Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die kleinsten Räucherhäuschen des Erzgebirges

27.11.2012
Weihnachtliche Tour der Superlative führt dieses Jahr in das Labor der Mikrofertigungstechniker der TU Chemnitz

Die wohl kleinsten Räucherhäuschen des Erzgebirges befinden sich in einem Labor der Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Chemnitz.

Die winzigen Metallhäuschen sind mit einer Höhe von 0,8 und 2 Millimetern so klein, dass sie auf einer 1-Cent-Münze stehend kaum noch zu erkennen sind. Gefertigt wurden sie an der Professur Mikrofertigungstechnik. Das Team um Prof. Dr. Andreas Schubert beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem großen Potenzial kleiner Bauteile und Strukturen.

Doch wie entstehen diese winzigen Teile? Mit Hilfe eines winzigen elektrisch geladenen Salzwasserstrahls vom Durchmesser eines menschlichen Haares gelingt es den Forschern in der Arbeitsgruppe um Dr. Matthias Hackert-Oschätzchen beispielsweise Edelstahlfolie mit einer Dicke von 0,1 Millimeter zu zerschneiden. Anders als das Wasserabrasivstrahlschneiden erfolgt beim sogenannten Jet-ECM (ECM = electrochemical machining) der Materialabtrag nicht durch die kinetische Energie von Partikeln, sondern durch eine elektrochemische Reaktion zwischen Elektrolytstrahl und Werkstückwerkstoff.

Das Metall wird dabei anodisch aufgelöst. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen in der nahezu kraftfreien und gratfreien Bearbeitung von hochfesten Metallen ohne thermische Beeinflussung des Werkstückmaterials sowie ohne Verschleiß der Werkzeuge. Im Fall der elektrochemischen Strahlbearbeitung ist das Werkzeug eine Edelstahldüse mit einem Bohrungsdurchmesser von 50 Mikrometern.

Mit diesem Verfahren lassen sich neben kleinen Räucherhäuschen oder winzigen Tannenbäumen natürlich auch technisch weitaus relevantere Bauteile erzeugen. "Neben dem Folienschneiden ist es möglich, Oberflächen von größeren Bauteilen mit funktionalen Mikrostrukturen zu versehen, die zum Beispiel zur Reibungsminimierung im Automobil oder an Maschinenkomponenten beitragen können", sagt Schubert. Auch für die Strukturierung von hochfesten Umformwerkzeugen könne das Verfahren beispielsweise genutzt werden. Darüber hinaus sind Anwendungen in der Fluid- und Medizintechnik zu finden.

"Oberflächenstrukturen im Mikrometerbereich sind auch verantwortlich für eine Vielzahl von physikalischen Eigenschaften, die auch die Weihnachtswelt beeinflussen.", sagt Hackert-Oschätzchen und ergänzt: "Sie sorgen dafür, dass ein Lichtstrahl anheimelnd reflektiert wird, dass die Mandelreibe Mandeln reibt oder dass die Räder an der Modelleisenbahn fest mit den Achsen verbunden sind."

Weitere Informationen erteilt Dr. Matthias Hackert-Oschätzchen, Telefon 0371 531-35131, E-Mail matthias.hackert@mb.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Innovation macht 3D-Drucker für kleinere und mittlere Unternehmen rentabel
24.03.2017 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Neues energieeffizientes Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern
13.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE