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Gefahrstofffreisetzung in U-Bahn - System verbessert Reaktion - 3,2 Millionen Euro-Projekt "OrGaMIR" gestartet

13.03.2008
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Universität Paderborn bei Entwicklung innovativer Lösungen zur Verbesserung der zivilen Sicherheit:

Im Rahmen des ersten nationalen Sicherheitsforschungsprogramms im Themenfeld "Schutz von Verkehrsinfrastrukturen" erarbeitet ein von der Arbeitsgruppe Computeranwendung und Integration in Konstruktion und Planung (C.I.K.) der Universität Paderborn geführtes Konsortium aus Endanwendern, Industrie und Universitäten eine Lösung zur Verbesserung der Reaktion nach einer Gefahrstofffreisetzung in U-Bahnen.

Kontakt: Dipl.-Ing. Marco Plaß, Tel.: 05251-60-2227, m.plass@cik.uni-paderborn.de. Internet: www-cik.upb.de.

Millionen Menschen benutzen regelmäßig U-Bahnen und halten sich dabei nahezu täglich und meist mehrfach innerhalb von Stationen, deren Ein- und Ausgangsbereichen sowie Verbindungstunneln auf. Die hohe Frequentierung von U-Bahnen als modernes Massentransportmittel und die große Anzahl von Personen auf beschränktem Raum besonders zur Hauptverkehrszeit machen das Gefährdungspotential bei Unfällen oder Bränden deutlich.

Die größte Herausforderung für die Selbstrettung der Betroffenen und Rettungsoperationen der Hilfskräfte ist der Zugang zum Einsatzort. Optimale Lösungsmöglichkeiten oder Systeme, die es ermöglichen, sofort einschätzen zu können, welche Flucht- und Rettungswege nutzbar und nicht kontaminiert sind, sind in der aktuellen Gefahrensituation meist nicht vorhanden.

Um diese Situation zu verbessern, entwickelt ein Konsortium unter Führung des C.I.K. ein System, das die Beurteilung der vorherrschenden und der voraussichtlichen Verbreitung eines gefährlichen Stoffes in U-Bahn-Systemen ermöglicht. Aus der Kenntnis des Ausbreitungsverhaltens werden zielgerichtet Anweisungen und Hinweise für Fahrgäste, Feuerwehren, Rettungskräfte und Betreiberorganisationen abgeleitet.

Fahrgäste, die während der Selbstrettungsphase das U-Bahn System verlassen können, müssen im Nachgang nicht gerettet werden. Daher leitet das OrGaMIR-System im Notfall die Fahrgäste z. B. mit Durchsagen und optischen Signalen zu sicheren und nicht kontaminierten Ausgängen.

Um eine Erhöhung der Anzahl von Betroffenen und die unkontrollierte weitere Ausbreitung des Gefahrstoffs zu vermeiden, können Fahrdienstleiter auf Basis von OrGaMIR-Informationen frühzeitig den Fahrbetrieb einstellen oder sogar Züge aus dem betroffenen Bereich zurückziehen. Darüber hinaus verbessert und beschleunigt OrGaMIR die Reaktion der Rettungskräfte und Feuerwehr durch Handlungshinweise aus Lageinformationen wie Ausbreitungsverhalten und Stoffart.

Das neue System soll auch bei terroristischen Anschlägen auf U-Bahnen, wie sie z. B. in Tokio, London und Madrid stattgefunden haben, zum Einsatz kommen. Da die Gefährdungslage vergleichbar ist, stehen Betroffene vor ähnlichen Problemen und benötigen die gleiche Unterstützung wie bei Gefahrstoffunfällen und Bränden.

Nach den von der EU geförderten Projekten "Virtual Fires" und "SHARE", den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekten "SAFeR" und "Güter" sowie dem BMWi Projekt "Mobis Pro" (Infos im Internet: www-cik.upb.de) baut das C.I.K. damit seine Kompetenzen auf dem Forschungsgebiet der Notfallvorsorge und des Katastrophenschutzes weiter aus.

Von dem genehmigten Projektvolumen in Höhe von 3,2 Millionen Euro entfällt ein Großteil auf den Projektkoordinator Universität Paderborn. Zu den weiteren neun Konsortiumsmitgliedern zählen eine Feuerwehr und eine Betreibergesellschaft als Endanwender, die Universitäten Bochum und Jena und mehrere Industrieunternehmen mit dem Hauptintegrationspartner Indanet GmbH aus München und dem U-Bahn Bauer Ed. Züblin AG. Die aus dieser Zusammenarbeit von Forschung, Wissenschaft und Praxis entstandenen, zukunftsweisenden Lösungen sollen den Forschungsstandort Paderborn im bundes- und europaweiten Vergleich stärken.

Tibor Werner Szolnoki | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-paderborn.de

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