Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Andockprinzip

12.01.2009
Wie durch kluge Logistik die Straßen entlastet und Waren zuverlässiger transportiert werden

Die Fakten sprechen für sich. Im Jahr 2007 wurde bereits die Menge an Waren transportiert, die erst für das Jahr 2015 prognostiziert worden ist. Und bis zum Jahre 2015 wird sich der Containerumschlag in den deutschen Nordseehäfen nach Schätzungen vieler Experten im Vergleich zum Jahr 2007 noch verdoppelt haben.

"Damit wird die bestehende Infrastruktur weltweit vor gewaltige Herausforderungen gestellt", sagt Professor Frank Straube, Leiter des Fachgebietes Logistik am Institut für Technologie und Management der TU Berlin.

"Mit der stetig wachsenden Arbeitsteilung geht einher, dass ein Computer heutzutage rein rechnerisch zweimal die Erde umrundet hat, bevor er den Verbraucher erreicht", beschreibt Frank Straube die Begleitumstände der Globalisierung. Vor dem Hintergrund, dass die Weltbevölkerung schon bald neun Milliarden Menschen - also neun Milliarden Konsumenten - zählen wird, ginge es darum, weltweite interkontinentale Transportnetzwerke für die verlässliche Beförderung von Waren zu gestalten.

Daran forschen Frank Straube und seine Kollegen. Im Innovationszentrum für Verkehr und Logistik, welches von der Deutsche Bahn AG gefördert wird, suchen sie gemeinsam mit den Akteuren des maritimen Transportnetzwerkes - Häfen, Reedereien, Spediteure, Eisenbahnunternehmen und Händler - nach Lösungen, wie die bestehende Infrastruktur effizienter genutzt werden kann. "Besonders Engpässe bei den Stell- und Krankapazitäten an der Schnittstelle zwischen Seehäfen und deren Hinterlandregionen müssen überwunden werden", sagt Roman Grig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Innovationszentrum.

Ein vielversprechender Ansatz, um Kapazitätsengpässe zu vermeiden, ist ein früherer Austausch von Informationen entlang der gesamten Transportkette. Dieser Ansatz ist jedoch wegen der Komplexität der Wege und der Vielzahl der Akteure mit ihren unterschiedlichen Interessen nicht immer leicht zu vermitteln. Erste Untersuchungen zeigen allerdings: Je früher die Informationen ausgetauscht werden - also noch vor Ankunft des Schiffes - desto verlässlicher kann die Transportkette organisiert werden.

Oftmals entscheidet ein Händler erst nach Ankunft des Schiffes im Hafen - also sehr spät - in welche Region die Ware verschickt werden soll. "Ideal wäre es, wenn die Informationen über das Ziel eines Containers und auf welchem Wege er dorthin gelangen soll, rechtzeitig vorlägen, um den Transport besser planen zu können", sagt Roman Grig. Immer noch kommt es zu langen Liegezeiten der Container in den Häfen, die doch eigentlich ein Umschlag- und kein Lagerplatz sein sollten.

Bunt gewürfelt gehen die Container per Shuttlezug vom Überseehafen Rotterdam zum Binnenhafen in Duisburg

"In Zukunft wird die Bedeutung von Binnenhäfen wachsen, vor allem wird die trimodale Anbindung eines Binnenhafens - also sowohl an Binnenwasserstraßen als auch an das Straßennetz und die Schiene - an Bedeutung gewinnen", prognostizieren Frank Straube und Roman Grig. Dann wird es für eine bestimmte Containermenge nicht mehr nötig sein, Container im Überseehafen nach ihrem Zielort zu sortieren. Sie könnten "bunt gewürfelt" mit hochfrequenten Shuttlezügen zu den wenigen leistungsstarken Drehscheiben im Hinterland gebracht und von dort aus verteilt werden. Solche Satellitenbinnenhäfen würden sozusagen mittels Bahn und Binnenschiff an die großen Überseehäfen angedockt und trügen dazu bei, sowohl die Seehäfen zu entlasten als auch die Autobahnen. Der Binnenhafen in Duisburg zum Beispiel funktioniert nach diesem Prinzip und ist mit dem Überseehafen Rotterdam durch Shuttlezüge verbunden.

"Jüngste Untersuchungen belegen, dass die Kunden zunehmend auf Zuverlässigkeit bei der Zustellung setzen, weniger auf unbedingte Schnelligkeit", erläutert Frank Straube. Daher sei es unabdingbar für die künftige maritime Transportlogistik, die Informationstechnik aller beteiligten Akteure zu vernetzen, so dass bereits vor dem Löschen einer Schiffsladung deren Weitertransport geplant werden kann.

"Darüber hinaus müssen die Arbeitszeiten angepasst werden", erklären die Wissenschaftler. Wenn etwa die Lagerwirtschaft des Handels und der Industrie fünf Tage in der Woche von 6 bis 18 Uhr arbeitet, die Häfen jedoch rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche Ware umschlagen, dann sind Engpässe programmiert. Auch die Lösung dieses Problems gehört zum ganzheitlichen Ansatz, Seehäfen und Hinterlandregion klug zu vernetzen, um die wachsenden Warenströme beherrschen zu können - und zwar weltweit.

4464 Zeichen

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Prof. Dr. Frank Straube, Institut für Technologie und Management der TU Berlin, Fachgebiet Logistik, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-22877, Fax: -29536, E-Mail: sekretariat@logistik.tu-berlin.de, und Dipl.-Ing. Roman Grig,

Tel.: -24568, Fax: -25992, E-Mail: grig@logistik.tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.tu-berlin.de/?id=51152
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Augmented Reality in der Logistik: Packen mit der Datenbrille
02.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik

nachricht Aus dem Labor auf die Schiene: Forscher des HI-ERN planen Wasserstoffzüge mit LOHC-Technologie
19.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics