thomas Peschel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iof.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Luftraum Sicherheitsabstand Turbulenzen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Zurück im Depot: AERO-TRAM schließt Messungen ab
13.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie