Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alles unter Kontrolle – Energieautarke RFID-Transponder in der Logistik

26.11.2015

Für Logistikunternehmen ist eine lückenlose Überwachung des Warenzustands sehr wichtig, denn die Güter sind während der so genannten TUL-Prozesse (Transport, Umschlag und Lagerung) unterschiedlichsten Belastungen ausgesetzt. Eine solche kontinuierliche Kontrolle der Waren entlang der gesamten Logistikkette ist jedoch extrem teuer und wird daher zum jetzigen Zeitpunkt nur in Ausnahmefällen umgesetzt. Bislang gibt es kein Verfahren, das in großem Maßstab wirtschaftlich anwendbar ist.

Forscher am Institut für Distributions- und Handelslogistik (IDH) des Vereins zur Förderung innovativer Verfahren in der Logistik (VVL) e.V. in Dortmund haben nun im Rahmen eines Projekts der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) eine Lösung für dieses Problem der Logistikbranche gefunden.


Gütertransport

Foto: © Petra Dirscherl / pixelio

Prof. Dr.-Ing. Rolf Jansen und Dipl.-Logistiker Tim Siebels ist es gelungen, ein energieautarkes multisensorisches Sender-Empfänger-System auf Basis elektromagnetischer Wellen zu entwickeln. Ein so genannter RFID (radio-frequency identification) -Transponder erfasst relevante Parameter, die im Rahmen von TUL-Prozessen auftreten, während er sich gleichzeitig selbst mit Energie versorgt.

Das IGF-Projekt wurde vom AiF-Mitglied Gesellschaft für Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik e.V. (GVB) koordiniert und war Finalist bei der Wahl zum diesjährigen Otto von Guericke-Preis der AiF. Die vorwettbewerbliche IGF wird im Innovationsnetzwerk der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen und ihrer 100 Forschungsvereinigungen organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Lückenlose Kontrolle

Entlang der Logistikkette werden die transportierten Waren häufig nur lückenhaft kontrolliert, stellt Prof. Jansen vom VVL fest. Umschlag- und Zwischenlagerungsprozesse werden nicht miterfasst, obwohl gerade hier verschiedene Parameter wie Feuchtigkeit, Beschleunigung oder Temperatur zu Qualitätseinbußen und Beschädigungen der Ware führen können.

In der Kühllogistik zum Beispiel wird die Kühltemperatur der Waren häufig nur auf der Laderaumebene und damit für mehrere Ladeeinheiten gleichzeitig überwacht. Verlässliche Qualitätsgarantien sind so kaum möglich. Die derzeit verwendeten Sensortransponder müssen ständig über eine Energiequelle versorgt werden, erklärt Siebels vom IDH und ergänzt „Genau das macht den Prozess unwirtschaftlich, denn die Energiequelle muss häufig ausgetauscht werden.“

Der neu entwickelte RFID-Transponder hingegen vermag sich mithilfe so genannter Energy-Harvesting-Technologien selbst mit Energie zu versorgen. Dazu nutzt er Energiequellen, die ohnehin während des Logistikprozesses vorhanden sind. Das kann zum Beispiel Lichtenergie sein, die mittels einer Solarzelle in elektrische Energie umgewandelt wird oder Vibrationsenergie, die mithilfe eines Vibrationsgenerators nutzbar wird.

„Auch im Kontext von „Industrie 4.0“ stellt der multisensorische Transponder für die Logistikbranche einen signifikanten Fortschritt dar. Dieses IGF-Projekt zeigt sehr schön, wie in der IGF der Brückenschlag zwischen Forschung und Praxis gelingen kann.“, betont Prof. Dr. Claus C. Berg, Vorstandsvorsitzender der GVB. Die Ergebnisse des IGF-Projekts sind für Transportunternehmen, Speditionen, Systemdienstleister und Hersteller von Transporthilfsmitteln gleichermaßen interessant. Die zumeist mittelständischen Unternehmen können ihre Wettbewerbsfähigkeit durch transparentere Prozessabläufe erheblich erhöhen.

Nach Einschätzung von Joachim Uhl, Geschäftsführer der mittelständischen SCEMTEC Sensor Technology GmbH in Wiehl, existiert ein breiter Anwenderkreis für den neu entwickelten Transponder und damit ein vielversprechender Markt.

Dreiminütige Filme zu den Projekten der Finalisten und den diesjährigen Preisträgern des Otto von Guericke-Preises finden Sie auf der Website der AiF in der Mediathek unter http://www.aif.de/mediathek/videos/2015.html.

Ansprechpartner zum Projekt

Dipl.-Logist. Tim Siebels, Institut für Distributions- und Handelslogistik (IDH) des Vereins zur Förderung innovativer Verfahren in der Logistik (VVL) e.V.,
E-Mail: t.siebels@vvl-ev.de Telefon: +49 231 56077992

Prof. Dr. Claus C. Berg, Gesellschaft für Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik (GVB) e.V.,
E-Mail: mail@gvb-ev.de, Telefon: + 49 9452 94 10 07

Über die AiF

Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. ist ein 1954 gegründetes, industriegetragenes Innovationsnetzwerk zur Förderung von For-schung und Entwicklung im Mittelstand. Es verknüpft die Interessen von Wirtschaft, Wissen-schaft und Politik. Aufgabe ist es, als Dachverband von 100 branchenspezifischen Forschungsvereinigungen die Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein ist Träger der Industriellen Gemeinschaftsforschung und betreut über die AiF Projekt GmbH und die AiF F∙T∙K GmbH, ihre ein-hundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2014 setzte die AiF über 500 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein.

Pressekontakt

AiF e.V., Evelyn Bargs-Stahl, presse@aif.de, Telefon: +49 221 37680-114

Weitere Informationen:

AiF: http://www.aif.de
IGF: http://www.aif.de/innovationsfoerderung/industrielle-gemeinschaftsforschung.html
Otto von Guericke-Preis der AiF: http://www.aif.de/aif/otto-von-guericke-preis.html
Film zum Projekt: http://www.aif.de/mediathek/videos/2015.html.
BMWi: http://www.bmwi.de/
Forschungsvereinigung GVB: http://www.aif.de/aif/mitglieder/mitglieder-steckbriefe/formular/detail/90.html

Evelyn Bargs-Stahl | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: AiF BMWi Energiequelle GVB IDH IGF RFID-Transponder Transponder VVL Verkehrsbetriebswirtschaft Wirtschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Intelligente Planung und Steuerung für mehr Effektivität und Effizienz bei Autoumschlag in Häfen
14.09.2017 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

nachricht Umweltfreundliches Segway toppt Rad und Auto bei kurzen Strecken
08.09.2017 | Hochschule Heilbronn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften