Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entwickeln klimaschonende Klimaanlage

23.06.2010
Ansatz kombiniert gegensätzliche Kühlmechanismen

US-Forscher haben ein Kühlsystem entwickelt, das deutlich umweltfreundlicher ist als herkömmliche Klimaanlagen. Denn der Ansatz stellt Lösungen in Aussicht, die bis zu 90 Prozent weniger Strom verbrauchen als die derzeit besten Geräte mit Kompressorkühlung. Dabei wird auf umweltschädigende Substanzen wie FCKW verzichtet. Möglich macht das eine neuartige Kombination mehrerer, teils gegensätzlicher Ansätze.

Denn Verdunstungskühlung, bei der Wasser verdampft wird, kommt ebenso zum Einsatz wie das Senken der Luftfeuchtigkeit mithilfe von Trockenmitteln. Die dritte Komponente sind spezielle Membranen. "Wir haben eine Chance gesehen, diese Ansätze in einem Gerät zusammenzuführen und so ein Produkt mit einzigartigen Eigenschaften zu schaffen", sagt Eric Kozubal, Ingenieur am National Renewable Energy Laboratory (NREL) http://www.nrel.gov .

Verdunsten und Trocknen

Prinzipiell kann Luft entweder durch direktes Senken der Temperatur oder durch Entziehen von Luftfeuchtigkeit gekühlt werden. Letzteres funktioniert mit Trockenmitteln, also Substanzen wie den Silica-Kügelchen, die in Schuhkartons als Feuchtigkeitsschutz dienen. Allerdings gab es entspechende Kühlsysteme bislang nur in industriellem Maßstab. Auf ersteres Kühlprinzip setzen wiederum Verdunstungskühler, durch die aber die Luftfeuchtigkeit steigt. Das macht eine sinnvolle, kostengünstige Kombination der beiden Zugänge schwierig.

Um dieses Problem zu lösen, setzen die NREL-Forscher auf spezielle, dünne Membrane. Diese sind hydrophob, sodass sich Wasser darauf in Tropfen niederschlägt, anstatt die Membran zu durchdringen. "Dadurch werden Feuchtigkeit und Trockenmittel vom Luftstrom separiert", erklärt Kozubal. Um der zu kühlenden Luft Feuchtigkeit zu entziehen kommt dabei nicht Silica, sondern eine Kombination von Salzen zum Einsatz. Diese sorgen laut NREL für besonders trockene Luft.

Klima-Optimum

Der so entstande "Desiccant-Enhanced eVaporative air conditioner" (DEVap)ist sowohl zum Einsatz in trockenen Wüstengebieten als auch in tropischem Klima geeignet und liefert jedenfalls trockene, kühle Luft. Gleichzeitig schont das System im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen die Umwelt. Denn der Strombedarf liegt laut NREL zwischen 50 und 90 Prozent niedriger. Außerdem wird auf den Ozonkiller FCKW, der in Teilen der Welt bis heute in Kühlsystemen zum Einsatz kommt, gänzlich verzichtet.

Das DEVap-Konzept wurde patentiert und wird nun weiter optimiert. Das System soll kleiner und einfacher werden, so Kozubal. Außerdem will man die Wärmeübertragung perfektionieren, um das System kosteneffizienter zu machen. Auf die Dauer will das NREL die Technologie an Unternehmen lizenzieren, die dann umweltfreundliche Klimageräte auf den Markt bringen sollen.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nrel.gov

Weitere Berichte zu: FCKW Feuchtigkeit Klimaanlage Kühlsystem Luftfeuchtigkeit NREL Trockenmitteln

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Neues Verfahren bringt komplex geformte Verbundwerkstoffe in die Serie
23.01.2017 | Evonik Industries AG

nachricht Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile
19.01.2017 | Fraunhofer IFAM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie