Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flugverkehr: ganz entspannt im Stau

06.03.2003


Trotz Verspätung zufriedene Passagiere



Serviceleistungen am Boden zu erweitern kann für Fluggesellschaften zu einem bedeutenden Marketinginstrument werden - so der Kern einer vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) veröffentlichten Untersuchung. Die Sozialwissenschaftler Thomas Sauter-Servaes und Stephan Rammler entwerfen darin ein Konzept, wie Wartezeiten an Flughäfen für Reisende angenehm gestaltet werden können.

... mehr zu:
»Fluggesellschaft


Volle Warteräume, genervte Passagiere und Unsicherheit, wann das Warten zu Ende sein wird - Flugverspätungen sind keine Einzelfälle mehr, sondern normal. Auch in Zukunft wird das Verkehrsaufkommen im Luftraum zunehmen und zu Staus auf den Flughäfen führen. Die Zeiten der "vollständigen Pünktlichkeit" seien vorbei. Das meinen Stephan Rammler und Thomas Sauter-Servaes in ihrer Studie "Delaytainment an Flughäfen - Die Notwendigkeit eines Verspätungsservices und erste Gestaltungsideen". Die Aufenthaltszeit in Flughäfen werde steigen. Jetzt müsse es darum gehen, den Reisenden die Wartezeit so angenehm wie möglich zu gestalten.

Für die Untersuchung wurden Reisende und Angestellte eines Flughafens und von verschiedenen Fluggesellschaften befragt. Aus konkreten Reiseschicksalen und Beobachtungen entwickelten die Autoren Vorschläge, wie Airlines ihren Kunden das Warten leichter machen können. Sie sehen in diesen zusätzlichen Leistungen für etablierte Full-Service-Airlines einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Billiganbietern. Aus den Befragungen wurde deutlich, dass es den Reisenden besonders wichtig ist, frühzeitig und vor allem präzise über Verspätungen informiert zu werden. Die Wissenschaftler schlagen vor, dass die Aufenthaltsqualität in vier Bereichen gesteigert wird: Arbeiten, Essen und Trinken, Entspannung sowie sonstige Freizeitaktivitäten.

Um Geschäftsreisende, die unter besonders hohem Zeitdruck stehen, zufrieden zu stellen, empfehlen die Autoren zusätzliche Strom- und Telefonanschlüsse im Abflugbereich. Ein spezielles Catering in den Wartebereichen, so die Wissenschaftler, würde von den Kunden mehr geschätzt als die gängigen Gutscheine für überteuerte Geschäfte im Flughafen. Kleine Serviceleistungen wie ein Mineralwasserspender, ein erweitertes Zeitschriftenangebot und eine Espressomaschine werten die Atmosphäre in den Warteräumen auf und verkürzen die empfundene Zeit. Zusätzlich schlagen die Autoren vor, den Passagieren Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Diese können etwa virtuell durch Kopfhöreranschlüsse in den Sesseln geschaffen und über extra Ruhezonen mit Entspannungssesseln bis hin zu abschließbaren Einzelkabinen mit einer Liege und einem Arbeitsplatz ausgebaut werden. Flughafenbereiche, die bisher ausschließlich als Transferräume angesehen werden, müssten in Zukunft eine höhere Aufenthaltsqualität bekommen.

Bisher hätten Fluggesellschaften vor allem in die Unterhaltung der Passagiere im Flugzeug investiert. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass unangenehme Situationen wie Wartezeiten sechs mal länger empfunden werden, als sie tatsächlich dauern. Ein negatives Erlebnis am Anfang der Reise wie eine Verspätung mit schlechter Aufenthaltsqualität könne sich negativ auf den Rest der Reise auswirken. Denn dann suche der Reisende geradezu nach anderen Fehlern. Es müsse also im Interesse der Fluggesellschaften liegen, die Serviceleistungen am Boden zu optimieren und Wartezeiten so angenehm wie möglich zu gestalten.

Den Hauptgrund für die wachsende Zahl der Verspätungen sehen Sauter-Servaes und Rammler neben Technik, Wetter und Folgeverspätungen in den begrenzten Kapazitäten im Luftraum und am Boden. Durch neue Flugpläne komme es zudem zu einer zeitlichen Ballung der Flüge. Punkt-zu-Punkt-Verbindungen wurden eingestellt und durch Drehscheiben-Verbindungen nach amerikanischem Vorbild ersetzt. Die Reisenden werden aus allen Richtungen zu einem zentralen Flughafen befördert und reisen von dort zum eigentlichen Ziel weiter. Im Jahre 2015, so die Autoren, sei in Europa mit 220,4 Millionen Flugpassagieren zu rechnen, also mit doppelt so vielen wie 1998.


Thomas Sauter-Servaes und Stephan Rammler, Delaytainment an Flughäfen - Die Notwendigkeit eines Verspätungsservices und erste Gestaltungsideen, 77 S.
WZB-Bestell-Nr. FS II 02-112


Weitere Informationen

Thomas Sauter-Servaes, Institut für Land- und Seeverkehr, Technische Universität Berlin, T: 030/314 79828, tsauter@railways.tu-berlin.de
Prof. Dr. Stephan Rammler, Transportation Design, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig,
T: 030- 23624095, St.Rammler@hbk-bs.de oder Stephan.Rammler@web.de
Ingrid Hüchtker, Pressereferat, T: 030/25 49 15 10, huechtker@wz-berlin.de


Burckhard Wiebe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wz-berlin.de
http://skylla.wz-berlin.de/pdf/2002/ii02-112.pdf

Weitere Berichte zu: Fluggesellschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Wirtschaftlicher Betrieb von Oberleitungs-Lkw ist möglich – aber es gibt relevante Hürden
08.05.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften