Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals elektrostatische Pulverlackbeschichtung von Kunststoffen möglich

10.10.2013
Ein vollkomen neues Verfahren ermöglicht die elektrostatische Pulverlackbeschichtung von Kunststoffen.

Gemeinsam mit der Hochschule Offenburg hat die Firma Schneider Oberflächentechnik in Lahr dieses neuartige Verfahren entwickelt, mit dem es möglich sein wird, die Pulverlackierung auch bei Kunststoffen und Kunststoff-Verbundmaterialien anzuwenden.


Durch die neue Pulverlackbeschichtung könnte die Welt der Küchen- und Haushaltsgeräte bald viel bunter ausfallen.

Foto: Schneider Oberflächentechnik, Lahr

Die Fachzeitschrift Besser lackieren hat bereits mehrfach über die neue Methode berichtet. In der aktuellen Ausgabe erscheint ein Interview mit dem Geschäftsführer der Firma Schneider Oberflächentechnik in Lahr, Harald Schneider.

Pulverlackbeschichtung hat große Vorteile gegenüber anderen Beschichtungsverfahren: Im Vergleich zur klassischen Nasslackierung kann beispielsweise ohne die Verwendung von Lösungsmitteln gearbeitet werden. Bislang konnten allerdings nur elektrisch leitende Werkstoffe pulverbeschichtet werden – für Kunststoffe war es bisher nicht möglich. Gemeinsam mit der Hochschule Offenburg hat die Firma Schneider Oberflächentechnik in Lahr ein vollkommen neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem es möglich sein wird, die Pulverlackierung auch bei Kunststoffen und Kunststoff-Verbundmaterialien anzuwenden.

Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH unterstützt die schutzrechtliche Absicherung des neuen Verfahrens und begleitet die Vermarktung. Die Fachzeitschrift Besser lackieren hat bereits mehrfach über die neue Methode berichtet. In der aktuellen Ausgabe erscheint ein Interview mit dem Geschäftsführer der Firma Schneider Oberflächentechnik in Lahr, Harald Schneider (http://www.vincentz.net/dl.php?fid=48701a04-7bb3-1031-954b-00163e9dbcaa).

Das neu entwickelte Pulverlackbeschichtungsverfahren erschließt völlig neue Märkte, weil sich so auch Kunststoff-Werkstoffe beschichten lassen, die im Vergleich zu Metallen nicht leitfähig und weniger temperaturbeständig sind. So können in Zukunft alle Standard-Thermoplaste wie beispielsweise PVC, Polyamide und ABS beschichtet werden. Damit kann die Welt der Küchen- und Haushaltsgeräte bald viel bunter ausfallen. Auch in der Automobilindustrie sowie bei Möbeln und in der Gartengestaltung werden dadurch viele Möglichkeiten eröffnet.

Die Firma Schneider Oberflächentechnik in Lahr ist seit Jahren spezialisiert auf Pulverlackbeschichtungen und Nasslackierungen. Die klassische elektrostatische Pulverlackbeschichtung wird bisher in großem Maßstab für die Lackierung elektrisch leitender, insbesondere metallischer Werkstoffe und Erzeugnisse aus beispielsweise oxidationsempfindlichem Stahl oder Aluminium verwendet. Die gebräuchlichsten und kostengünstigsten Pulverlacke bestehen aus kleinsten Partikeln (ca. 1 – 100 µm) aus Epoxid- oder Polyesterharzen sowie Hybridstoffen. Bei diesem Verfahren werden feinste Lackpartikel elektrisch aufgeladen und mittels elektrostatischer Kräfte auf das metallische Werkstück aufgebracht und anschließend thermisch zu einem Lack verschmolzen.

Schwierigkeiten ergeben sich bislang insbesondere bei Gegenständen ohne oder mit nur geringer Leitfähigkeit, wie beispielsweise Gegenständen aus Kunststoff oder Kunststoff-Verbundwerkstoffen. Dort haften aufgrund der geringen elektrostatischen Kräfte die Pulverlackpartikel nur unzureichend auf dem Gegenstand und können somit nicht in ausreichender Schichtdicke aufgetragen werden.

In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Johannes Vinke von der Hochschule Offenburg entwickelte Geschäftsführer Harald Schneider die Idee, das Verfahren der Pulverlackierung auch auf Standard-Kunststoffe anzuwenden. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt wurde erprobt, wie Standard-Thermoplaste aus den technischen und Konsum-Bereichen für eine elektrostatische Pulverbeschichtung aufbereitet werden können. „Wir haben nach einer neuartigen und effizienten Möglichkeit gesucht, die zudem noch einfach in bestehende Produktionsabläufe zu integrieren sein sollte“, erklärt Professor Vinke, der an der Hochschule Offenburg Maschinenbau und Werkstofftechnik lehrt und forscht. Im Fokus der Forscher stand die Entwicklung eines beständigen Haftvermittlers (Primers), der ohne Verwendung von leitfähigen, meist metallischen Zusätzen auskommen sollte. Für Harald Schneider war eine hohe Qualität, Stabilität und Beständigkeit der Pulverlackierung am Produkt maßgeblich.

Das Projekt ist im Rahmen eines ZIM-Förderprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) entstanden. Mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) sollen die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, einschließlich des Handwerks und der unternehmerisch tätigen freien Berufe, nachhaltig unterstützt und damit ein Beitrag zu deren Wachstum verbunden mit der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen geleistet werden. Mit Unterstützung der Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH wurde das neu entwickelte Verfahren zum Patent angemeldet.

Harald Schneider, Inhaber der gleichnamigen Firma in Lahr, ist von dem neuen Verfahren begeistert: „Das Spannende daran ist, dass wir nun einfach unseren Haftvermittler auf die gereinigte Kunststoffoberfläche aufbringen können, ohne leitfähige Zusätze verwenden zu müssen. Und anschließend können wir den elektrostatischen Pulverlack elektrostatisch nach dem Standard-Verfahren auftragen und einbrennen.“

Die Firma Schneider Oberflächentechnik ist bereits in der Lage, das neue Lackierverfahren auf dem Markt anzubieten. Harald Schneider ist mit verschiedenen Kunden im Gespräch. „Vor allem mit Spritzguss und bei temperaturbeständigen Materialien haben wir gute Ergebnisse erzielt“, so Harald Schneider. „Wir können mittlerweile sogar dreidimensional pulvern. Und das Ergebnis ist wirklich überzeugend gut!“ Schneider hat eine kleine Musteranlage gebaut und nutzt diese für Versuche und Tests. Nun sucht er Kunden, mit denen er gemeinsam kleine Projekte und kleine Serien produzieren kann, um die Qualität der Beschichtung am Produkt zu zeigen. „Wir müssen Erfahrungen sammeln. Denn den berühmten Feinschliff kann man erst direkt am Objekt machen.“

Weitere Informationen:

http://www.tlb.de
http://www.vincentz.net/dl.php?fid=48701a04-7bb3-1031-954b-00163e9dbcaa
http://www.besserlackieren.de/Technologien-Substrate/Pulverbeschichten/Innovatives-Verfahren-ermoeglicht-die-Pulverbeschichtung-von-Werkstuecken-aus-Kunststoff
--------------------------------------------------------------------------------

Annette Siller | idw
Weitere Informationen:
http://www.tlb.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Mitarbeiter der Hochschule Ulm entwickeln neue Methode zur Desinfektion von Kontaktlinsen
17.07.2017 | Hochschule Ulm

nachricht Form aus dem Vakuum: Tiefziehen von Dünnglas eröffnet neue Anwendungsfelder
07.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie