Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Nachhaltigkeit beim Bierbrauen: Non-Stop-Gärung spart Ressourcen

28.05.2013
Wie lässt sich beim Brauen Energie sparen?

Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben dafür ein neues Verfahren entwickelt. Dabei findet der Gärprozess schrittweise in mehreren Behältern statt, die miteinander verbunden sind. Da die Anlage kontinuierlich und über mehrere Monate betrieben werden kann, verringert sich der Energieverbrauch. Zudem lassen sich die eingesetzten Ressourcen effizienter nutzen.

Die zeitintensivsten Schritte beim Brauen sind die Gärung und Lagerung. Hier bildet das Bier auch seine charakteristischen Aromen aus. „Geschmack und Qualität des Bieres hängen maßgeblich von der Art der eingesetzten Hefen und dem angewendeten Gärverfahren ab“, erklärt Konrad Müller-Auffermann vom Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität.

Für die Gärung verwenden Brauereien üblicherweise große, zylinderförmige Edelstahlbehälter. Diese sind mit nur einem Zu- und Ablauf am Boden ausgestattet, über den das Bier und die Hefe ein- bzw. ausgeleitet werden. Nach der Gärung und Lagerung lassen die Brauereien das entstandene Kohlendioxid aus den Tanks ab und reinigen sie aufwändig über mehrere Stunden – erst dann können sie die nächste Charge einfüllen.

Während der Füll-, Leerungs- und Reinigungsvorgänge lassen sich die Tanks nicht für die Produktion nutzen. Um diese Lücke zu schließen, hat ein TUM-Wissenschaftler ein Verfahren entwickelt, bei dem die Gärung kontinuierlich in mehreren, miteinander verbundenen Tanks stattfindet. „Dafür installieren wir in die üblichen Behälter eine zusätzliche Anlage mit einem Leitrohr“, sagt Müller-Auffermann. „Die Tanks werden dann in Reihe zu einer Reaktionskaskade geschaltet“.

Vorteile durch Dauerbetrieb
Das neue Verfahren erlaubt es, die wertvolle Hefe und andere Bestandteile, die sich auf dem Tankboden absetzen, im laufenden Betrieb abzuleiten und bei Bedarf wiederzuverwenden. Müller-Auffermann: „Mit dem Einbau eines nach unten offenen Leitrohres entstehen zwei Reaktionsbereiche im Tank. Anders als beim klassischen Verfahren lassen sich die Behälter nun von oben befüllen und entleeren. Den unteren Ablauf können die Brauer nutzen, um die Hefezellen und Partikel zu entfernen.“

Mit dem Dauerbetrieb steigt die Effizienz der Anlage: „Bei kontinuierlichen Prozessen werden Energiespitzen reduziert. So können die Brauereien beispielsweise Strom sparen. Außerdem gehen weniger Produkte, also auch Bier, verloren – und die Brauereien brauchen weniger Wasser und Reinigungsmittel“, sagt Müller-Auffermann.

Derzeit wird die von der TUM zum Patent angemeldete Anlage erfolgreich im Kleinmaßstab am Forschungszentrum Weihenstephan betrieben. In der Brauindustrie gibt es jedoch bereits Bestrebungen, das effiziente und ökologische Konzept in naher Zukunft auch großtechnisch umzusetzen.
Neue Lösung erfüllt lang gehegten Wunsch

An der Idee, die Gärung als kontinuierlichen Prozess durchzuführen, tüftelt das Brauwesen bereits seit mehr als 100 Jahren. Allerdings hat sich im Praxisbetrieb bisher kein Konzept durchgesetzt. Die Gründe dafür nennt Dr. Friedrich Jacob, Leiter des Forschungszentrums Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität: „Bier ist ein komplexes Produkt, da es aus hunderten verschiedener Komponenten besteht. Bereits kleinste Veränderungen können dazu führen, dass von einem Inhaltsstoff zu viel oder zu wenig gebildet wird – und das Bier nicht mehr schmeckt.“
„Bei der Entwicklung haben wir Wert darauf gelegt, dass Anlage und Verfahren einfach einzurichten sind“, ergänzt Müller-Auffermann. „Da die Hefe eine wichtige Rolle für die Qualität des Bieres spielt, behandeln wir den sensiblen Organismus praktisch genauso wie beim herkömmlichen Verfahren. Das ist der Schlüssel zu einem konstant guten Produkt."

Kontakt:

Technische Universität München
Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität
W: http://www.blq-weihenstephan.de/leistungen.html

Konrad Müller-Auffermann
T: +49.8161.71.3526
E: kma@wzw.tum.de

Dr. Fritz Jacob
T: +49.8161.71.4181
E: f.jacob@wzw.tum.de

Dr. Ulrich Marsch | Technische Universität München
Weitere Informationen:
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/30827/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Schnell, präzise, aber nicht kalt
17.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neues Laserstrahl-Schweißverfahren des Fraunhofer IWS erlangt die Zertifizierung der DNV GL
16.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise