Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

24.000 Kilometer voll elektrisch: zwei Tonnen CO2 gespart

12.08.2013
1,97 Tonnen CO2 eingespart, für den Pendlerverkehr sehr gut geeignet, schnelles Laden als Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit: So lautet die Bilanz des Elektromobilitätsprojekts RheinMobil nach den ersten 23.710 Kilometern.

Diese und weitere Trends haben die Partner Michelin, Siemens, Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI heute vorgestellt. Ziel von RheinMobil ist es, am Beispiel von Dienst- und Pendlerfahrten zu zeigen, dass bestimmte Einsatzprofile einen wirtschaftlichen Betrieb von Elektrofahrzeugen möglich machen.


RheinMobil ist seit dem Frühjahr auf der Straße: Daten aus Pendel- und Dienstfahrten liefern die Grundlage für die weitere Entwicklung (Foto: Markus Breig)

Seit Mai bringen die ersten Elektrofahrzeuge Pendler aus dem Elsass ins Karlsruher Michelin Werk. Zur gleichen Zeit sind Siemens-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter für Dienstfahrten zwischen den Werken Karlsruhe und Haguenau auf Elektrofahrzeuge umgestiegen. Die täglichen Fahrstrecken betragen bis zu 360 Kilometer. „Bereits nach wenigen Monaten sind die ersten knapp 24.000 Kilometer voll elektrisch gefahren, wir haben viele Daten gesammelt – und sie bestätigen unsere Annahmen: Bislang haben die RheinMobil-Fahrzeuge lokal fast zwei Tonnen CO2 eingespart. Aufs Jahr gerechnet werden das voraussichtlich knapp vier Tonnen im Vergleich zum konventionellen Fahrzeug sein“, sagt Dr. Olaf Wollersheim von der Projektleitung am KIT. Der technische Reifegrad sei dabei mit konventionellen Fahrzeugen vergleichbar.

„Wir sehen auch, dass sich gerade der Pendlerverkehr extrem gut für den Einsatz elektrischer Fahrzeuge eignet: Denn er erlaubt hohe Jahresfahrleistungen – auch bei wenigen festen Lademöglichkeiten, also ohne flächendeckendes Infrastrukturnetz“, so Dr. Kevin Stella, der RheinMobil gemeinsam mit Wollersheim koordiniert. Bei den Einzelfahrstrecken, die zwischen 60 und 80 Kilometern liegen, sei auch die begrenzte Reichweite von Elektrofahrzeugen kein Hindernis. Zudem bietet der Pendelverkehr ausreichende Stillstandzeiten zum Laden, sodass keine ungewünschten Wartezeiten entstehen.

Nach den aktuellen Werten sind Jahresfahrleistungen von knapp 40.000 Kilometern möglich. Allerdings strebt RheinMobil ein noch höheres Auslastungsmodell an, das in einer weiteren Phase des Projektes erprobt wird. Denn die Partner gehen davon aus, dass hohe Auslastung und die Möglichkeit zur Schnellladung Voraussetzungen für die Wirtschaftlichkeit sind. „In den höheren Auslastungsmodellen untersuchen wir die Schnellladung innerhalb von 30 Minuten und deren Einfluss auf die Batterieperformance“, so Stella. Die Wissenschaftler bauen dabei auf das im Projekt Competence E am KIT gewonnene Wissen rund um die Lithium-Ionen-Technologie auf.

Ziel ist, im Laufe des Projekts die Schnelllademöglichkeiten auszubauen. Angestrebt werden 3.000 Schnellladevorgänge pro Jahr. Bei dem Modell könnten die Fahrgemeinschaften von drei Schichten bei Michelin jeweils das gleiche Fahrzeug nutzen. Denn noch ist der Betrieb der Fahrzeuge nicht wirtschaftlich – obwohl die Fahrer beim Bremsen rund 15 Prozent der eingesetzten Energie zurückgewinnen und so bei vorausschauender Fahrweise die Restreichweite erhöhen können.

Bei Michelin sind derzeit zwei Fahrzeuge mit jeweils sieben Personen im Einsatz, die tägliche Fahrleistung liegt bei rund 320 Kilometern. „Ich kann nur immer wieder betonen, dass dieses Projekt hervorragend mit unserer Unternehmenskultur, insbesondere mit unserer Charta ‚Leistung und Verantwortung‘ zusammenpasst, da wir hier unsere Grundwerte ‚Achtung vor der Umwelt‘ und ‚Innovation fördern‘ sehr praxisnah verbinden können“, sagt Christian Metzger, Werkleiter Michelin Karlsruhe. „Zudem, wenn wir, wie von der Bundesregierung geplant, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen haben möchten, dann kann man nicht abwarten bis irgendjemand beginnt.“

„Elektromobilität hautnah erleben und damit Umweltbewusstsein erfahren, dies wollen wir unseren Mitarbeitern ermöglichen“, so Hans-Georg Kumpfmüller, Vorsitzender der Betriebsleitung Siemens Karlsruhe. Für Dienstfahrten ins 70 Kilometer entfernte französische Haguenau werde das Angebot rege genutzt. Alle, die ein Elektrofahrzeug zum ersten Mal nutzten, berichteten durchweg positiv über den guten Fahrkomfort.

Die Motivation und die Erwartungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untersucht begleitend das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. „Erste Befragungen haben ergeben, dass die Neugier auf die neue Technologie, die geringen Betriebskosten sowie ein Umweltbewusstsein die relevanten Aspekte sind, die die Leute zu einer Teilnahme bewegen“, so Professor Martin Wietschel. Größte Barrieren seien derzeit die begrenzte Reichweite sowie das limitierte Fahrzeugangebot.

Bei der Präsentation der Trendmeldungen sagte Dr. Veit Steinle, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS): „Die Projekte in den ‚Schaufenstern Elektromobilität‘ der Bundesregierung laufen auf Hochtouren. Trends und Zwischenergebnisse, die durch Projekte wie RheinMobil in kürzester Zeit erzielt werden, sind beeindruckend und sollten direkt für die weitere Entwicklung der Elektromobilität – ob in den Schaufenstern oder außerhalb – nutzbar gemacht werden. Die Bundesregierung fördert die Marktvorbereitung für elektromobile Anwendungen mit rund einer Milliarde Euro. Davon werden circa 180 Millionen Euro in den ‚Schaufenstern Elektromobilität‘ Baden-Württemberg, Bayern/Sachsen, Niedersachsen und Berlin/Brandenburg investiert. Das Bundesverkehrsministerium verfolgt eine anwendungsorientierte und technologieoffene Förderung von Elektromobilität, bei der insbesondere Demo-Projekte im Flotten- und Wirtschaftsverkehr eine große Rolle spielen. Wir gehen davon aus, dass in diesem Bereich besonders hohe Einsparpotenziale liegen – ökologisch wie ökonomisch.“

Das Projekt RheinMobil ist eines von rund 40 Projekten im Schaufenster Elektromobilität Baden-Württemberg „LivingLab BWe mobil“ und wird mit knapp einer Million Euro vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) im Rahmen der Schaufensterinitiative der Bundesregierung gefördert. Die Bundesregierung hat im April 2012 vier Regionen in Deutschland als „Schaufenster Elektromobilität“ ausgewählt und fördert hier auf Beschluss des Deutschen Bundestags die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben. Insgesamt stellt der Bund für das Schaufensterprogramm Fördermittel in Höhe von 180 Millionen Euro bereit. In den groß angelegten regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben wird Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem erprobt. Weitere Informationen unter www.schaufenster-elektromobilitaet.org.

Schaufenster Elektromobilität „LivingLab BWe mobil“
Im baden-württembergischen Schaufenster „LivingLab BWe mobil“ erforschen mehr als 100 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand Elektromobilität in der Praxis. Die Projekte konzentrieren sich mit ihren Aktivitäten auf die Region Stuttgart und die Stadt Karlsruhe und sorgen auch international für eine große Sichtbarkeit. Das „LivingLab BWe mobil“ steht für einen systemischen Ansatz mit ineinandergreifenden Projekten, die Elektromobilität vom E-Bike über den E-PKW bis hin zum elektrischen Transporter und Plug-in-Linienbussen für jedermann erfahrbar machen. Die Projekte adressieren Fragestellungen zu Intermodalität, Flotten und gewerblichen Verkehren, Infrastruktur und Energie, Stadt- und Verkehrsplanung, Fahrzeugtechnologie, Kommunikation und Partizipation sowie Ausbildung und Qualifizierung. Koordiniert wird das „LivingLab BWe mobil“ durch die Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie e-mobil BW GmbH und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS). Weitere Informationen unter www.livinglab-bwe.de.
Weiterer Kontakt:
Margarete Lehné, Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-48121,
Fax: +49 721 608-43658, E-Mail: margarete.lehne@kit.edu
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.
Das Foto steht zum Download bereit unter http://www.kit.edu/downloads/pi_bilder/2013_102_24.000_Kilometer_voll_
elektrisch_-_zwei_Tonnen_CO2_gespart.jpg
und kann angefordert werden unter: presse@kit.edu oder +49 721 608-47414. Die Verwendung des Bildes ist ausschließlich in dem oben genannten Zusammenhang gestattet.
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Presse, Kommunikation und Marketing
Presse

Monika Landgraf
Pressesprecherin
Kaiserstraße 12, Gebäude 10.11, Raum 008.3
76131 Karlsruhe
Telefon: +49 721 608-4 7414
Fax: +49 721 608-4 3658
E-Mail: monika.landgraf@kit.edu
www.kit.edu
Als zertifizierte Universität und Großforschungseinrichtung fördert und praktiziert das KIT die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Familie.

KIT - Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

Monika Landgraf | KIT-Presse
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?
24.11.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Autonomes Fahren – und dann?
22.11.2017 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie