Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Phosphor-Gewinnung aus städtischem Abwasser

12.10.2009
TU-Wien-Forscher entwickeln Technik für Phosphor-Recycling

Die Lagerstätten für das lebenswichtige Element Phosphor reichen nur noch 150 Jahre. Die größte Sekundärquelle der wertvollen Substanz ist der städtische Klärschlamm. Ein Forscherteam der Technischen Universität Wien hat nun eine Technologie entwickelt, wie man Phosphor aus dem Abwasser wieder zurückgewinnen kann.

"Würde unsere Technik in Österreich flächendeckend eingesetzt, so könnten wir mit dem Recycling-Phosphor bis zu 30 Prozent unseres gesamten Bedarfs decken", so Helmut Rechberger, Professor für Ressourcenmanagement am Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft.

Gemeinsam mit Benedikt Nowak vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften und dem Wiener Unternehmen Ash Dec Umwelt AG wurde das Projekt "Urban Mining" ins Leben gerufen. "Früher wurden die Klärschlämme aufgrund der hohen Phosphoranteile einfach auf die Felder ausgebracht. Doch in den Klärschlämmen sind auch viele Schadstoffe wie Schwermetalle, künstliche Hormone und andere Arzneimittel enthalten, daher ist in manchen Regionen die Ausbringung von Klärschlamm auf die Felder heute bereits verboten", erklärt Nowak im pressetext-Interview.

Bei der neuen Technologie wird Klärschlamm zunächst in konventionelle Verbrennungsanlagen eingebracht, wobei die organischen Stoffe wie Hormone und Medikamente zerstört werden. Die Schwermetalle wandern ins Rauchgas und werden herausgefiltert", so Nowak. Nach der Verbrennung wird die Asche bei einer Temperatur von 1.000 Grad nochmals chemisch und thermisch behandelt. "Bei diesem Schritt verflüchtigen sich weitere Schwermetalle, die dann aus dem angereicherten Gas heraus abgeschieden werden", erklärt der Experte. "Am Ende bleibt ein phosphorreiches Material zurück, das zu Dünger weiter verarbeitet werden kann."

Europaweit werden derzeit rund sechs Kilogramm Phosphor pro Kopf und Jahr verbraucht. Phosphor ist ein lebenswichtiges Element. Die Steuerung des Energiehaushalts in den Zellen von Pflanzen und Tieren oder die Zusammensetzung der Erbsubstanz DNA hängen direkt von seiner Verfügbarkeit ab. "Zwischen 2007 und 2008 hat sich der Weltmarktpreis für Rohphosphate verdoppelt. China hat seinen Export aufgrund des höheren Eigenverbrauchs gestoppt", so Nowak. Ein weiteres Problem sei auch, dass das noch verfügbare Erz selbst immer mehr Schadstoffe wie Cadmium oder Uran enthält und die Aufbereitung daher sehr kostspielig ist.

"Die Vorteile von 'Urban Mining' sind daher neben der direkten Verfügbarkeit aus den städtischen Kläranlagen auch noch ein wesentlich kürzerer Transportweg und daher geringere Schadstoffbelastungen", so Nowak. "Zudem ist der Phosphatabbau in den zum Teil politisch instabilen Ländern auch eine ökologisch sehr problematische Angelegenheit, da der Flächenverbrauch hierbei sehr groß ist", meint der Experte. Es sei also nur eine Frage der Zeit bis Phosphorrecycling ökonomisch konkurrenzfähig ist.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.iwa.tuwien.ac.at
http://www.vt.tuwien.ac.at
http://www.ashdec.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Elektrodenmaterialien aus der Mikrowelle
18.10.2017 | Technische Universität München

nachricht Metallisches Fused Filament Fabrication - Neues Verfahren zum metallischen 3D-Druck
12.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik