Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Siemens und LanzaTech wollen Bioethanol aus Stahlwerksabgasen erzeugen

19.06.2013
- Biologisches Fermentierungsverfahren konvertiert CO und CO2 zu Ethanol und anderen Basis-Chemikalien

- Prozess nutzt Energieinhalt von Stahlwerksabgasen

- Kooperation über zehn Jahre zur weiteren Entwicklung und Vermarktung integrierter Umweltlösungen für die weltweite Stahlindustrie

Siemens Metals Technologies und LanzaTech haben ein zehnjähriges Kooperationsabkommen zur Entwicklung und Vermarktung von integrierten Umweltlösungen für die weltweite Stahlindustrie geschlossen.


Das mikrobiologische Fermentierungsverfahren von LanzaTech wurde 2012 gemeinsam mit Baosteel in deren Werk in Schanghai erfolgreich eingeführt. Die vorkommerzielle Anlage produziert rund 300 Tonnen Ethanol pro Jahr. Siemens und LanzaTech kooperieren bei der Weiterentwicklung und Vermarktung dieser Technologie (Copyright: LanzaTech).

Im Zentrum der Zusammenarbeit steht das von LanzaTech entwickelte Fermentierungsverfahren, mit dem kohlenstoffreiche Abgase in der Stahlindustrie zu Bioethanol und anderen Basis-Chemikalien konvertiert werden können. Siemens und LanzaTech werden auch bei der Prozessintegration und -optimierung, bei der Vermarktung sowie der Durchführung von Kundenprojekten kooperieren.

Abgase aus der Eisen- und Stahlerzeugung enthalten signifikante Mengen an Kohlenmonoxid (CO) und Kohlendioxid (CO2). Die Eisen- und Stahlindustrie trägt 6,7 Prozent zum weltweiten CO2-Aufkommen bei. Durchschnittlich 1,8 Tonnen Kohlendioxid entstehen bei der Produktion einer Tonne Stahl. Bisher werden diese Abgase abgefackelt oder zur werksinternen Erzeugung von Prozesswärme und elektrischer Energie genutzt.

LanzaTechs innovative Technik nutzt die Abgase aus Konverter-, Kokerei- oder Hochofenprozessen als Nährstoff und Energiequelle. Mit dem patentierten biologischen Fermentierungsverfahren steht Stahlwerksbetreibern jetzt ein Weg offen, die in den Abgasen in Form von CO, CO2 und H2 (Wasserstoff) enthaltene chemische Energie zur umweltfreundlichen Erzeugung von Bioethanol oder anderen Basis-Chemikalien wie Essigsäure, Aceton, iso-Propanol, n-Butanol oder 2,3-Butanediol zu nutzen.

Allein der Weltmarkt für Ethanol wird auf ein jährliches Volumen von mehr als 80 Millionen Tonnen geschätzt, davon 75 Millionen Tonnen für den Einsatz als Biokraftstoff. Im Gegensatz zum aus Agrarprodukten gewonnenen Bioethanol tritt das Fermentierungsverfahren von LanzaTech nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung. Wesentlicher Vorteil dieser Technologie ist, dass die CO2-Emissionen ("Carbon Footprint") um 50 bis 70 Prozent geringer als bei erdölbasierten Kraftstoffen und um etwa ein Drittel geringer als bei der Verstromung der Stahlwerksabgase sind.

Seit 2008 betreibt LanzaTech in Auckland, Neuseeland, eine Pilotanlage, die Stahlwerksabgase verarbeitet. 2012 hatte LanzaTech als weltweit erstes Unter-nehmen die Gasfermentierung zur vorkommerziellen Einsatzreife gebracht. Zwei von LanzaTech entwickelte und betriebene Anlagen in Werken der chinesischen Stahlerzeuger Baosteel und Shougang produzieren seither jeweils rund 300 Tonnen Ethanol pro Jahr aus Abgasen. Zurzeit plant LanzaTech zwei kommerzielle Produktionsanlagen in China zu errichten. Der Bau soll noch 2013 beginnen und die Produktion 2014 aufgenommen werden. Siemens und LanzaTech verfolgen mehrere kommerzielle Fermentierungsprojekte weltweit.

"Die globale Nachfrage nach bezahlbarer und umweltfreundlich erzeugter Energie war noch nie so stark wie heute", sagte Dr. Jennifer Holmgren, CEO von LanzaTech. "Die Kohlendioxidemissionen von Stahlwerken können eine neue wichtige Energiequelle werden und gleichzeitig zur Emissionsreduktion beitragen. Wir sind froh darüber, gemeinsam mit Siemens integrierte Lösungen zu entwickeln, mit denen die Eisen- und Stahlindustrie ihre Wertschöpfung und Umweltfreundlichkeit erhöhen kann".

"Die Eisen- und Stahlindustrie agiert zurzeit in einem schwierigen Marktumfeld. Nicht neue Produktionsrekorde sind heute das Hauptziel unserer Kunden, sondern eine möglichst weitgehende Senkung der Betriebskosten", sagte Norbert Petermaier, Senior Vice President bei Siemens Metals Technologies "Gleichzeitig setzen Regierungen ambitionierte Vorgaben für Emissionssenkungen, insbesondere hinsichtlich des CO2-Austoßes". Aus diesem Grund konzentriere sich Siemens auf Lösungen, mit denen Stahlerzeuger beide Ziele erreichen können. "LanzaTechs einzigartige CO/CO2-Fermentierung bietet eine solche Gelegenheit und passt hervorragend zur führenden Position von Siemens als Anbieter von grünen Lösungen für die Industrie".

LanzaTech ist ein führendes Unternehmen auf dem Gebiet der Gasfermentierung mit dem Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer und ökonomischer Methoden zur Erzeugung von umweltfreundlichen Brennstoffen und hochwertigen Chemikalien aus Industrieabgasen und Reststoffen. LanzaTechs einzigartiges Verfahren bietet einen nachhaltigen Weg zur Produktion von Basis-Chemikalien, die als Bausteine für unersetzliche Materialien wie Gummi, Plastik, Kunstfasern oder Treibstoffe dienen. Die technischen Lösungen von LanzaTech senken den Ausstoß von Kohlendioxid in Industrieanlagen, ohne die Nahrungsmittelerzeugung oder die Landnutzung zu beeinträchtigen. Das ursprünglich in Neuseeland gegründete Unternehmen ist durch den für 2013 geplanten Baubeginn von zwei kommerziellen Anlagen, die 2014 in Betrieb gehen sollen, eine weltweit agierende Firma geworden. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.lanzatech.com

Der Siemens-Sektor Industry (Erlangen) ist der weltweit führende Anbieter innovativer und umweltfreundlicher Produkte und Lösungen für Industrieunternehmen. Mit durchgängiger Automatisierungstechnik und Industriesoftware, fundierter Branchenexpertise und technologiebasiertem Service steigert der Sektor die Produktivität, Effizienz und die Flexibilität seiner Kunden. Der Sektor Industry hat weltweit mehr als 100.000 Beschäftigte und umfasst die Divisionen Industry Automation, Drive Technologies und Customer Services sowie die Business Unit Metals Technologies. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.siemens.com/industry

Die Business Unit Metals Technologies (Linz, Österreich) im Siemens-Sektor Industry ist ein weltweit führender Lifecycle-Partner für die metallurgische Industrie. Die Business Unit bietet ein umfassendes Technologie-, Modernisierung-, Produkt- und Serviceportfolio und integrierte Automatisierungs- und Umweltlösungen für den gesamten Lebenszyklus von Anlagen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.siemens.com/metals

Reference Number: IMT201306468d

Ansprechpartner

Herr Dr. Rainer Schulze
Metals Technologies
Siemens AG
Turmstr. 44
4031 Linz
Österreich
Tel: +49 (9131) 7-44544
rainer.schulze@siemens.com

Dr. Rainer Schulze | Siemens Metals Technologies
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com/metals
http://www.lanzatech.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Neues Verfahren bringt komplex geformte Verbundwerkstoffe in die Serie
23.01.2017 | Evonik Industries AG

nachricht Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile
19.01.2017 | Fraunhofer IFAM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie