Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fruchtbare Bedingungen für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit

06.05.2010
Im Rahmen des EU-Projekts „Ziel 3 – TRANSLINUM“ erforscht und erprobt die TU Chemnitz 2010 das zukunftsträchtige Verfahren des Naturfaserspritzgießens

Die aus Asien stammende Leinpflanze wurde in den vergangenen Jahren in Deutschland hauptsächlich als Öllein zum Zweck der Samengewinnung und anschließenden Produktion von Leinöl angebaut, das unter anderem der Herstellung von Speiseöl, Farben, Lacken, Kosmetika, Nahrungs- und Arzneimitteln dient. Das dabei anfallende Nebenprodukt des Ölleinstrohs schien lange eine unliebsame Begleiterscheinung ohne technischen oder wirtschaftlichen Nutzen zu sein.

Das von der Europäischen Union (EU) geförderte Projekt „Ziel 3 – TRANSLINUM“, das die wirtschaftliche und soziale Zusammenarbeit in der sächsisch-tschechischen Grenzregion vorantreiben soll, widmet sich nun der ganzheitlichen stofflichen und energetischen Nutzung der Ölleinpflanze. Dabei ist vor allem die Frage zentral, wie der im Ölleinstroh enthaltene Anteil an Flachsfasern gewonnen, verarbeitet und genutzt werden kann. Die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz will als Projektpartner diese bisher nicht genutzte Rohstoffquelle erschließen und sie als Verstärkungsmaterial in Kunststoffen einsetzen. Dafür sollen entsprechende Versuche zur Compoundierung sowie Verarbeitung im Spritzguss durchgeführt werden. „Mit den Forschungs- und Entwicklungsvorhaben für 2010 gehen wir einen neuen Weg in der Kunststoffverarbeitung. Die Innovation besteht darin, dass wir Ölleinstroh – also ein vermeintliches Abfallprodukt – im Naturfaserspritzguss einsetzen, um die Eigenschaften von Bauteilen, wie deren Steifigkeit und Festigkeit, zu verbessern“, so Roman Rinberg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung. Neben der Herstellung technischer Bauteile können verschiedene Kunststoffprodukte, beispielsweise Gehäuse, Verpackungen, Plastikgeschirr oder Büromaterial, mithilfe dieses Spritzgießverfahrens gefertigt werden. Im Gegensatz zum Formpressen erlaubt das Spritzgießen variable Gestaltungsmöglichkeiten und bietet ein dementsprechend breites Anwendungsspektrum. Die Produktion großer Stückzahlen ist schnell und kostengünstig möglich.

Geleitet wird „Ziel 3 – TRANSLINUM“ von Sachsen-Leinen e. V. Waldenburg; der Tschechische Flachsverband Sumperk sowie das Bildungsinstitut PSCHERER unterstützen es als Projektpartner. Seit dem Start des dreijährigen Vorhabens im April 2009 zählten vor allem die Sortenauswahl, Feldentholzung, Strukturmatten-, Vlies- und Spritzgussherstellung unter Verwendung des Ölleins, die energetische Nutzung der Pflanze sowie Dokumentation, Wissenstransfer und die Präsentation der Ergebnisse zu den Aufgaben der Projektteilnehmer.

IM April 2010 wurden die ersten Versuche mit Ölleinfasern im Zentrum für Integrative Leichtbautechnologien an der TU Chemnitz durchgeführt. „Bereits jetzt hat das Projekt so viel Aufmerksamkeit erregt, dass wir über Folgevorhaben nachdenken können. Die Zahl derjenigen, die uns als Mitstreiter begleiten wollen, wächst stetig“, so Stefan Breymann vom Projektpartner Bildungsinstitut PSCHERER.

Fruchtbarkeit und Wachstum sind in den kommenden Monaten nicht nur in landwirtschaftlicher Hinsicht wünschenswert. Mit „Ziel 3 – TRANSLINUM“ als Nachfolgeprogramm der EU-Gemeinschaftsinitiative „Interreg III A Freistaat Sachsen – Tschechische Republik“ will die EU gemeinsame Strategien für die innovative, grenzüberschreitende Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Öllein fördern und so auf lange Sicht eine ausgeglichene und nachhaltige Gemeinschaft gewährleisten. Für das Projekt wurden etwa 980.000 Euro bewilligt. Finanziert wird es durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE).

Nähere Informationen erteilen Roman Rinberg, Telefon 0371 531-32359, E-Mail roman.rinberg@mb.tu-chemnitz.de, und Sona Bürgermeister, Telefon 0371 531-38263, E-Mail sona.buergermeister@mb.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Mitarbeiter der Hochschule Ulm entwickeln neue Methode zur Desinfektion von Kontaktlinsen
17.07.2017 | Hochschule Ulm

nachricht Form aus dem Vakuum: Tiefziehen von Dünnglas eröffnet neue Anwendungsfelder
07.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mikrophotonik – Optische Technologien auf dem Weg in die Hochintegration

21.07.2017 | Förderungen Preise

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise