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Arbeitszeitregelungen für Fernfahrer und Straßenverkehrssicherheit

27.08.2013
Müdigkeit im Straßengüterverkehr kann leicht zu Unfällen mit erheblichem Schaden und Todesfällen führen.

Um die Straßenverkehrssicherheit zu verbessern, haben Regierungen in den letzten Jahren weltweit strengere Regelungen zu Lenk- und Ruhezeiten von Berufskraftfahrern verabschiedet.


Sekundenschlaf-Unfall am Diedenbergen
Quelle: http://www.vdstra.de

Oftmals ist jedoch nicht klar, welchen Einfluss genau diese Regelungen auf die Straßenverkehrssicherheit haben. Asvin Goel, Professor für Internationale Logistik an der Jacobs University, und Thibaut Vidal, Wissenschaftler am MIT, USA und am CIRRELT in Kanada, haben nun einen Algorithmus entwickelt, mit dem sie die Auswirkungen der Regelungen in verschiedenen Ländern analysieren und vergleichen können.

„Die Regelungen zu Lenk- und Ruhezeiten von Berufskraftfahren sind oft sehr komplex und unübersichtlich. Das verkompliziert den Alltag für Fahrer, die sich daran halten müssen und es erschwert die Analyse der Auswirkungen von gesetzlichen Regelungen auf Betriebskosten und Straßenverkehrssicherheit, “ so Asvin Goel. Normalerweise müssen Kraftfahrer in Europa nach 9 Stunden Lenkzeit eine ununterbrochene Ruhezeit von 11 Stunden einhalten. Es gibt allerdings auch ergänzende Bestimmungen, die es möglich machen, Ruhezeiten aufzuteilen und die tägliche Lenkzeit auf 10 Stunden zu erhöhen, bei gleichzeitiger Reduktion der Ruhezeit auf nur 9 Stunden. Asvin Goel hat die Regelungen zur Straßenverkehrssicherheit erfolgreich in einem mathematischen Modell dargestellt und zusammen mit Thibaut Vidal die Auswirkungen der Regelungen auf Betriebskosten und Unfallrisiko in Europa, Nordamerika und Australien in einer Studie untersucht.

„Unsere Experimente zeigen, dass Transportunternehmen, die nur die Basisregelungen der EU ausnutzen, das weltweit niedrigste Unfallrisiko haben. Um jedoch wettbewerbsfähig zu bleiben und Kosten zu reduzieren müssen diverse Zusatzbestimmungen ausgereizt werden. Das Unfallrisiko steigt dann auf ein Niveau vergleichbar mit dem in den Vereinigten Staaten, wo Kraftfahrer täglich bis zu 11 Stunden ohne eine Ruhepause fahren dürfen. Man kann sich die Frage stellen, ob es auch bei Einführung der derzeit getesteten Lang-Lkw sinnvoll ist, ein erhöhtes Unfallrisiko durch Ausnutzung aller Bestimmungen der Lenk- und Ruhezeitenregelungen in Kauf zu nehmen“ so Asvin Goel. In ihren Untersuchungen konnten Goel und Vidal zudem zeigen, dass die kanadischen Regelungen weltweit zu den geringsten Transportkosten führen, jedoch auch zu einem deutlich erhöhten Unfallrisiko. Die australischen Gesetze führen zu einem unnötig hohen Unfallrisiko, welches nicht durch eine gesteigerte betriebliche Effizienz gerechtfertigt werden kann.

Der von Goel und Vidal entwickelte Algorithmus kann auch von Transportunternehmen genutzt werden, um Tourenpläne automatisch so zu generieren, dass Transportkosten minimiert werden und sichergestellt wird, dass die Fahrer genug Zeit für Pausen und Ruhezeiten haben. In vergleichenden Experimenten wurde nachgewiesen, dass der neu entwickelte Algorithmus alle bisherigen Verfahren übertrifft und zudem für unterschiedliche Regelungen verwendet werden kann. Transportunternehmen können somit bei Verwendung des Algorithmus gleichzeitig Kosten und Unfallrisiko minimieren.

Fragen beantwortet:
Asvin Goel | Professor of International Logistics
Email: a.goel@jacobs-university.de
Tel.: +49 421 200-3086
Fax: +49 421 200 3078
web: https://www.jacobs-university.de/ses/distributionlogistics

Judith Ahues | idw
Weitere Informationen:
http://www.jacobs-university.de
http://transci.journal.informs.org/content/early/2013/07/30/trsc.2013.0477.abstract

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