Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltgefahren erkennen: Satellitendaten enttarnen Hangrutschungen

29.07.2014

Im österreichischen Weltraumprogramm ASAP (Austrian Space Applications Programme) setzen ForscherInnen die Daten des neuen Radarsatelliten Sentinel-1A zur Erkennung von Umweltgefahren ein. Das AIT Austrian Institute of Technology beteiligt sich gemeinsam mit Joanneum Research und ENVEO an dem einzigartigen Satellitenprojekt, um Hangrutschungen möglichst frühzeitig zu erkennen.

In dem von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG geförderten Projekt des Weltraumprogramms ASAP wird das AIT die Daten des Satelliten Sentinel nutzen. Mit hochpräzisen Radarmessungen aus dem All werden Erdbewegungen großflächig und über längere Zeiträume hinweg erfasst. Ziel ist es, politische EntscheidungsträgerInnen in der Prävention von Naturgefahren und im Katastrophenmanagement noch besser zu unterstützen.

Neben dem Projektkoordinator ENVEO, einem Spin-off der Universität Innsbruck, verwenden AIT und Joanneum Research die Satellitendaten für die Forschung. "Sentinel liefert Radardaten in noch nie dagewesener Genauigkeit und Qualität und ist damit ein echter Quantensprung in der Erdbeobachtung", so Dr. Philip Leopold, Forscher am AIT Health & Environment Department und Experte für Naturgefahren.

"Wir sind österreichweit unter den ersten Forschungsinstitutionen, die mit diesen brandneuen Daten arbeiten. Unsere ExpertInnen nutzen die hochauflösenden Radardaten des Satelliten, um die drohende Gefahr zu erkennen und das am besten bevor der Hang rutscht. Wir leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Prävention von Naturgefahren und zum Katastrophenmanagement", sagt Dr. Felix Steyskal, Head of Business Unit Environmental Resources & Technologies am AIT.

Nationales Weltraumprogramm

Das Österreichische Weltraumprogramm ASAP wurde 2002 vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) initiiert. Es soll die Entwicklung kommerziell verwertbarer Produkte und Dienstleistungen beschleunigen und wissenschaftlichen Institutionen und Unternehmen den Zugang zum internationalen Markt erleichtern sowie deren Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

"Einmal mehr zeigt sich hier, welchen Nutzen wir aus der Weltraumforschung und aus Weltraumtechnologien 'Made in Austria' ziehen können. Als Technologie- und Infrastrukturministerin freut es mich ganz besonders, dass hier neue Technologien einen wesentlichen Beitrag zum Schutz unserer modernen Infrastruktur leisten können", sagt Infrastrukturministerin Doris Bures.

Schäden an Infrastruktur verhindern

ExptertInnen gehen davon aus, dass der Klimawandel durch längere Trockenperioden und häufigere Starkregen zu einem vermehrten Auftreten von Hangrutschungen führt. "Das bringt eine verstärkte Instabilität von Hanglagen mit sich und damit ein vermehrtes Auftreten von Erdrutschen", zeigt sich Leopold überzeugt. Diese zerstörerischen Massenbewegungen stellen nicht nur eine Gefahr für Menschenleben dar, sondern führen auch zu enormen wirtschaftlichen Schäden an Infrastrukturen wie Bahngleisen oder Straßen.

Die AIT-ExpertInnen haben sich in den vergangenen Jahren auf die Früherkennung dieser gefährlichen Massenbewegungen spezialisiert. Ihr Know-how wird von Landesregierungen, Industrie und Ministerien mittlerweile ebenso genützt wie bald auch von den chinesischen Behörden.

Monitoring von Umweltgefahren

ENVEO beschäftigt sich mit der Entwicklung der Algorithmen und der Software, die benötigt werden, um die neuen Aufnahmen von Sentinel zu verarbeiten. Auf der Anwendungsseite nimmt Joanneum Research Gletscherbewegungen und Bodensetzungen ins Visier, während sich das AIT vor allem auf seine Kernkompetenz konzentriert - die Vermessung von Hangrutschungen.

"Unser Hauptaugenmerk liegt auf sogenannten Kriechbewegungen, das sind Erdbewegungen in der Größenordnung von wenigen Zentimetern oder Millimetern pro Jahr. Große Hangrutschungen kommen nicht aus dem Nichts, ihnen gehen immer derartige Bewegungen voraus", betont der Naturgefahrenexperte Leopold. Trotz ihrer Zeitlupengeschwindigkeit darf die von Kriechbewegungen ausgehende Gefahr nicht unterschätzt werden, denn sie können jederzeit schlagartig beschleunigen.

Anders als herkömmliche Messsysteme stellt der Satellit im Wochentakt ein neues Bild zur Verfügung und bietet großflächige dynamische Informationen anstelle von statischen und punktuellen Daten. Dieses kontinuierliche Monitoring erlaubt es den ForscherInnen, gefährliche Tendenzen bereits im Ansatz zu erkennen und frühzeitig Maßnahmen vorzuschlagen.

Effektiver Methodenmix für den Umweltschutz

Die satellitenbasierte Fernerkundung ergänzt das bestehende Serviceportfolio, das von der flugzeuggestützten Lasermessung und Modellierung über die Erstellung von Gefahrenkarten bis hin zur Sanierung von Hangrutschungen reicht. Da in Zukunft aktuelle Daten und Zeitreihen für sämtliche Gebiete des Globus auf Knopfdruck abrufbar sein werden, eröffnet das Projekt eine Vielzahl von Kooperationsmöglichkeiten auf internationaler Ebene.

"Die Teilnahme an diesem europäischen Prestigeprojekt festigt unser bestehendes Know-how und ergänzt es mit innovativen Methoden", so Steyskal.

AIT, Joanneum Research und ENVEO gemeinsam am Projekt beteiligt

Rückfragehinweis: Zlata Kovacevic, B.A. Marketing and Communications AIT Austrian Institute of Technology Health & Environment Department T +43 (0)50550-4406 | zlata.kovacevic@ait.ac.at | http://www.ait.ac.at

Mag. Michael H. Hlava Head of Corporate and Marketing Communications AIT Austrian Institute of Technology T +43 (0)50550-4014 | michael.hlava@ait.ac.at | http://www.ait.ac.at

Mag. Michael Hlava | pressetext.deutschland

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Granulare Materie blitzschnell im Bild
21.09.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Sprühtrocknung: Wirkstoffe passgenau verkapseln
01.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie