Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Optimieren des Fremdenverkehrs

14.07.2003


»Touristen sind wie Heuschrecken auf Rädern«, soll der italienische Komiker Roberto Benigni einmal bissig gesagt haben. Tatsächlich ist der Fremdenverkehr auch in vielen deutschen Urlaubsgebieten nicht nur eine wichtige Einnahmequelle, sondern ein Problem: Das Gästeaufkommen ist über das Jahr gesehen ungleich verteilt und konzentriert sich auf wenige Sommermonate.



Beispielsweise verbucht die Region um den bayerischen Chiemsee pro Jahr rund drei Millionen Übernachtungen - 60 Prozent davon entfallen jedoch auf die vier Monate Juni bis September. Zudem überfordert der Tourismus vorwiegend Gemeinden, die nahe am See liegen. Im Auftrag der Regierung von Oberbayern untersuchte deshalb das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, wie sich das Gästeaufkommen zeitlich und geographisch besser verteilen lässt.



Zunächst analysierten die Wissenschaftler die Besucherzahlen der Region. »Wir haben dabei die Spitzen des Aufkommens bestimmt und in Zusammenhang mit den vorhandenen Kapazitäten gestellt«, erklärt Thomas Rauh vom IML-Projektzentrum in Prien am Chiemsee. Als Instrument, mit dem zu hohe Aufkommen umgelenkt werden sollen, entwickelten die Forscher die Chiemsee-Card. Noch liegt ihre Einführung wegen knapper kommunaler Kassen auf Eis. Doch dann können Besucher in Museen, Bädern oder bei Schifffahrtsbetrieben Bonuspunkte sammeln. Ab einem bestimmten Kontostand lassen sie sich gegen Sach- oder Erlebnisprämien eintauschen, wie beispielsweise ein exklusives Konzert auf Schloss Herrenchiemsee. Um die Touristenströme besser auf die Region zu verteilen, erhalten die Gäste bei Attraktionen abseits des Chiemsees mehr Punkte als bei häufig frequentierten Publikumsmagneten. In der Nebensaison füllt sich das Punktekonto zudem schneller als in der Hauptreisezeit. »Dieser Anreiz soll zur zeitlichen Nivellierung führen«, betont Rauh. »Da Senioren im Gegensatz zu jungen Familien weniger an die Ferienzeiten gebunden sind, müssen die Veranstaltungen passend gewählt werden.«

Die Karte soll jedoch nicht nur logistische Probleme mildern, sondern auch als Marketing-Instrument dienen. Die Kommunen binden die Gäste an ihre Region, erkennen ihre Vorlieben und können entsprechend Angebote machen. Womöglich werden ganz neue Zielgruppen erkennbar. »Je nach Ausbaugrad kostet ein solches System zwischen 250 000 und 500 000 Euro«, weiß Rauh. »Schon nach zwei Jahren kann sich diese Investition amortisiert haben. Langfristig wollen wir unser Konzept auch anderen Regionen anbieten.«

Dipl.-Kfm. Thomas Rauh | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.prien.iml.fhg.de

Weitere Berichte zu: Fremdenverkehr Gästeaufkommen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Wirtschaftlicher Betrieb von Oberleitungs-Lkw ist möglich – aber es gibt relevante Hürden
08.05.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften