Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zum CO2-freien Kraftwerk

03.11.2010
Neuartige Verfahren zur CO2-Abscheidung verbrauchen kaum Energie und
verursachen nur geringe Kosten / TU Darmstadt weiht Versuchsanlage ein

Die Technische Universität Darmstadt hat am Mittag eine Versuchsanlage zur Abscheidung von Kohlendioxid (CO2) eingeweiht. In der Anlage wird das Institut für Energiesysteme und Energietechnik zwei neuartige Verfahren zur CO2-Abscheidung erforschen, die weniger Energie verbrauchen und geringere Kosten verursachen als bisherige Ansätze.

Bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Erdgas entstehen große Mengen des Klimagases Kohlendioxid. Eine Schlüsseltechnologie für emissionsärmere und umweltfreundlichere Kraftwerke ist daher die Abscheidung und Speicherung des Kohlendioxids aus den Kraftwerksabgasen (Carbon Capture and Storage, kurz: CCS). CCS könnte die CO2-Emissionen aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe in der Energieerzeugung und der Industrie auf beinahe Null mindern und so entscheidend dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Die bisherigen Ansätze zur CO2-Abscheidung erfordern allerdings einen hohen zusätzlichen Energie- und Kostenaufwand, was die Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz dieser Verfahren in Frage stellt. In der neuen Versuchsanlage wird das Institut für Energiesysteme und Energietechnik der TU Darmstadt zwei neuartige Verfahren zur CO2-Abscheidung erforschen, die bei äußerst geringem Energieaufwand und geringen Kosten CO2-Emissionen fast vollständig vermeiden.

Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Bernd Epple und seine 26 Mitarbeiter werden in den kommenden zwei Jahren in der Versuchsanlage das sogenannte Carbonate-Looping-Verfahren und das Chemical-Looping-Verfahren erforschen. Beide Verfahren nutzen natürliche Materialien und reduzieren die bisher zur CO2-Abscheidung nötige Energie auf weniger als die Hälfte. „Diese Verfahren sind Meilensteine auf dem Weg zum CO2-freien Kraftwerk. Mit ihrer Hilfe könnten Kohle- und Erdgaskraftwerke zuverlässig und kostengünstig Energie erzeugen, ohne die Umwelt zu belasten“, so Epple.

Beim Carbonate-Looping-Verfahren wird natürlich vorkommender Kalkstein genutzt, um das CO2 zunächst in einem ersten Reaktor aus dem Abgasstrom des Kraftwerks zu binden. In einem zweiten Reaktor wird das reine Kohlendioxid wieder freigesetzt und kann anschließend gespeichert werden. Der Vorteil des Carbonate-Looping-Verfahrens ist, dass auch bestehende Kraftwerke mit dem Verfahren nachgerüstet werden können.

Mit Hilfe des Chemical-Looping-Verfahrens kann in neuen Kraftwerken das CO2 sogar weitgehend ohne Verlust der Energieeffizienz abgeschieden werden. In diesem Verfahren entsteht durch eine zweistufige, flammenlose Verbrennung ein eigener Rauchgasstrom, der nur CO2 und Wasserdampf enthält. Auch hier kann das CO2 nun abgeschieden und gespeichert werden.

Mark Weinmeister, Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, würdigte zur Einweihung die für den Umweltschutz wichtigen Anstrengungen der TU. „Die Weiterentwicklung von Versuchen zur Kohlendioxid-Abscheidung bei der Energieerzeugung in Kohlekraftwerken ist wichtig“, unterstrich Weinmeister. Gerade mit Blick darauf, dass in China jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht, sei die Entwicklung einer Abscheidetechnik für Kohlendioxid dringend erforderlich. „Hier sehe ich langfristig Möglichkeiten, die Technologien in die asiatischen und amerikanischen Märkte zu exportieren.“

Die Erforschung der neuen Verfahren wird von der Europäischen Union, dem Bundeswirtschaftsministerium und verschiedenen Industriepartnern mit mehr als 7 Millionen Euro gefördert. Aufgrund der Höhe der Anlage entstand auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt eine neue, ca. 20 Meter hohe Versuchshalle. Die Bauzeit für die Versuchshalle und Pilotanlage betrug 20 Monate. In ersten Funktionstests konnte in der Anlage bereits erfolgreich Kohlendioxid eingebunden werden.

Über die TU Darmstadt

Die TU Darmstadt zählt zu den führenden Technischen Universitäten in Deutschland. Ihre rund 270 Professoren, 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 23.000 Studierenden widmen sich entscheidenden Zukunftsfeldern wie Energie, Mobilität, Kommunikation und Information sowie Bauen und Wohnen.

Pressekontakt:
Prof. Dr.-Ing. Bernd Epple
Telefon: 06151/16-2191
E-Mail: bernd.epple@est.tu-darmstadt.de
Hinweis an die Hörfunk-Redaktionen:
O-Töne von Prof. Dr.-Ing. Bernd Epple zum Thema können Sie unter www.tu-darmstadt.de/vorbeischauen herunterladen, Sie finden die O-Töne am Ende des Artikels zur Einweihung.

MI-Nr. 57/2010, csi

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Uhrenbestandteile aus Diamant
18.06.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

nachricht Sauberes Biogas: TU Wien präsentiert Entschwefelungstechnik
11.06.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics