Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunft des Car-Sharing in Deutschland - Ein neues Forschungsvorhaben des Wuppertal Instituts

13.02.2003


In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt macht das Wuppertal Institut die Zukunft des Car-Sharing in Deutschland zum Thema. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen, wie die längerfristigen Chancen der derzeit von großen Car-Sharing-Anbietern verfolgte Expansion des Konzeptes "organisiertes Autoteilen" abzuschätzen sind.



Dabei wird entsprechend der Orientierung des Institutes auf Nachhaltigkeitsfragen vor allem die Frage untersucht, wie sich - sollte die angestrebte Marktausweitung gelingen - die heutige grundsätzlich positive ökologische Bilanz von Car-Sharing erhalten lässt.



In dem von Ernst Ulrich von Weizsäcker, dem Gründungspräsidenten des Wuppertal Instituts, Mitte der 90er Jahre formulierten Konzept "Faktor vier: Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch" stellt Car-Sharing eines der Modelle für umweltschonende Güter und Dienstleistungen dar. Durch die Nutzung von Gemeinschaftsautos anstelle eigener Automobile werden nicht nur Fahrzeuge eingespart, die Mitglieder fahren insgesamt auch insgesamt weniger Kilometer als mit eigenen Autos. Der Energieverbrauch und die ökologisch belastenden Emissionen können dadurch deutlich reduziert werden.

Car-Sharing gilt als wichtige ökologische Alternative zum eigenen Auto in dem ansonsten die Umwelt zunehmend belastenden Verkehrsbereich. Verschiedene Anbieter wurden inzwischen mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" ausgezeichnet. Allerdings liegen bisher die Kundenzahlen trotz der Zuwächse in den letzten Jahren noch weit unter den erhofften Potenzialen.

In jüngster Zeit zeichnet sich ein Wandel des Car-Sharing-Systems ab. Große Anbieter wie die Deutsche Bahn wollen ein modernes, technisch hochwertiges Angebot aufbauen und mit einem professionellen Marketing verbinden. Vor allem durch den Einsatz von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sollen Car-Sharing-Fahrzeuge zukünftig fast so flexibel nutzbar sein wie das eigene Auto. Auf der Nachfrageseite wird eine Marktöffnung angestrebt; angesprochen werden sollen möglichst viele Kunden außerhalb der stark ökologisch motivierten "Pionier-Milieus".

"Wenn die neuen Angebotsstrategien erfolgreich sind", so Georg Wilke, "könnte das allerdings die bisher uneingeschränkt positive Öko-Bilanz von Car-Sharing verändern. Car-Sharing-Fahrzeuge könnten dann von Neukunden verstärkt für zusätzliche Automobilität genutzt werden: Etwa als günstiger ’Zweitwagen’, den man nicht hat und den man auch nicht anschaffen würde, als ’Fun-Fahrzeug’ in der Freizeit, oder - womit übrigens schon geworben worden ist - um einfach mal ein anderes als das gewohnte eigene Auto zu fahren. Zu beobachten ist auch, dass immer mehr große, mit viel Komfort ausgestattete und damit weniger verbrauchsarme Fahrzeuge in die Flotten gestellt werden, um stärker als bisher auch Geschäftskunden anzusprechen. Die Auswirkungen dieser Veränderungen wollen wir erforschen."

Den zweiten Schwerpunkt der Untersuchung bildet das Car-Sharing für Geschäftskunden, die von den Car-Sharing-Organisationen neuerdings vermehrt mit besonderen Business-Angeboten umworben werden. Derzeit greifen Betriebe vorwiegend auf ihnen vertraute Produkte wie den Firmenwagen oder den Mietwagen zu. Ende 2001 kamen lediglich rund 10 % der Nutzungsberechtigten aus Unternehmen, Behörden und Non-Profit-Organisationen. Auch für die Forschung ist Car-Sharing für Geschäftskunden weitgehend Neuland. Inwieweit mit den absehbaren technischen und strategischen Innovationen von Car-Sharing eine deutlichere Ausrichtung auf den Geschäftskundenmarkt mit steigenden Kundenzahlen zu erwarten ist und wie die ökologischen Effekte sein werden, soll untersucht werden.

Die Ergebnisse der geplanten Untersuchungen und umfangreichen empirischen Erhebungen, sollen für Deutschland hochgerechnet und zu Szenarien (Zeithorizont 2020) verdichtet werden. Die Szenarien sollen auch die voraussichtliche Verkehrsentwicklung abbilden und damit zeigen, welchen Stellenwert Car-Sharing vor diesem Hintergrund zukünftig sowohl in verkehrlicher als auch in ökologischer Hinsicht vermutlich haben wird.

"Wir wissen", so Projektleiter Georg Wilke, "dass dieser Versuch, in die Zukunft zu blicken, methodisch schwierig ist und natürlich keine Vorhersage sein kann. Mit unseren Untersuchungen möchten wir denkbare Entwicklungspfade und Zukünfte von Car-Sharing aufzeigen. Wir hoffen, damit einen Beitrag zur Verbesserung der Grundlagen für künftige verkehrs- und umweltpolitische Entscheidungen im Car-Sharing-Bereich leisten zu können."

Das bis Mitte 2005 laufende Projekt, das sich auf die städtischen Verdichtungsräume konzentriert, wird zusammen mit Partnern von verschiedenen Universitäten bearbeitet. Dem Forschungsteam ist ein Beirat aus Vertreterinnen und Vertretern von Car-Sharing-Anbietern, Forschungs- und Verkehrsministerium und verschiedener Verbände zur Seite gestellt.

Ansprechpartner:
Georg Wilke
Tel. 0202 - 2492-211
Email: Georg.Wilke@wupperinst.org

Dorle Riechert | idw
Weitere Informationen:
http://www.wupperinst.org/Projekte/Verkehr/v20.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Verkehrsmanagement in Ballungsgebieten
08.12.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?
24.11.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie