Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Nebel lichten

20.04.2001


... mehr zu:
»Visualisierungs-System
Visualisierungs-System rekonstruiert Massenunfälle


Bei einer Massenkarambolage in dichtem Nebel sind im letzten Jahr auf der Autobahn A7 Würzburg-Fulda etwa 150 Fahrzeuge in einer Senke ineinander gerast. Die schreckliche Bilanz: zwei Menschen sind ums Leben gekommen, 70 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Autobahn glich nach Angaben von Helfern einem Trümmerhaufen.

Hinter dieser kurzen Meldung verstecken sich nicht nur tragische Einzelschicksale. Der Massenunfall markiert auch den Beginn eines langwierigen Prozesses. Geklärt werden müssen die Fragen der Schuld, der Schadensregelung und Haftung aller beteiligter Personen. Dazu ist es nötig, die komplizierten Abläufe kurz vor und während des Unfallgeschehens genau zu rekonstruieren. Dies ist wegen der großen Zahl der beteiligten Fahrzeuge für die Gutachter jedoch sehr schwer möglich - in Einzelfällen sogar unmöglich.

Den Ablauf eines Unfalls unter Einsatz von Computergraphik detailliert zu rekonstruieren und als dreidimensionale, interaktiv zu steuernde Computeranimation realitätsnah zu visualisieren, ist Forschern des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD gelungen. In einem Pilotprojekt mit der Autobahnpolizei Mühlhausen haben sie ein Visualisierungs-Systems entwickelt, das Gutachter in ihrer Arbeit effektiv unterstützt. Die Wissenschaftler simulierten am Computer auf Basis der Nebel-Massenkarambolage auf der A8 vom Herbst 1998, die sich im Bereich der Albhochfläche zwischen Stuttgart und Ulm ereignete und an der 124 Fahrzeuge beteiligt waren. Diese Art der optischen Unfalldarstellung ist bisher einzigartig in Europa und überzeugte Polizei und Gutachter gleichermaßen. Denn mit diesem Instrument lässt sich der Prozess der Unfallrekonstruktion nicht nur wesentlich vereinfachen und beschleunigen, sondern auch qualitativ verbessern. "Mit der Computersimulation wird automatisch auch die Plausibilität geprüft. Als Basis dienen alle Spuren, die Polizisten am Unfallort aufgenommen haben. Das hilft den Gutachtern, Fehler zu vermeiden", betont Christian Knöpfle, der Leiter des Projektes am Fraunhofer IGD.

Bislang führt die oft monatelange Untersuchung der Sachverständigen zu folgendem Ergebnis: Aktenordner voller Texte, die die Vorgänge beschreiben, ergänzt durch wenige Skizzen, die das Geschehen zu jeweils einem bestimmten Zeitpunkt wiedergeben. Aufgrund dieses Materials können Dritte den Unfallverlauf in der Regel nicht nachvollziehen, so dass ein Gerichtsverfahren die Fragen der Schuld und der Haftung nicht immer eindeutig klären kann. Eine wichtige Komponente des neuen Visualisierungs-Systems ist daher die Möglichkeit, die Abläufe vor und während des Unfalls als "Filmsequenzen" zeigen zu können. Damit können die Gutachter beispielsweise vor Gericht den Unfallverlauf eindeutig und verständlich darlegen, so dass die Schuldfrage geklärt und die Haftungsansprüche abgeleitet werden können.

Die Verkehrsdichte auf bundesdeutschen Straßen steigt stetig an. Es besteht ein großer Bedarf, Unfälle mittels dreidimensionaler Computersimulation zu rekonstruieren wie auch zu erforschen. Nur so lassen sich zum einen deren Ursache und Verlauf eindeutig klären. Zum anderen liefern die Ergebnisse wertvolle Hinweise, um mit geeigneten Maßnahmen solche tragischen Unfälle künftig zu vermeiden.
Die Forscher des Fraunhofer IGD werden ihr prototypisches Visualisierungs-System weiterentwickeln und zur Marktreife führen. Es soll zukünftig neben der Rekonstruktion auch in der Unfallforschung sowie für das Gefahren- und Sicherheitstraining von Polizei und Rettungsmannschaften eingesetzt werden.


Ansprechpartner:
Fraunhofer IGD Darmstadt
Christian Knöpfle
E-Mail: christian.knoepfle@igd.fhg.de
Telefon: 06151/155-122
Telefax: 06151/155-196

Bernad Lukacin | idw

Weitere Berichte zu: Visualisierungs-System

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Bessere Verfügbarkeit, geringere Kosten: Sensoren überwachen den Zustand von Kränen und Staplern
08.08.2016 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Mehr Sicherheit in der Luftfrachtkette: Neues System setzt auf digitale Logistik mit Fingerabdruck
30.06.2016 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

Folgenschwere Luftverschmutzung: Forum zur Chemie der Atmosphäre

28.09.2016 | Veranstaltungen

European Health Forum Gastein 2016 beginnt

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Wie Blockchain die Finanzwelt verändert

28.09.2016 | Wirtschaft Finanzen

Neue Plasmaanlage - Präzise und hoch entwickelte Chips

28.09.2016 | Physik Astronomie