Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Großer Schub" durch Transrapid von Berlin nach Warschau

24.02.2003


Aber Hessen hat Berlin im Blick auf Polen auf vielen Feldern der Zusammenarbeit längst abgehängt - Das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung und die Berliner Versäumnisse



BERLIN. "Ein Transrapid zwischen Berlin und Warschau könnte einen gewaltigen Schub auslösen," ist Hans Joachim Kujath, der stellvertretende Direktor des zur Leibniz-Gemeinschaft gehörenden Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner bei Berlin, überzeugt. Vor allem wirtschaftlich. Doch das wird ein Traum bleiben. Abgesehen von der EC-Bahnverbindung nach Warschau bewegen sich derzeitig lediglich Regionalzüge der Deutschen Bahn Richtung Westpolen mit 80 km/h. Für den engagierten Stadt- und Raumplaner Kujath zugleich ein Zeichen für verpasste Chancen im Blick auf die 2004 bevorstehende Osterweiterung der Europäischen Union (EU).

... mehr zu:
»Transrapid »Warschau »Westpolen


Kujath: "Leider werden in Berlin und Brandenburg die praktischen strategischen Optionen, die sich für eine Metropolregion in Grenzlage zu Osteuropa ergeben, von den politischen Akteuren bisher kaum gesehen und genutzt. Trotz aller Sonntagsreden über die Chancen der Osterweiterung." Dagegen habe das grenzferne Hessen den Berlinern und Brandenburgern bereits auf vielen Feldern den Rang abgelaufen. Schon in den neunziger Jahren habe sich Hessen um ein dichtes Netzwerk von Partnerschaften mit Wirtschaftskammern, Wirtschaftsförderungsstellen, Messegesellschaften, Flughäfen und Wojewodschafts-Ämtern (Verwaltungen der Regierungsbezirke) in allen großen Städten Polens bemüht.

Das gilt nicht zuletzt für Poznan (Posen), wo es seit 1996 ein Kooperationszentrum Hessen-Polen gibt. Für Hans Joachim Kujath steht fest: "Frankfurt/Main und nicht Berlin profiliert sich derzeit zu einer Drehscheibe für Osteuropa." Und das, obwohl Westpolen eigentlich nach Berlin schaue und sich große Hoffnungen mache, dort Abnehmer für seine Produkte zu finden. Immerhin handelt es sich bei Berlin-Brandenburg-Westpolen um eine Region von rund acht Millionen Menschen - "größer als mancher Mitgliedsstaat in der EU" (Kujath).

Woran liegt es, dass sich Berlin und Brandenburg so wenig um ihre Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Westpolen kümmern? Zum einen, weil Flughafen und Messe in Frankfurt intakt sind, in Berlin aber kränkeln, gibt der stellvertretende IRS-Direktor zu bedenken. Dazu kommt, dass Berlin und Brandenburg vor allem mit den eigenen Problemen beschäftigt seien und sie offensichtlich keine Kraft für das Morgen hätten - im Gegensatz zu den anderen großen Städten und Regionen, die längst ihre europäischen Nachbarn fest im Blick haben. Von München bis Hamburg, von Frankfurt bis Düsseldorf, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Auch in der Bevölkerung gibt es nach wie vor manche Vorbehalte gegenüber dem künftigen EU-Land Polen, wobei die positiven Aspekte aus der Sicht Kujaths meist viel zu kurz kommen. Berlin-Brandenburg-Westpolen müsse endlich als eine Zukunftsregion begriffen werden, die viele Chancen in sich berge. Keineswegs nur wirtschaftliche. Und was spricht aus Berliner Sicht dagegen, etwa die Hafenstadt Stettin auch als Hafenstadt der deutschen Hauptstadt zu nutzen? Allerdings sind dazu mehr Visionen als Ängste, mehr Bereitschaft zum Wagnis als Furcht vor dem Risiko und nicht zuletzt Investitionen notwendig.

Gleichzeitig muss Berlin mehr als bislang seine Stärken ins Spiel bringen, ist Hans Joachim Kujath überzeugt. Dazu zählen aus seiner Sicht sowohl der Wissenschafts- und Forschungsstandort als auch das Dienstleistungszentrum Berlin. Während die Westpolen sich durch ein großes Interesse an Berlin auszeichnen, haben die Berliner weniger Interesse an Posen oder Stettin. Nur wenn sich das ändere und man Berlin-Brandenburg-Westpolen als europäische Großregion mit ihren großen wirtschaftlichen und kulturellen Chancen begreife, würde die Bundeshauptstadt aus der Sicht des IRS-Forschers Kujath besonders stark profitieren. Viel Zeit bleibe nicht mehr.

Am 27. und 28. Februar veranstaltet das IRS in seinem Institut in Erkner eine Fachtagung unter dem Thema "Knoten im Netz - Zur neuen Rolle der Metropolregionen in der Dienstleistungswirtschaft und Wissensökonomie." Informationen unter Tel. 03362 - 7930.

Kontakt:

Dr. Frank Stäudner
Tel: 030 - 206049-42
Fax: 030 - 206049-55
E-Mail: staudner@wgl.de

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.wgl.de
http://www.irs-net.de

Weitere Berichte zu: Transrapid Warschau Westpolen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Wirtschaftlicher Betrieb von Oberleitungs-Lkw ist möglich – aber es gibt relevante Hürden
08.05.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette
25.04.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie